Ökumene-Expertin: Moskau droht Isolierung wegen Konflikt um Kirchen in der Ukraine

Ökumene-Expertin: Moskau droht Isolierung wegen Konflikt um Kirchen in der Ukraine
Der Machtkampf innerhalb der orthodoxen Kirche belastet nach Ansicht der Ostkirchen-Expertin Dagmar Heller die Ökumene. Es bestehe die Gefahr, "dass sich die Russische Orthodoxe Kirche weiter isoliert", sagte die Referentin für Orthodoxie am Konfessionskundlichen Institut der evangelischen Kirche im südhessischen Bensheim nach einer Reise nach Kiew.

Die Russische Orthodoxe Kirche und das Ökumenische Patriarchat von Konstantinopel mit Sitz in Istanbul, dem in der Orthodoxie der Ehrenvorsitz zusteht, streiten sich um die Bildung einer unabhängigen (autokephalen) orthodoxen Kirche in der Ukraine. Es bestehe durchaus die Gefahr, dass die Russische Orthodoxe Kirche auch den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) verlassen könnte, sagte Heller. De facto hätten die Russen ihre Mitgliedschaft im Weltkirchenrat schon jetzt suspendiert. In ökumenischen Kommissionen, die von Vertretern des Ökumenischen Patriarchates mitgeleitet werden, nehmen Vertreter des Moskauer Patriarchats nicht mehr teil. Das heiße auch, in den ÖRK-Leitungsgremien wie Zentralausschuss oder Exekutivausschuss müssten sich die Russen konsequenterweise zurückziehen, auch wenn sie nicht offiziell austreten. Der ÖRK repräsentiert mehr als eine halbe Milliarde Christen auf allen Kontinenten. 

Durch eine drohende Isolierung in der Ökumene bestehe zudem die Gefahr, dass die Russische Orthodoxe Kirche in eine Form des christlichen Fundamentalismus gedrängt werde. Heller: "Die Hardliner in Russland jubeln bereits, dass sich ihre Kirche nicht mehr in der Ökumene engagiert."

Leidtragende sind mit Mokau verbundene Christen in der Ukraine

Bereits in den 90er Jahren habe es einmal eine Aufkündigung der Abendmahlsgemeinschaft zwischen Moskau und Konstantinopel gegeben, sagte Heller. Damals konnten sich aber beide Patriarchate relativ rasch einigen. Zu einem Konflikt gehörten beide Parteien, sagte Heller. Zwar könne man den Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus fragen: "Musste das so schnell und ohne weitere inner-orthodoxe Konsultation sein?" Aber auch die russische Seite könne man fragen: "Hätte man nicht noch einen Dialogversuch starten können?" 

Leidtragende in dem aktuellen Konflikt sei die Ukrainische-Orthodoxe Kirche, die zum Moskauer Patriarchat gehört. Die habe bisher schon einen gewissen Autonomiestatus genossen, auch wenn ihr Oberhaupt von Moskau bestimmt worden sei. Viele der mit Moskau verbundenen Christen in der Ukraine befürchteten, in eine schwierige Lage zu geraten, wenn eine neue autokephale Kirche in der Ukraine eingerichtet wird, die - wie es aussieht - dem Staat nahestehen wird. Heller: "Wenn Moskau nicht mehr ökumenisch agiert, werden diese auch nicht mehr ökumenisch agieren können. Und sie befürchten, vom Staat unter Druck gesetzt zu werden."



Das Moskauer Patriarchat hatte Mitte Oktober wegen des Streits um die Ukraine die eucharistische Gemeinschaft mit dem Patriarchat von Konstantinopel abgebrochen. Moskau lässt zudem seit 2008 bereits seine Mitgliedschaft in der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) ruhen. Grund für den Rückzug ist die fehlende Bereitschaft der KEK, die mit Moskau verbundene Estnische Orthodoxe Kirche aufzunehmen. 

Zur Rolle des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel, das die Gründung einer sogenannten autokephalen Kirche der Ukraine unterstützt, sagte die promovierte Kirchenhistorikerin: Patriarch Bartholomäus I. habe durchaus ein pastorales Interesse daran, "Ordnung in der Ukraine zu schaffen". Viele Gläubige wüssten nicht, zu welcher Kirche sie gehen sollten. Zum einen wollten sie sich aus politischen Gründen nicht nach dem Moskauer Patriarchat richten. Sie wollten auch keiner im Sinne des Kirchenrechts ungültigen Kirche angehören.

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