Bischof Meister wünscht sich Resettlement-Programm für Syrer

Drei Fragen an den hannoverschen Landesbischof Ralf Meister
Zesrtörte Gebäude in Ghuta

Foto: dpa/Ghouta Media Center

Zesrtörte Gebäude in Ghuta

Bei einer Reise in den Libanon hat sich der hannoversche evangelische Landesbischof Ralf Meister im vergangenen Herbst über Hilfsprojekte seiner Landeskirche in Syrien informiert. Er besuchte dabei auch das syrische Homs. Die jüngsten Berichte über eine Eskalation der Gewalt und das Leiden in dem vom Bürgerkrieg erschütterten Land machten ihn sprachlos, sagte der Bischof im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Ein Resettlement-Programm zur Aufnahme betroffener Familien könne zumindest ein kleines Zeichen der Hilfe sein.

Was geht ihnen durch den Kopf, wenn Sie die Berichte über die immer verzweifeltere Lage der Menschen in Syrien lesen?

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Ralf Meister

Ralf Meister, geboren 1962, ist seit März 2011 Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers.

Ralf Meister: Ich denke in diesen Stunden an die Menschen in der kurdischen Region von Afrin und innerhalb und außerhalb von Damaskus, die Opfer dieses grauenhaften Krieges geworden sind. Die Bilder der leidenden Menschen machen sprachlos. Mein Zorn über grausame Diktatoren, über gewissenlose Söldner und Kriegsverbrecher macht mich sprachlos. Gezielte Angriffe auf Krankenhäuser zeigen die tiefe Menschenverachtung der Kriegstreiber.

Angesichts der Dramatik, wie sie jetzt aus der Region Ost-Ghouta geschildert wird, kann man da nur hilflos zusehen?

Meister: Hier ist die UN gefordert, Einfluss auf alle beteiligten Parteien zu nehmen, um in dieser politisch brisanten Situation ein sofortiges Ende der Gewalt zu erreichen. Und wenn es im UN-Sicherheitsrat nicht möglich ist, dann muss hier die UN-Vollversammlung den diplomatischen Druck weiter erhöhen. Ich glaube fest daran, dass es in dieser Situation keine militärische Lösung geben kann. Frieden kann nur durch Dialog und einen politischen Diskurs zur Zukunft Syriens sichergestellt werden. Die Situation im mittleren Osten zeigt leider bisher ein Scheitern diplomatischer Bemühungen an den strategischen und machtpolitischen Interessen zahlreicher Nationen und Interessengruppen. Ich bete dafür, dass die Friedensverhandlungen in Genf schon bald Perspektiven für einen Weg eröffnen, auf den sich alle Seiten einlassen können.

Muss die Politik in Deutschland reagieren, etwa indem sie ihre Haltung zum Familiennachzug bei Syrern noch einmal korrigiert?

Meister: Das Leiden der hilflosen Zivilisten ist unerträglich. Können Aufnahmeoptionen für ein Resettlement-Programm für einige Tausend Überlebende dieser Hölle ein kleines Zeichen aktiver Hilfe sein? Ich glaube ja. Die Hoffnungslosigkeit braucht konkrete Handlungsschritte und Optionen der Hoffnung, seien sie auch noch so klein. Ein Resettlement-Programm für betroffene Familien wäre eine Möglichkeit.