Missbrauchsfälle erschüttern massiv das "Gebälk der Kirche"

Missbrauchsfälle erschüttern massiv das "Gebälk der Kirche"
Die in den vergangenen Jahren weltweit bekanntgewordenen Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester müssen nach Meinung des Hildesheimer Bischofs Heiner Wilmer zu einem grundlegenden Umdenken in der katholischen Kirche führen. Dies sei aus seiner Sicht ein Thema, "das so massiv das Gebälk der Kirche erschüttert wie nur selten große historische Ereignisse", sagte Wilmer in einem Interview zu Weihnachten auf NDR Info.

Der katholische Bischof erinnerte an das verheerende Erdbeben in Lissabon im Jahr 1755. Damals hätten Theologen in ganz Europa gefragt, wie Gott so etwas zulassen könne und ob sie angesichts der vielen Opfer einfach so weitermachen könnten wie bisher.

"Ich finde, dass die Situation, die wir in diesen Jahren erleben, dazu führen muss, dass wir sie nicht nur organisatorisch behandeln", betonte Wilmer mit Blick auf die Missbrauchsfälle. Vielmehr müsse ernsthaft gefragt werden, was dies für das Nachdenken über Gott, die Bibel, die christliche Botschaft, die Kirche und ihre Liturgie bedeute. Zugleich sei die Frage nach einer veränderten Struktur zu stellen: "Inwieweit müssen wir uns neu aufstellen, inwieweit brauchen wir eine Gewaltenteilung?" 


Auch nach einer besseren Kontrolle und nach mehr Beteiligung verschiedener Gruppen sei zu fragen, sagte Wilmer. Der Bischof leitet seit September das katholische Bistum Hildesheim, in dem viele Missbrauchsfälle aus den vergangenen Jahren und Jahrzehnten bekanntgeworden waren.

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