UN: Hälfte der Menschen im Jemen von Hungersnot bedroht

Ein unterernährtes Kind

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Ein unterernährtes Kind liegt in einem Krankenhaus in Hudaida im Jemen-

UN: Hälfte der Menschen im Jemen von Hungersnot bedroht
Schon jetzt hungern viele Jemeniten, vor allem Kinder und Alte sterben an Mangel. Bald könnten 14 Millionen Menschen betroffen sein, die Hälfte der Bevölkerung in dem Kriegsland. Menschenrechtler machen Deutschland für das Leid mitverantwortlich.

Im Jemen droht laut UN eine Hungersnot dramatischer Ausmaße. Rund 14 Millionen Menschen, also die Hälfte der Bevölkerung des Konfliktlandes, könnten in Kürze betroffen sein, erklärte UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock am Dienstag (Ortszeit) in New York vor dem Weltsicherheitsrat. Die Versorgungsknappheit sei schockierend, mahnte er. Sie könnte alles, was Helfer in ihrem Arbeitsleben je erlebt hätten, noch einmal in den Schatten stellen.

Tausende Menschen wurden bereits getötet

Seit rund drei Jahren herrscht Krieg im Jemen. Eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz unterstützt dabei die jemenitische Regierung im Kampf gegen Huthi-Rebellen, die wiederum Rückendeckung aus dem Iran erhalten. Tausende Menschen wurden bereits getötet. Lowcock verlangte von Saudi-Arabien und den anderen Konfliktparteien eine humanitäre Waffenruhe. Die Kämpfe rund um die Einrichtungen und Transportwege, die für die Lieferung von Lebensmitteln nötig seien, sollten ausgesetzt werden. Nur so könnte eine Katastrophe verhindert werden.

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Jemen, ein Krieg gegen die Schwächsten

Ein Mann trägt am 12.11.2017 in Sanaa (Jemen) sein unterernährtes Kind zu einem therapeutischen Ernährungszentrum.

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Ein Mann trägt am 12.11.2017 in Sanaa (Jemen) sein unterernährtes Kind zu einem therapeutischen Ernährungszentrum.

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Ein Mann trägt am 12. Oktober 2017 in Sanaa (Jemen) sein unterernährtes Kind zu einem therapeutischen Ernährungszentrum. Die Vereinten Nationen haben gewarnt, dass in Jemen die größte Hungersnot der Welt seit Jahrzehnten bevorsteht. Die UN konfrontiert damit die von Saudi-Arabien geführte Militärkoalition, die keine humanitäre Hilfe in der Region gestattet.

Zwei Mädchen umarmen sich am 11.11.2017 in der Nähe ihres bei einem Luftangriff beschädigten Hauses in Sanaa (Jemen).

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Zwei Mädchen umarmen sich am 11.11.2017 in der Nähe ihres bei einem Luftangriff beschädigten Hauses in Sanaa (Jemen). Kampfjets einer saudi-arabisch geführten Militärkoalition haben Augenzeugen zufolge das Verteidigungsministerium unter Kontrolle der Huthi-Rebellen in der jemenitischen Hauptstadt angegriffen.

Zwei Jungen tragen am 30. September 2017 in Sanaa (Jemen) während einer Prozession des islamischen Schura-Festes Kopfbänder mit der Aufschrift "Zu deinem Diensten Husain".

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Zwei Jungen tragen am 30. September 2017 in Sanaa (Jemen) während einer Prozession des islamischen Schura-Festes Kopfbänder mit der Aufschrift "Zu deinem Diensten Husain". Aschura ist der zehnte Tag des heiligen Monats Muharram. In dieser Zeit gedenken die Gläubigen dem Imam Al-Husain, der ein Enkel des Propheten Mohammed war.

Menschen betrachten am 8. Oktober 2017 in Sanaa (Jemen) eine Mauer, an der Fotos der Opfer eines saudischen Luftangriffs auf eine Trauerhalle hängen, der 2016 stattfand.

dpa/Hani Al-Ansi

Menschen betrachten am 8. Oktober 2017 in Sanaa (Jemen) eine Mauer, an der Fotos der Opfer eines saudischen Luftangriffs auf eine Trauerhalle hängen, der 2016 stattfand. Bei dem Angriff wurden 140 Menschen getötet und mehr als 500 verletzt.

Menschen erhalten am 13.April 2017 in Sanaa (Jemen) eine Essensration.

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Menschen erhalten am 13.April 2017 in Sanaa (Jemen) eine Essensration. Den UN zufolge sind mehr als 21 Millionen Menschen im Jemen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das entspricht etwa 82 Prozent der Bevölkerung. Sieben Millionen Personen sind akut vom Hunger bedroht.

Ein Kind der jemenitischen jüdischen Gemeinde wartet am 8.Oktober 2017 in Sanaa (Jemen) auf eine Lebensmittelausgabe

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Ein Kind der jemenitischen jüdischen Gemeinde wartet am 8. Oktober 2017 in Sanaa (Jemen) auf eine Lebensmittelausgabe, die von der humanitären Organisation "Mona Relief Yemen" in einem von der Armee beschützen Lager bereit gestellt wird.

Ein jemenitisches Kind erhält am 23.Oktober 2017 in Sanaa (Jemen) eine Polio-Impfung im Rahmen einer Polio-Impfkampagne.

