Köthen: Politik und Kirche rufen zur Besonnenheit auf

Tödlicher Streit in Köthen

Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Menschen stehen vor Blumen und Kerzen an einem Baum auf einem Spielplatz, in dessen Nähe ein 22-Jähriger bei einem Streit zwischen zwei Männergruppen ums Leben gekommen ist.

Zwei Afghanen wurden nach dem Tod eines Deutschen in Köthen festgenommen. Die Umstände sind noch unklar. Kirchenpräsident Liebig warnt davor, den Fall politisch zu instrumentalisieren, und lud zu einer Trauerandacht ein.

Im sachsen-anhaltinischen Köthen ist nach Polizeiangaben am Samstagabend ein 22-jähriger Deutscher gewaltsam ums Leben gekommen. Zwei Afghanen seien wegen des Anfangsverdachts eines Tötungsdeliktes festgenommen worden, teilten die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau und die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost am Sonntag gemeinsam mit. Vertreter von Politik und Kirche riefen die Bürger nach der Gewalttat zur Besonnenheit auf.

Konkrete Umstände noch nicht bekannt

"Die Befragungen und Ermittlungen dauern an und werden in alle Richtungen geführt", betonten Staatsanwaltschaft und Polizei. Anlass und konkrete Umstände des Geschehens seien derzeit noch nicht bekannt.

Zuerst hatte die Tageszeitung "Die Welt" (Sonntag) über den Fall berichtet. Demnach soll es zu einer Auseinandersetzung zwischen den zwei Afghanen und zwei Deutschen gekommen sein. In deren Folge sei einer der beiden Deutschen gestorben. Als Todesursache sei eine Hirnblutung festgestellt worden, berichtet die Zeitung. Eine Obduktion am Sonntagnachmittag sollte weitere Erkenntnisse liefern.



Laut der Zeitung sei die Polizei wenige Minuten nach dem Vorfall am Tatort gewesen. Zwei Afghanen seien festgenommen worden. Das Opfer sei zunächst noch in ein Krankenhaus gebracht worden, wo ihn sein Bruder aufsuchte. Bei diesem Bruder handelt es sich der "Welt" zufolge um einen vorbestraften rechtsextremen Intensivtäter.

Mittel des Staates werden konsequent eingesetzt

Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) betonte: "Der tragische Tod des jungen Mannes geht mir sehr nahe und ich bedauere das Geschehene zutiefst." Der Minister sprach den Hinterbliebenen sein aufrichtig empfundenes Mitleid aus. Die Ermittlungen zu den Geschehnissen liefen in enger Abstimmung mit Justiz und Polizei. "Ich habe vollstes Verständnis für die Betroffenheit unserer Bürgerinnen und Bürger. Dennoch bitte ich um Besonnenheit", betonte Stahlknecht. Alle Mittel des Staates würden konsequent eingesetzt.

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts, Joachim Liebig, reagierte mit Bestürzung auf die Gewalttat. "Unsere Gebete und Gedanken sind bei ihm und seinen Angehörigen", sagte Liebig. Zugleich rief auch der Kirchenpräsident zur Besonnenheit auf: "Das schreckliche Ereignis muss mit Umsicht aufgeklärt werden. Jede politische Instrumentalisierung ist abzulehnen und würde zu einer Eskalation führen, die schreckliche Folgen haben könnte." Die Landeskirche und die Köthener Kirchengemeinden luden am Sonntagnachmittag um 16 Uhr zu einer Trauerandacht in die Köthener St.-Jakobskirche ein.

Mitgefühl mit den Angehörigen und Aufklärung der Tat

"Ein Mensch ist gestorben, das ist eine Tragödie. Nicht die Nationalität des Mannes darf jetzt im Mittelpunkt stehen, sondern das Mitgefühl mit den Angehörigen und die Aufklärung der Tat", erklärte der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei, Jörg Schindler. Hierfür sei der Rechtsstaat zuständig, "vor dem alle Menschen gleich sind, unabhängig ihrer Nationalität". Nach seinen Angaben mobilisierten Neonazis bereits für Sonntagabend nach Köthen. "Rechtsextreme Aufmärsche und gewaltsame Ausschreitungen wie in Chemnitz müssen verhindert werden", betonte Schindler.

Sachsen-Anhalts Integrationsbeauftragte Susi Möbbeck (SPD) reagierte auf Twitter mit den Worten: "So Traurig. Ein Mensch ist gewaltsam zu Tode gekommen. Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen." Weiter betonte Möbbeck: "Gewalt ist immer und überall zu verurteilen. Zeit für Trauer. Zeit für Besonnenheit. Passt aufeinander auf."