Ökonom: Afrikanische Staaten fühlen sich vom IWF bevormundet

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Ökonom: Afrikanische Staaten fühlen sich vom IWF bevormundet
Viele afrikanischen Länder fühlen sich laut Wirtschaftsexperten von der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds (IWF) finanziell bevormundet.

"Kredite von solchen Organisationen sind meist an strikte Auflagen gebunden", sagte der Ökonom Peter Wolff, assoziierter Wissenschaftler beim Bonner Deutschen Institut für Entwicklungspolitik, dem Evangelischen Pressedienst (epd). In weiten Teilen Afrikas wecke die Kontrolle durch Mitarbeiter der multilateralen Finanzorganisationen Erinnerungen an die Kolonialzeit, betonte Wolff mit Blick auf die Jahrestagung von Weltbank und IWF an diesem Wochenende auf der indonesischen Insel Bali.

Als Folge zögerten manche Staaten in Afrika, Kredite bei diesen in der Regel westlich dominierten Geldgebern aufzunehmen. Stattdessen würden sie Geld zu höheren Zinsen und mit weniger Auflagen leihen, beispielsweise in China oder bei privaten westlichen Investoren und Instituten. "Kredite gibt es bei diesen Geldgebern zwar schneller, aber die Zinssätze sind für viele afrikanische Länder zu hoch", sagte Wolff. Die afrikanischen Volkswirtschaften seien aber oft nicht stark genug, um Zinsen auf internationalem Kapitalmarktniveau zu bezahlen.

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Als Gründe nannte Wolff unter anderem die geringe Diversifikation vieler afrikanischen Wirtschaften sowie die starke Abhängigkeit mancher Staaten von Rohstoffpreisen. "Als in Ghana Öl gefunden wurde, hat das Land viel Geld in die Förderung gesteckt und ist jetzt wegen der geringen Ölpreise stark verschuldet", sagte Wolff. Ghana habe zudem begonnen, Staatsanleihen auf dem internationalen Markt zu verkaufen. "Wenn ein Land sich auf so eine relativ risikoreiche Art verschuldet, muss es wirtschaftlich stark genug sein, die Schulden zu begleichen."

Oftmals erfolge die Kreditaufnahme der afrikanischen Staaten nicht für produktive Vorhaben. "Es wäre wichtig, das aufgenommene Geld langfristig und nachhaltig zu investieren und den Schulden einen realen Gegenwert zum Beispiel in Form von Infrastruktur entgegenzustellen", erklärte der Wirtschaftswissenschaftler Wolff. Obwohl inzwischen rund 15 afrikanische Länder kritisch verschuldet seien, könne man nicht von einer Schuldenkrise sprechen: "Solche generalisierten Aussagen sind schwierig, allerdings muss die finanzielle Situation der afrikanischen Länder weiter beobachtet werden."

Eine erneute weltweite Finanzkrise könnte dem Kontinent laut Wolff allerdings mehr schaden als 2008: "Afrika ist inzwischen mehr in den internationalen Finanzmarkt involviert." Deswegen fordert der Ökonom auch eine stärkere Einbindung Afrikas bei internationalen Finanzfragen. "Es gibt schon erste Ansätze, aber afrikanische Länder bleiben in multilateralen Finanzinstitutionen unterrepräsentiert."

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