Karlsruhe: weltoffen und tolerant

Die Religionsfreiheit spielte schon bei der Stadtgründung Karlsruhes vor 300 Jahren eine große Rolle. Die Pyramide auf dem Marktplatz ist Wahrzeichen der Stadt.

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Der Marktplatz in Karlsruhe mit Pyramide ist Symbol für die weltoffene, sich ständig wandelnde Stadt in Baden im Wandel der Zeit. Ansichten von 1935, 2018, 1978 und 2004.

Die Religionsfreiheit spielte schon bei der Stadtgründung Karlsruhes vor 300 Jahren eine große Rolle. 2021 treffen sich hier Vertreter von zahlreichen Kirchen aus aller Welt zur Vollversammlung des Weltkirchenrates.

Karlsruhe ist die zweitgrößte Stadt Baden-Württembergs und gerade einmal 300 Jahre alt. Seit Beginn ist die badische Metropole für ihre religiöse Toleranz und internationale Ausrichtung bekannt. 2021 treffen sich Vertreter von zahlreichen Kirchen aus aller Welt in der badischen Stadt, die dann gemeinsam mit der badischen Landeskirche die Vollversammlung des Weltkirchenrates willkommen heißt. Die Stadt am Rhein ist in der Nähe zu Frankreich gelegen. Heute hat sie rund 300.000 Einwohner. In der "Residenz des Rechts" sitzen der Generalbundesanwalt sowie die höchsten deutschen Gerichte Bundesgerichtshof und Bundesverfassungsgericht.

Als Technologieregion beherbergt die badische Metropole etwa die Universität KIT und das Kunst- und Medienmuseum ZKM. Auch der Erfinder des Fahrrads, Karl Drais, und der Erfinder des Automobils, Carl Benz, wurden hier geboren. Die Stadt, die bekannt für ihren fächerförmigen Straßenverlauf ist, wurde am 17. Juni 1715 von Markgraf Karl Wilhelm von Baden-Durlach gegründet. Die Pyramide auf dem Marktplatz ist nicht nur Wahrzeichen der Stadt, sondern als Grabmal des Stadtgründers auch sprichwörtlich "Karls Ruhe".

Karlsruhe wird Gastgeber der Vollversammlung des Weltkirchenrates

"Dialogbereitschaft, Toleranz und Weltoffenheit gehören seit Anfang an zur DNA unserer Stadt", sagt der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD). Dazu gehört auch die Religionsfreiheit. Wenige Wochen nach der Stadtgründung erließ der Markgraf einen Privilegienbrief, der weitreichende Freiheiten und Vergünstigungen für die Bürger seiner Stadt vorsah. Darin wird als erstes Privileg die Religionsfreiheit genannt: "Von dem Recht zur Ansiedlung und dem Genuss dieser Freiheiten darf niemand wegen seiner Religion ausgeschlossen werden. Vielmehr sollen alle, die einer der im Heiligen Römischen Reich verbreiteten Religionen angehören, aufgenommen und in ihrem Handel und Wandel gefördert werden."

Neben der Religionsfreiheit gehörten zu den weiteren Privilegien ein unentgeltliches Grundstück für jeden Neubürger, 20 Jahre lang Steuerfreiheit, keine Leibeigenschaft für die Bürger und ihre Nachkommen sowie eine eigene Gerichtsbarkeit für Karlsruhe. Bereits damals lebten Menschen zahlreicher Kulturen, Ethnien und Glaubensrichtungen friedlich und überwiegend ohne Konflikte miteinander. Auch heute ist der interreligiöse Dialog lebendig. So erkennt der Karlsruher Gemeinderat in seinen "Leitlinien zur Integration" die Bedeutung der Religionsgemeinschaften an und fördert Begegnung und Dialog.

Karlsruher Religionsgemeinschaften legten 2015 einen öffentlich zugängigen kreisförmigen "Garten der Religionen" an, der das friedliche Miteinander symbolisiert. Darin finden sich fünf kleinere Kreise, jeweils für eine der fünf Weltreligionen: Buddhismus, Christentum, Islam, Judentum und Hinduismus. Weitere Religionen wie die Bahaii-Religion und die Freireligiöse Gemeinde haben Stelen an der Außenseite.

Er ist ein Symbol für Toleranz und Miteinander: Der Garten der Religionen wurde 2015 in Karlsruhe eröffnet.
In der Stadt hat die badische evangelische Landeskirche mit 1,2 Millionen Mitgliedern ihren Sitz. Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh freut sich nach eigenen Worten darauf, Gastgeber der Vollversammlung des Weltkirchenrates zu sein. Er weist darauf hin, dass 2021 auch das 200-jährige Bestehen der badischen Kirchenunion gefeiert wird. 1821 schlossen sich die lutherischen und reformierten Kirchen zur unierten Kirche zusammen. Dies sei wegweisend für die Ökumene nicht nur in Baden gewesen.

Interessant für die internationalen Teilnehmenden sei aber auch die gute ökumenische Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche. Zudem werde die europäische Perspektive, die sich aus der Nähe zu Frankreich und den europäischen Institutionen in Straßburg ergibt, Vertreter der weltweiten Kirchen inspirieren, sagt Cornelius-Bundschuh.