Bundespräsident warnt vor einer Spaltung Europas

Europa

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Europa ist ein fragiles Gebilde.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat davor gewarnt, die "mühsam errungene Friedensordnung in Europa" infrage zu stellen.

Die beiden miteinander befreundeten Schriftsteller Heinrich Böll (1917-1985) und Lew Kopelew (1912-1997) wären empört, wenn sie wüssten, "dass der Traum vom gemeinsamen europäischen Haus schon ausgeträumt ist, bevor das Fundament gegossen wurde", sagte Steinmeier am Sonntag in Bonn in einer Veranstaltung zum 100. Geburtstag Bölls am 21. Dezember 2017. "Sie wären entsetzt, wüssten sie, dass die erneute Spaltung Europas eine reale Gefahr ist."

"'Nie wieder!', das ist die Mahnung, die Böll und Kopelew uns hinterlassen haben", sagte der Bundespräsident laut Redetext mit Blick auf die beiden Autoren, die als moralische Instanzen galten, und ihr Erleben von Krieg und Faschismus. Lange habe es so ausgesehen, als hätten die Menschen in Europa diese Mahnung verinnerlicht. "Doch inzwischen müssen wir uns die Frage stellen, wie nachhaltig die historische Lektion ist, von der wir glaubten, dass Europa sie ein für alle Mal gelernt hat", sagte Steinmeier.



Er hob die Funktion von Kunst und Literatur hervor, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Das Beispiel von Persönlichkeiten wie Böll und Kopelew mit ihren Erfahrungen und Konsequenzen könne auch heute helfen, Antworten zu finden - in einer Zeit, in der Gewissheiten infrage gestellt würden. "Es kann uns Orientierung geben, wenn Fakten nichts mehr gelten sollen, wenn die Gesellschaft droht, in unversöhnliche Lager zu zerfallen."

Heinrich Böll war einer der bedeutendsten und erfolgreichsten Schriftsteller der deutschen Nachkriegsgeschichte und erhielt zahlreiche Preise, darunter 1972 den Literaturnobelpreis. Er mischte sich stets auch in gesellschaftliche Debatten seiner Zeit ein. 1962 lernte er in Moskau Lew Kopelew kennen, mit dem ihn bis zu seinem Tod eine enge Freundschaft verband.