Islam-Reformer sieht Kopftuch kritisch

Der Islam-Reformer Abdel-Hakim Ourghi sieht im muslimischen Kopftuch ein Druckmittel gegenüber Frauen.

Er respektiere zwar jede Frau, die aus freien Stücken ein Kopftuch trage, sagte der Freiburger Islamwissenschaftler dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Die Realität sieht jedoch total anders aus. Denn die Frauen und Mädchen sind einem enormen sozialen Druck ausgesetzt, vor allem in der Fremde, im Ausland."

Wenn Frauen kein Kopftuch trügen, würden sie aus der eigenen Gemeinde ausgeschlossen - es komme zu einer völligen Isolierung, kritisierte Ourghi. Es gebe im gesamten Koran keine einzige Passage, die das Kopftuch vorschreibe. "Es ist vielmehr das historische Produkt der männlichen Herrschaft, denn es geht um die Kontrolle über den Körper und den Geist der Frauen." Das Kopftuch habe die Funktion, die männliche Kultur sicherzustellen und zu befriedigen.




Der Islam brauche dringend ein Zeitalter der Aufklärung, betonte Ourghi. Die Muslime könnten hier von der deutschen Kultur lernen. Außerdem fehle ihm im Islam ein Konzept der Nächstenliebe wie im Christentum. "Denn Muslime haben eher den Drang, den anderen destruktiv zu behandeln," sagte Ourghi. Aufgabe von Islam-Reformern sei daher, eine "Gnadentheologie" zu entwerfen. "Dabei geht es um einen Gott, der nicht in die Hölle schickt, sondern verzeiht. Gott ist Liebe - das können wir vom Christentum lernen," sagte der Islamwissenschaftler.