Tischgesellschaften werben für Offenheit und Demokratie

Tag der offenen Gesellschaft

epd-bild

Tischgesellschaften werben für Offenheit und Demokratie
Bundesweit werben Hunderte gastliche Tafeln für eine offene Gesellschaft. Dazu aufgerufen hat die Initiative "Die Offene Gesellschaft" zum 65. Jahrestag des DDR-Volksaufstandes.
Deutschland spricht 2019

Rund 460 gastliche Tafeln unter freiem Himmel haben am Samstag bundesweit für Weltoffenheit und demokratische Werte geworben. Aufgerufen zu der Aktion "Tag der offenen Gesellschaft" hatten die Initiative "Die Offene Gesellschaft" und die Diakonie Deutschland vor dem 65. Jahrestag des DDR-Volksaufstandes.

Bürgergesellschaft muss Werte verteidigen

Der 17. Juni 1953 stehe für den Einsatz für Demokratie, Freiheit und Einheit, betonten die Initiatoren. Die Bürgergesellschaft müsse diese Werte verteidigen und dürfe das Feld nicht Rechtspopulisten und autoritären Strömungen überlassen.

Öffentlich getafelt wurde nach Veranstalterangaben unter anderem in Kandel (Rheinland-Pfalz), Rostock, Stuttgart, Kempten, Kiel und Dresden. In Berlin nahmen etwa 100 Menschen an einer langen Tafel auf dem Tempelhofer Feld Platz, darunter Prominente wie die Schauspielerin Katja Riemann, die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli (SPD) und Diakoniepräsident Ulrich Lilie.

Wertschätzung unerlässlich für gutes Zusammenleben

In einem verlesenen Grußwort betonte Altbundespräsident Joachim Gauck, alle, die an einer der Tafeln Platz genommen hätten, leisteten mit ihrer Bereitschaft zum Austausch einen großen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wertschätzung sei unerlässlich für ein gutes Zusammenleben. In einer Gesellschaft der Verschiedenen sei ein gelingendes Miteinander nicht immer einfach, aber auch nicht immer schwierig.

Demokratie braucht Freunde und Verteidiger

Der Mitbegründer der Initiative "Offene Gesellschaft", der Soziologe Harald Welzer, erklärte, Demokratien gingen nicht an zu vielen Feinden, sondern an zu wenigen Freunden und Verteidigerinnen zugrunde. Hass und Hetze, Angriffe auf die Demokratie und Menschenfreundlichkeit würden immer stärker artikuliert. "Wenn man sich als Demokrat versteht, sollte man deshalb die Sache persönlich nehmen", sagte Welzer. Auch die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli betonte, es gehe darum, "Flagge für die Demokratie zu zeigen".

Schauspielerin Riemann bemängelte in der "tageszeitung" (Samstag), sie vermisse eine stärkere Beteiligung von Künstlern bei der Verteidigung der offenen Gesellschaft gegen autoritäre Kräfte. "Ich finde, es sind viel zu wenig Künstler dabei, zu wenig meiner Kollegen", kritisierte Riemann. Sie habe "schon Fussel auf der Zunge, vom dauernden Erzählen".



Der erste "Tag der offenen Gesellschaft" fand nach Angaben der Initiatoren 2017 statt. Im vergangenen Jahr beteiligten sich bundesweit mehr als 20.000 Menschen an den Tischgesellschaften. Partner der Initiative "Die Offene Gesellschaft" sind unter anderem die Allianz Kulturstiftung, Pulse of Europe, die Open Society Foundation und die Bertelsmann-Stiftung.

Meldungen

Top Meldung
Lutherhaus Eisenach
Das "Entjudungsinstitut", das vor 80 Jahren auf der Wartburg gegründet wurde, sollte die evangelische Kirche an die nationalsozialistische Rassenideologie anpassen: Aus der Bibel verschwanden hebräische Texte, aus dem Gesangbuch jüdische Begriffe.