Gerontologe: Alte Menschen wollen für andere sorgen

Alte Menschen haben nach den Worten des Gerontologen Andreas Kruse ein großes Verlangen danach, etwas für die nachfolgenden Generationen zu tun. Dieses Bedürfnis einer "symbolischen Unsterblichkeit" finde sich bei allen Menschen wieder, sagte Kruse, Direktor des Gerontologischen Institutes an der Universität Heidelberg am Freitagabend auf dem Adventsempfang der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck in Kassel. Das hätten Untersuchungen des Instituts ergeben.

Es sei von großer Bedeutung, nicht nur die körperlichen Phänomene des Alterns zu erforschen, sondern auch die geistigen, sagte Kruse, der zum Thema "Altern und Alter: Zuwachs an Wissen und Erkenntnis. Chancen und Herausforderungen für Gesellschaft, Kirche und Demokratie" sprach. Die menschliche Psyche vollziehe im Altersprozess bemerkenswerte Schritte. Das Spirituelle erfahre eine starke Akzentuierung. Das müsse ernst genommen werden.

Alte Menschen könnten jungen Menschen wertvolle Anregungen geben, da sie nicht mehr zeigen müssten, dass sie besser seien, erläuterte der Universitätsprofessor. Selbst die Art und Weise, wie ein alter Mensch mit Krankheit und Verlust umgehe, könne lehrreich für andere sein. Es komme künftig darauf an, den Alten die Möglichkeit zu geben zu zeigen, dass sie sich für andere sorgen wollen. Dann könnten die hohen Potenziale des Alters verwirklicht werden. Auch der Kirche könne dies neue Anstöße geben. "Wir müssen zu einer tiefen Spiritualität finden", sagte Kruse.

Zuvor hatte der kurhessische Bischof Martin Hein darauf hingewiesen, dass sich in der Gesellschaft nicht nur die Alterspyramide verändere, sondern auch das Alter selbst. So seien etwa 60 bis 80-Jährige heute erheblich vitaler als noch vor zwei oder drei Generationen. Allerdings gebe es dafür weniger junge Menschen mit kirchlicher Bindung. "Wir müssen die Chancen und das Potenzial der Veränderung erfassen", sagte Hein.