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Ein jemenitisches Kind erhält am 23.Oktober 2017 in Sanaa (Jemen) eine Polio-Impfung im Rahmen einer Polio-Impfkampagne. Während der nationalen, dreitägigen Impfkampagne gegen Polio, sollten mehr als 5 Millionen Kinder in Jemen geimpft werden.

November 2017: Ein Mädchen sucht im Abfall auf einer Straße in Sanaa (Jemen) nach Verwertbarem.

dpa/Hani Mohammed

November 2017: Ein Mädchen sucht im Abfall auf einer Straße in Sanaa (Jemen) nach Verwertbarem. Im Jemen sind wegen der saudi-arabischen Blockade nach Einschätzung der Vereinten Nationen die Leben von Millionen Menschen bedroht.

Menschen erhalten am 13. April 2017 in Sanaa, Jemen, eine Essensration von einer lokalen Wohltätigkeitsorganisation.

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Menschen erhalten am 13. April 2017 in Sanaa, Jemen, eine Essensration von einer lokalen Wohltätigkeitsorganisation. Mittlerweile wird die Hilfe für die Bevölkerung wegen der andauernden Blockade schwieriger. Viele Menschen drohten zu verhungern, falls die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition die See- und Flughäfen weiter blockiere, warnte der UN-Nothilfekoordinator Lowcok.

Ein unterernährtes, drei Monate altes Baby im Ernährungszentrum eines Krankenhauses.

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Ein unterernährtes, drei Monate altes Baby im Ernährungszentrum eines Krankenhauses. Der Jemen ist ein karges Land. Nur circa drei Prozent der Fläche sind landwirtschaftlich nutzbar.

Am häufigsten treffen Krankheiten diejenigen mit dem schwächsten Immunsystem: die Kinder.

Foto: dpa/Hani Mohammed

Patienten werden am 1. Juli 2017 in einer Klinik in Sanaa (Jemen) wegen einer vermuteten Cholera-Infektion behandelt. Wegen der saudi-arabischen Militärblockade wird es schwieriger, die sich ausbreitende Krankheit aufzuhalten. Die Stromversorgung ist wegen ausgehendem Treibstoff unterbrochen, so wird das Wasser knapp und Infektionskrankheiten breiten sich schneller aus. Am häufigsten treffen Krankheiten diejenigen mit dem schwächsten Immunsystem: die Kinder.

Diese drei jungen Mädchen schöpfen Wasser in Lahj, Halmeen.

Foto: CARE/Eman Al-Awami

Millionen Menschen im Jemen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Die meisten Quellen sind zerstört, die Menschen haben weniger als ein Glas Wasser am Tag zu trinken. CARE hilft dabei, Wasserquellen zu reparieren und neue zu erschließen. Diese drei jungen Mädchen schöpfen Wasser in Lahj, Halmeen.

Seit dem Krieg verlieren noch mehr Menschen den Zugang zu Wasser. CARE hilft Menschen auf dem Land Wassertanks zu installieren und das Wasser sauber zu halten.

Foto: CARE/Eman Al-Awami

Seit dem Krieg verlieren noch mehr Menschen den Zugang zu Wasser. CARE hilft Menschen auf dem Land Wassertanks zu installieren und das Wasser sauber zu halten.


Der Brite betonte, dass vor allem Kinder, alte und schwache Menschen die Leidtragenden seien. Nach Schätzungen verlören pro Tag 130 Kinder unter fünf Jahren wegen Lebensmittel-Mangels und Krankheiten in dem arabischen Land ihr Leben - das seien fast 50.000 Mädchen und Jungen pro Jahr.

Hohe Dunkelziffer bei den Todesfällen

Lowcock hielt fest, dass Millionen Menschen nur so viel zu essen hätten, um gerade so zu überleben. Ein gesundes, aktives Dasein sei unmöglich. Der Hilfskoordinator verwies auch auf die hohe Dunkelziffer bei den Todesfällen. Etliche Jemeniten seien zu schwach, um die wenigen funktionierenden Gesundheitseinrichtungen zu erreichen. Diese Menschen verhungerten zu Hause und würden oft nicht als Opfer der Krise erfasst.

Lowcock machte für die Verschärfung der Lage zwei Gründe aus. Zum einen tobten immer heftigere Kämpfe um die Hafenstadt Hodeidah, über die die meisten Lebensmittelimporte und Hilfseinfuhren in den Jemen abgewickelt werden. Zum anderen sei die Volkswirtschaft des Landes aufgrund der anhaltenden Gewalt zusammengebrochen.



Menschenrechtler machen auch Deutschland für das Leid im Jemen mitverantwortlich, weil es Rüstungsgüter nach Saudi-Arabien exportiert. Im vergangenen Jahr wurden laut Rüstungsexportbericht insgesamt 129 Genehmigungen für Lieferungen in das Königreich erteilt: unter anderem für Patrouillenboote und Teile gepanzerter Fahrzeuge. Insbesondere die Patrouillenboote stießen angesichts der Seeblockade des Jemens durch die saudische Militärkoalition auf massive Kritik.

Internationale Friedensbemühungen scheiterten mehrfach. Die Vereinten Nationen werfen allen Konfliktparteien vor, Kriegsverbrechen zu verüben. Allein seit Ende Mai wurden laut den UN mehr als 5.000 verschiedene schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht erfasst, darunter Angriffe auf Krankenhäuser, Märkte, Wasserwerke und andere Infrastruktureinrichtungen.

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