Kirche fordert mehr Anerkennung für Kita-Fachkräfte

Kinder und eine Erzieherin in einer Kindertagesstätte.

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Die evangelische Kirche beteiligt sich in Bremen an einem Modellprojekt zur praxisintegrierten Ausbildung Erziehender.

Die Arbeit der Fachkräfte in den Kindertagesstätten wird nach Auffassung von Experten in der Bremischen Evangelischen Kirche noch nicht angemessen gewürdigt. So müssten sich unter anderem die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen verbessern, forderte am Mittwoch der Leiter des Landesverbandes Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder, Carsten Schlepper.

Auch eine nach Tarif vergütete Ausbildung sei wichtig. Bislang sei die Kita eine der letzten Branchen, in denen die Auszubildenden nicht bezahlt würden. "Das muss sich schnell ändern."

Die evangelische Kirche beteiligt sich in Bremen an einem Modellprojekt zur praxisintegrierten Ausbildung Erziehender. Während der klassische Weg aus einer zweijährigen Ausbildung an einer Fachschule und einem darauffolgenden Anerkennungsjahr besteht, laufen hier schulische und praktische Ausbildung parallel: Die angehenden Erzieher schließen mit ihrer Praxiseinrichtung einen Ausbildungsvertrag und bekommen ab dem ersten Tag eine Ausbildungsvergütung. Sie arbeiten in einer Kita und gehen in die Fachschule. "Aus dem Modellprojekt muss ein Regelfall werden", forderte Schlepper.

Der beitragsfreien Kita steht Schlepper zwar nicht grundsätzlich ablehnend gegenüber, hat aber Einwände. So fürchtet er, dass zusätzliche Bundesmittel zur dringend nötigen Qualitätsverbesserung in den Einrichtungen von den Kosten einer beitragsfreien Kita aufgezehrt werden.

"Bremen und die übrigen Bundesländer sollten keine Wahlgeschenke auf Kosten der Kita-Qualität machen", mahnte Schlepper, der auch Vorsitzender der Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder ist. Es müsse zunächst darum gehen, die Qualität zu halten und spürbar zu verbessern. Der Senat will im kommenden Kita-Jahr die Beiträge für Drei- bis Sechsjährige im Land Bremen abschaffen. Schon jetzt zahlen 56 Prozent der Eltern aus sozialen Gründen keine Gebühren. Etwa 96 Prozent aller Kinder, die eine Kita besuchen könnten, tun das auch.

Die Bremische Evangelische Kirche ist der größte freie Träger von Kindertageseinrichtungen im Land Bremen. Von insgesamt knapp 22.000 Plätzen stellt sie eigenen Angaben zufolge an 65 Standorten rund 4.700 in Krippen, Kitas und Horten. In den Einrichtungen arbeiten etwa 1.400 Beschäftigte. Der kirchliche Kita-Etat beträgt rund 62,5 Millionen Euro. Davon sind knapp sechs Millionen Euro Eigenmittel und kommen aus Kirchensteuern.