Käßmann kritisiert Bundesregierung wegen Waffenexporten

Margot Käßmann, evangelische Theologin im Ruhestand.

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Margot Käßmann

Käßmann kritisiert Bundesregierung wegen Waffenexporten
Margot Käßmann will sich als neue Botschafterin des Kinderhilfswerks terre des hommes für die Rechte und den Schutz von Kindern weltweit einsetzen. Sie sei überzeugt von der Kombination aus konkreter Hilfe gegen Gewalt an Kindern und politischer Arbeit zugunsten der Rechte von Mädchen und Jungen, sagte die evangelische Theologin am Dienstag am Sitz der Organisation in Osnabrück.

Sie wolle in Talkshows und öffentlichen Veranstaltungen terre des hommes ins Gespräch bringen, aber auch Hilfsprojekte in verschiedenen Ländern besuchen: "Ich werde mein Bestes tun und freue mich darauf." Käßmann tritt ihr Amt im Januar 2019 an. Schon als Bischöfin der hannoverschen Landeskirche und als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hatte die heute 60-Jährige mit politischen Aussagen stets klare Kante gezeigt. Bei ihrer Vorstellung für das neue Amt wandte sie sich gleich mit deutlicher Kritik an die Bundesregierung. Früher klagte sie etwa mit dem Satz an "Nichts ist gut in Afghanistan". Diesmal verurteilte sie die deutschen Waffenexporte nach Saudi-Arabien.

Das Thema Jemen muss auf die Tagesordnung

Es sei "schockierend, dass der Krieg im Jemen, in dem viele Kinder gerade verhungern, überhaupt nicht auf der Tagesordnung ist", sagte Käßmann. Nicht dieser Krieg, "in dem deutsche Waffen durchaus eine Rolle spielen", habe dazu geführt, dass die Rüstungsexporte nun eingestellt würden. Das sei erst jetzt, mit Bezug auf den Fall des getöteten Journalisten Jamal Khashoggi geschehen. "Ich finde das skandalös und finde, dass dieses Thema viel stärker in der Öffentlichkeit diskutiert werden muss."

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Jemen, ein Krieg gegen die Schwächsten

Ein Mann trägt am 12.11.2017 in Sanaa (Jemen) sein unterernährtes Kind zu einem therapeutischen Ernährungszentrum.

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Ein Mann trägt am 12.11.2017 in Sanaa (Jemen) sein unterernährtes Kind zu einem therapeutischen Ernährungszentrum.

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Ein Mann trägt am 12. Oktober 2017 in Sanaa (Jemen) sein unterernährtes Kind zu einem therapeutischen Ernährungszentrum. Die Vereinten Nationen haben gewarnt, dass in Jemen die größte Hungersnot der Welt seit Jahrzehnten bevorsteht. Die UN konfrontiert damit die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition, die keine humanitäre Hilfe in der Region gestattet.

Zwei Mädchen umarmen sich am 11.11.2017 in der Nähe ihres bei einem Luftangriff beschädigten Hauses in Sanaa (Jemen).

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Zwei Mädchen umarmen sich am 11.11.2017 in der Nähe ihres bei einem Luftangriff beschädigten Hauses in Sanaa (Jemen). Kampfjets einer saudi-arabisch geführten Militärkoalition haben Augenzeugen zufolge das Verteidigungsministerium unter Kontrolle der Huthi-Rebellen in der jemenitischen Hauptstadt angegriffen.

Zwei Jungen tragen am 30. September 2017 in Sanaa (Jemen) während einer Prozession des islamischen Schura-Festes Kopfbänder mit der Aufschrift "Zu deinem Diensten Husain".

dpa/Hani Al-Ansi

Zwei Jungen tragen am 30. September 2017 in Sanaa (Jemen) während einer Prozession des islamischen Schura-Festes Kopfbänder mit der Aufschrift "Zu deinem Diensten Husain". Aschura ist der zehnte Tag des heiligen Monats Muharram. In dieser Zeit gedenken die Gläubigen dem Imam Al-Husain, der ein Enkel des Propheten Mohammed war.

Menschen betrachten am 8. Oktober 2017 in Sanaa (Jemen) eine Mauer, an der Fotos der Opfer eines saudischen Luftangriffs auf eine Trauerhalle hängen, der 2016 stattfand.

dpa/Hani Al-Ansi

Menschen betrachten am 8. Oktober 2017 in Sanaa (Jemen) eine Mauer, an der Fotos der Opfer eines saudischen Luftangriffs auf eine Trauerhalle hängen, der 2016 stattfand. Bei dem Angriff wurden 140 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt.

Menschen erhalten am 13.April 2017 in Sanaa (Jemen) eine Essensration.

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Menschen erhalten am 13.April 2017 in Sanaa (Jemen) eine Essensration. Den UN zufolge sind mehr als 21 Millionen Menschen im Jemen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das entspricht etwa 82 Prozent der Bevölkerung. Sieben Millionen Personen sind akut vom Hunger bedroht.

