USA: Streit um Entlassung von Kaplan

Ein Streit über einen Kaplan entzweit derzeit das US-Repräsentantenhaus: Demokratische US-Abgeordnete scheiterten am Freitag (Ortszeit) mit ihrem Antrag, die Entlassung des Kaplans vom Repräsentantenhaus zu untersuchen. Der Jesuitenpater Patrick Conroy war vergangene Woche vom republikanischen Sprecher des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, abgesetzt worden. Manche Demokraten vermuteten unangemessene politische Hintergründe. Die republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus stimmte gegen den Untersuchungsantrag.

Ryan habe bei einer Konferenz republikanischer Abgeordneter ebenfalls am Freitag die Entlassung mit der unzureichenden "seelsorgerliche Tätigkeit" von Conroy begründet, berichtete der Politik-Informationsdienst thehill.com unter Berufung auf mehrere Teilnehmer. Der demokratische Abgeordnete Emanuel Cleaver sprach in der "Washington Post" über Spannungen zwischen Conroy und konservativen evangelikalen republikanischen Abgeordneten. Für Empörung bei Demokraten sorgte ein Kommentar des republikanischen Abgeordneten Mark Walker, man brauche einen Kaplan, der Familie habe und daher die Abgeordenten besser verstehe.

Der seit 2011 amtierende Conroy erklärte laut Medienberichten, er wisse nicht genau, warum er entlassen worden sei. Er verwies jedoch auf sein öffentliches Gebet im November, bei der Steuerreform solle es "keine Gewinner und Verlierer" geben, und alle Menschen sollten gleichermassen an Begünstigungen teilhaben. Ryan habe ihn daraufhin aufgefordert, sich nicht in die Politik einzumischen.



Die beiden Kammern im US-Kongress, das Repräsentantenhaus und der Senat, beschäftigen seit jeher einen Kaplan. Protestanten stellen rund 55 Prozent der Politiker im Kongress und Katholiken beinahe ein Drittel. Der Kaplan spricht das Eröffnungsgebet bei Sitzungen und kümmert sich um sie geistlichen Belange von Politikern und Mitarbeitern.

Conroy ist der zweite römisch-katholische Kaplan in der mehr als 200-jährigen Geschichte des Repräsentantenhauses. Und er ist der erste, der jemals entlassen worden ist. Sein letzter Arbeitstag soll der 24. Mai sein.