Willow-Creek-Treffen: Appell für lebendiges Gemeindeleben

Christlicher Führungskongress in Dortmund gestartet
Der evangelische Theologe Michael Herbst hat in Dortmund fuer eine mündige Kirche mit engagiertem und lebendigem Gemeindeleben geworben.

epd-bild/Foto: Jörg Decker

Der evangelische Theologe Michael Herbst hat in Dortmund fuer eine mündige Kirche mit engagiertem und lebendigem Gemeindeleben geworben.

Zukunft von Gemeinden, Toleranz und Flüchtlingsarbeit - um diese Themen geht es unter anderem beim "Willow Creek"-Leitungskongress. Rund 12.500 Teilnehmer diskutieren von Donnerstag bis Samstag in Dortmund.

Der evangelische Theologieprofessor Michael Herbst wirbt für eine mündige Kirche mit engagiertem und lebendigem Gemeindeleben. "Wenn wir eine missionarische Gemeinde wollen, brauchen wir eine geistliche Erneuerung der Menschen im Pfarrberuf beziehungsweise derer, die leiten", sagte Herbst am Donnerstag laut Redemanuskript in Dortmund. Beim Leitungskongress des überkonfessionellen Gemeindenetzwerks "Willow Creek" diskutieren haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter aus christlichen Kirchen bis Samstag unter dem Titel "Zukunft - Hoffnung - Kirche" über neue Wege, Menschen mit dem Evangelium zu erreichen.

An dem Kongress nehmen den Veranstaltern zufolge rund 12.500 Menschen teil. Darunter seien 1.500 Teilnehmer unter 30 Jahren und 900 unter 25 Jahren. Rund ein Drittel der Besucher gehöre zur Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Viele Besucher kamen zudem aus evangelisch-freikirchlichen Gemeinden. Zudem seien auch vereinzelte Teilnehmer etwa von der katholischen Kirche, den Mennoniten oder dem Bund freikirchlicher Pfingstgemeinden anwesend, hieß es weiter.

Der Theologe Herbst (Greifswald) rief dazu auf, aktive Gemeindeglieder im christlichen Glauben zu stärken und Menschen zum Glauben einzuladen. Vor allem in Zeiten finanzieller und personeller Engpässe bestehe die Gefahr, dass sich das kirchliche Leben durch fusionierte Großgemeinden immer mehr aus der Nähe der Menschen entferne, sagte er. Es müsse alles daran gesetzt werden, "lebendiges, mündiges Christsein der Menschen vor Ort zu fördern, damit sie auch ohne den eigenen Pfarrer als Christen zusammenkommen, um zu beten und hören, um zu feiern und den Menschen in ihrem Umfeld zu dienen".

Ulrich Eggers, Vorsitzender des Verbundes in Deutschland, kündigte zu Beginn der Zusammenkunft an, dass sich der Kongress insbesondere mit den Themen Toleranz und Respekt auseinandersetzen werde. Der Gründer der Willow-Creek-Bewegung, Bill Hybels, werde sich in seinem Vortrag mit diesen grundlegenden Werten auseinandersetzen. Zu den 13 Referenten zähle neben Hybels und Herbst auch Melinda Gates, die Frau des Softwaremilliardärs Bill Gates.

Gary Schwämmlein, Internationaler Leiter der Willow Creek Association, hob hervor, dass auch der Umgang mit Flüchtlingen ein beherrschendes Thema des Treffens sein werde. Die Begegnung mit den Menschen aus anderen Ländern solle man als ein Geschenk verstehen, unterstrich Schwämmlein. Es sei wichtig, das Engagement der vielen Helfer zu würdigen.

Der Kongress wird auch auf Großbildleinwand in die Städte Bergneustadt, Bremen, Bretten, Karlsruhe, Leipzig und Neumünster übertragen. Die überkonfessionelle Vereinigung Willow Creek wurde 1992 als Netzwerk zwischen christlichen Gemeinden gegründet. Dazu gehören heute weltweit etwa 11.000 Gemeinden. Seit 1996 veranstaltet die Vereinigung alle zwei Jahre Kongresse in Deutschland.

Willow Creek Deutschland ist ein Werk in der Deutschen Evangelischen Allianz und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft missionarischer Dienste. Ursprünglich ist Willow Creek eine US-amerikanische Kirchengemeinde in South Barrington bei Chicago.