Juden debattieren über ihre Zukunft in Deutschland und Europa

Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung.

© Britta Pedersen/dpa

Zahlreiche Referenten und Teilnehmer werden zum Jüdischen Zukunftskongress erwartet, unter anderem die Antisemitismusbeauftragten von Bundesregierung und EU-Kommission, Felix Klein (Bild) und Katharina von Schnurbein.

Mit den Perspektiven der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und Europa beschäftigt sich ein Jüdischer Zukunftskongress in Berlin. Die viertägige Tagung unter dem Motto "Weil ich hier leben will?" sollte am Montagabend eröffnet werden. Zahlreiche Referenten und Teilnehmer aus Politik, Kultur, Religion und Gesellschaft in Deutschland und Europa wurden dazu erwartet.

Unter ihnen sind unter anderem die Antisemitismusbeauftragten von Bundesregierung und EU-Kommission, Felix Klein und Katharina von Schnurbein. Auf dem Programm stehen Podiumsdiskussionen, Workshops und Zeitzeugengespräche unter anderem zum jüdisch-muslimischen Dialog, zum Jüdischsein außerhalb von Synagogen und Gemeinden oder zu Flucht und Migration 1938 und heute.

Junge Menschen aus der jüdischen Community nähmen die Warnungen von 1938 sehr ernst, "vielleicht heutzutage noch ernster als vor zehn oder 15 Jahren", sagte der Vorsitzende der Union progressiver Juden in Deutschland, Rabbiner Walter Homolka, am Montag im RBB-Rundfunk. Aus dem "ganzen Ballast der Geschichte" würden junge Leute heute den Anspruch für sich nehmen, dass sie in Deutschland Teil der Gesellschaft sind und mitgestalten wollen. "Sie wollen auf keinen Fall, dass es zu einer Ausgrenzung kommt - nicht von Juden und nicht von anderen Minderheiten", sagte der Gründer des Potsdamer Abraham-Geiger-Kollegs.



Nach 1945 hätte sich kein Überlebender des Holocaust vorstellen können, in Deutschland zu bleiben. Manche seien dann aber hängengeblieben. Die Kinder dieser Überlebenden hätten ein eher neutrales Verhältnis zu Deutschland entwickelt, ohne wirkliche Identifikation mit der Bundesrepublik. Erst ab Anfang der 80er hätten sich junge Juden gedacht, dass zu dem Land ein positiver Zugang möglich sein müsse. Heute glaube er schon, "dass die meisten sagen, es ist gut, als Jude in Deutschland zu leben - und ich möchte, dass das so bleibt", sagte Homolka.

Veranstalter des Kongresses sind neben der Leo Baeck Foundation die Berliner Senatskulturverwaltung und die Bundeszentrale für politische Bildung. Zudem beteiligen sich jüdische und nichtjüdische Institutionen, darunter das Centrum Judaicum, der Zentralrat der Juden, die Allgemeine Rabbinerkonferenz Deutschland, die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und der Deutsche Kulturrat.