Hunderte Missbrauchsvorwürfe gegen Baptistenverband in den USA

Hunderte Missbrauchsvorwürfe gegen Baptistenverband in den USA
Führende Vertreter des "Südlichen Baptistenverbandes", der größten protestantischen Kirche der USA, haben mit Entsetzen auf Missbrauchsvorwürfe gegen Pastoren und freiwillige Mitarbeiter reagiert.

Der Präsident der rund 15 Millionen Mitglieder zählenden "Southern Baptist Convention", J.D. Greear, rief auf Twitter zur Umkehr und zu umfassenden Reformen auf. Die beschriebenen Taten seien "das pure Böse". Die US-Zeitungen "Houston Chronicle" und "San Antonio Express-News" hatten am Wochenende über Hunderte sexuelle Missbrauchsvorwürfe gegen den Baptistenverband berichtet.

In den vergangenen zwei Jahrzehnten seien 380 Pastoren und Kirchenhelfer beschuldigt worden, hieß es in den Zeitungsberichten. Die Vorwürfe gelten als glaubwürdig. Rund 200 Beschuldigte wurden den Angaben zufolge bereits verurteilt. Die Zeitungen sprachen von insgesamt 700 Missbrauchsopfern.

Mehr zu Missbrauch
Kind betet
Der Religionssoziologe Detlef Pollack sieht die Ursache für zurückgehende Mitgliederzahlen der großen Kirchen unter anderem in einem Traditionsabbruch sowie im Umgang mit Missbrauchsfällen in der Kirche.
Andacht in der Kreuzkirche am Vorabend des Hannover-Marathons 2019 mit Pastorin Karoline Läger-Reinbold
In Nenndorf bei Hamburg kam es in den 1980er und 1990er Jahren zu einem Fall von schwerem sexuellen Missbrauch in einer evangelischen Kirchengemeinde. Jetzt will die Landeskirche Hannover die Hintergründe und Ursachen erforschen lassen.

Die Zeitungen berichteten zudem über zahlreiche Vorfälle, bei denen Verantwortliche in der Kirche Vorwürfe nicht ernst genommen und Beschuldigte gedeckt hätten. Der Präsident der Kommission für Ethik und Religionsfreiheit im Baptistenverband, Russell Moore, lobte die Enthüllungsartikel, auch wenn diese für die Kirche schmerzhaft seien.