Marktkirche beherbergt bei Winterkälte 16 Obdachlose

Marktkirche Hannover

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Im Winter bietet die Marktkirche Obdachlosen Schutz vor der Kälte.

Marktkirche beherbergt bei Winterkälte 16 Obdachlose
Wenn die Nächte kälter werden, erfrieren immer wieder Obdachlose auf der Straße. Um das zu verhindern, hat die Hannoveraner Marktkirche ihre Türen geöffnet und bietet nun in den kommenden kalten Nächsten 16 Obdachlosen einen warmen Schlafplatz.
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Die Marktkirche in Hannover hat in der Nacht zum Freitag bei eisiger Kälte 16 Obdachlose aufgenommen. Zum Auftakt der dreitägigen Hilfsaktion fanden sich 15 Männer und eine Frau ein, die sonst im Freien geschlafen hätten, wie die evangelische Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann dem epd berichtete. "Unser Portal war die ganze Nacht geöffnet." Die letzten beiden Männer seien nachts um drei Uhr gekommen.

Zunächst konnten sich die Wohnungslosen im Kirchenschiff der spätgotischen Backsteinkirche aufwärmen. Dort wurden sie bei Tee und Keksen empfangen, und viele erzählten den Marktkirchen-Mitarbeitern aus ihrem Leben. "Sie waren sehr dankbar, dass sie hier sein konnten", sagte die Pastorin. Vier der Männer hatten polnische oder russische Wurzeln. Die übrigen waren Deutsche. Einer kam mit Hund.

Zu den Obdachlosen gehörte eine junge Frau Anfang 30, die Hartz IV bezieht. Sie könnte somit Zuschüsse für eine Wohnung bekommen, lebt zurzeit aber trotzdem draußen. "Für Frauen ist das noch mal schlimmer, denn sie sind auf der Straße noch mehr der Gewalt ausgesetzt", sagte Kreisel-Liebermann. Einer der Männer war mit Anfang 40 wegen einer Krankheit frühberentet. Er will im April dennoch eine Ausbildung beginnen. Seit einem Jahr lebt er auf der Straße.

In einem Saal unter der Marktkirche lagen Decken und Schlafsäcke bereit. Zwei ehrenamtliche Helfer kümmerten sich um die Besucher. Ihnen stand ein syrischer Flüchtling zur Seite, der zum Sicherheitsfachmann ausgebildet worden war. Eine benachbarte Imbissbude spendierte am Abend zwei Bleche Pizza für alle. Die Helfer bereiteten am Freitagmorgen noch ein Frühstück vor, dann zogen die Wohnungslosen weiter.

"Auf dem Boden eines Gemeinderaumes zu schlafen, ist sicherlich besser als auf der Straße, aber es ist natürlich keine Lösung", betonte die Pastorin. "Uns ist klar, dass es eher ein Zeichen ist." Mittelfristig müsse es darum gehen, dass diese Menschen wieder eine Wohnung finden könnten. Dennoch sei es Aufgabe der Kirche, sich in Notfällen um Menschen ohne Obdach zu kümmern. Die Marktkirche will noch bis Sonntag früh ihre Pforten für Obdachlose offenhalten.

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