Ein Kind der jemenitischen jüdischen Gemeinde wartet am 8.Oktober 2017 in Sanaa (Jemen) auf eine Lebensmittelausgabe

dpa/Hani Al-Ansi

Ein Kind der jemenitischen jüdischen Gemeinde wartet am 8. Oktober 2017 in Sanaa (Jemen) auf eine Lebensmittelausgabe, die von der humanitären Organisation "Mona Relief Yemen" in einem von der Armee beschützen Lager bereit gestellt wird.

Ein jemenitisches Kind erhält am 23.Oktober 2017 in Sanaa (Jemen) eine Polio-Impfung im Rahmen einer Polio-Impfkampagne.

dpa/Hani Al-Ansi

Ein jemenitisches Kind erhält am 23.Oktober 2017 in Sanaa (Jemen) eine Polio-Impfung im Rahmen einer Polio-Impfkampagne. Während der nationalen, dreitägigen Impfkampagne gegen Polio, sollten mehr als 5 Millionen Kinder in Jemen geimpft werden.

November 2017: Ein Mädchen sucht im Abfall auf einer Straße in Sanaa (Jemen) nach Verwertbarem.

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November 2017: Ein Mädchen sucht im Abfall auf einer Straße in Sanaa (Jemen) nach Verwertbarem. Im Jemen sind wegen der saudi-arabischen Blockade nach Einschätzung der Vereinten Nationen die Leben von Millionen Menschen bedroht.

Menschen erhalten am 13. April 2017 in Sanaa, Jemen, eine Essensration von einer lokalen Wohltätigkeitsorganisation.

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Menschen erhalten am 13. April 2017 in Sanaa, Jemen, eine Essensration von einer lokalen Wohltätigkeitsorganisation. Mittlerweile wird die Hilfe für die Bevölkerung wegen der andauernden Blockade schwieriger. Viele Menschen drohten zu verhungern, falls die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition die See- und Flughäfen weiter blockiere, warnte der UN-Nothilfekoordinator Lowcok.

Ein unterernährtes, drei Monate altes Baby im Ernährungszentrum eines Krankenhauses.

dpa/Yahya Arhab

Ein unterernährtes, drei Monate altes Baby im Ernährungszentrum eines Krankenhauses. Der Jemen ist ein karges Land. Nur circa drei Prozent der Fläche sind landwirtschaftlich nutzbar.

Am häufigsten treffen Krankheiten diejenigen mit dem schwächsten Immunsystem: die Kinder.

Foto: dpa/Hani Mohammed

Patienten werden am 1. Juli 2017 in einer Klinik in Sanaa (Jemen) wegen einer vermuteten Cholera-Infektion behandelt. Wegen der saudi-arabischen Militärblockade wird es schwieriger, die sich ausbreitende Krankheit aufzuhalten. Die Stromversorgung ist wegen ausgehendem Treibstoff unterbrochen, so wird das Wasser knapp und Infektionskrankheiten breiten sich schneller aus. Am häufigsten treffen Krankheiten diejenigen mit dem schwächsten Immunsystem: die Kinder.

Diese drei jungen Mädchen schöpfen Wasser in Lahj, Halmeen.

Foto: CARE/Eman Al-Awami

Millionen Menschen im Jemen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Die meisten Quellen sind zerstört, die Menschen haben weniger als ein Glas Wasser am Tag zu trinken. CARE hilft dabei, Wasserquellen zu reparieren und neue zu erschließen. Diese drei jungen Mädchen schöpfen Wasser in Lahj, Halmeen.

Seit dem Krieg verlieren noch mehr Menschen den Zugang zu Wasser. CARE hilft Menschen auf dem Land Wassertanks zu installieren und das Wasser sauber zu halten.

Foto: CARE/Eman Al-Awami

Seit dem Krieg verlieren noch mehr Menschen den Zugang zu Wasser. CARE hilft Menschen auf dem Land Wassertanks zu installieren und das Wasser sauber zu halten.



Sie persönlich sei grundsätzlich gegen deutsche Rüstungsexporte, weil es einmal geheißen habe, "dass von Deutschland aus nach zwei Kriegen nie mehr Waffen in die Welt gehen sollen". Zumindest müsse aber doch das Gesetz eingehalten werden, dass Waffen nicht in Krisengebiete geliefert werden sollten, forderte die Theologin, die im Sommer nach dem Abschluss ihrer Arbeit als Botschafterin für das 500. Reformationsjubiläum in den Ruhestand verabschiedet worden war.



Sie habe im Ruhestand die Freiheit, sich auf die Themen zu konzentrieren, die ihr immer am Herzen gelegen hätten, sagte Käßmann. Das sei neben dem Engagement für Frieden und für Frauen auch der Einsatz für Kinder. Terre des hommes überzeuge sie auch deshalb, weil das Hilfswerk Kindern und Jugendlichen auf Augenhöhe begegne und sie in den Kampf für Kinderrechte einbeziehe. Zudem setze es auf Bildungsarbeit und habe auch in Deutschland etwa von Gewalt bedrohte Kinder oder unbegleitete Flüchtlingskinder im Blick.

Terre-des-hommes-Vorstandssprecher Albert Recknagel betonte, eben die Fähigkeit Käßmanns, kontrovers zu diskutieren und schwierige Themen anzusprechen, wie auch ihre Glaubwürdigkeit, machten sie zu einer hervorragenden Repräsentantin des Kinderhilfswerks: "Wir passen zusammen."

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