Deutscher Zweig von "Willow Creek" bedauert Rücktritt von Hybels

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Der Gründer und Hauptpastor der US-amerikanischen "Willow Creek"-Megakirche, Bill Hybels, ist von seinem Amt zurückgetreten. Mehrere Frauen hatten Hybels sexuelle Belästigung vorgeworfen.

Deutscher Zweig von "Willow Creek" bedauert Rücktritt von Hybels
Die Leitung des deutschen Zweigs der US-amerikanischen Megakirche "Willow Creek" bedauert den Rücktritt des US-amerikanischen Hauptpastors Bill Hybels aufgrund von Belästigungsvorwürfen.

"Als geschäftsführender Vorstand von Willow Creek Deutschland bedauern wir die Entscheidung von Bill Hybels, aufgrund der Diskussion um seine Person einige Monate vor dem geplanten Ende seiner Amtszeit zurückzutreten", teilte die Kirche dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Donnerstag in Gießen mit.

Die Kirchenleitung in Deutschland verstehe seine Entscheidung als einen Schritt, Schaden zu begrenzen. Zugleich hielte sie jedoch daran fest, dass eine Untersuchung im Auftrag der Gemeinde, die zu einer Zurückweisung der Beschuldigungen gegen Hybels geführt habe, weiterhin Bestand habe.

Bill Hybels, der auch Gründer von "Willow Creek" ist, war am Dienstagabend von seinem Amt zurückgetreten. Mehrere Frauen hatten ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen. In einer Rede betonte der 66-Jährige, eine unabhängige Untersuchung habe keine Beweise für die Vorwürfe gefunden. Die Kirchenältesten hätten gewünscht, dass er bis zu seinem geplanten Ruhestand im kommenden Oktober im Amt bleibe.

Hybels Rücktritt überraschte in dessen amerikanischer Gemeinde offenbar viele Mitglieder. Der Rückzug des 66-Jährigen hinterlasse "unbeantwortete Fragen", schrieb das evangelikale US-amerikanische Magazin "Christianity Today". Hybels bestreite Vorwürfe gegen ihn. Mehrere Frauen hielten jedoch an ihren Beschuldigungen fest. Sie würden von manchen ehemaligen Führungspersönlichkeiten der Kirche unterstützt.

Die Vorwürfe gegen Hybels waren Ende März von der "Chicago Tribune" publiziert worden. Die Tageszeitung schrieb von anzüglichen Kommentaren, langen Umarmungen, einem ungewollten Kuss und Einladungen in Hotelzimmer. Eine in der "Tribune" zitierte Frau, die frühere "Willow Creek"-Mitarbeiterin Vonda Dyer, beschrieb vergangenes Wochenende auf ihrem Blog angebliche Annäherungsversuche des Pastoren. Er habe zu Dyer gesagt, ihr Ehemann sei nicht "ihr Kaliber" und sich über seine eigene Ehe beklagt. Dyer solle ihr Haar blond färben.

Mit Tausenden Gottesdienstbesuchern ist die unabhängige protestantische "Willow Creek"-Gemeinde in der Nähe von Chicago eine der größten Kirchen in den USA. Vielen evangelikal orientierten Christen weltweit gilt "Willow Creek" als Modell für eine moderne Verkündigung, die suchende Menschen erreiche, ohne in einen konservativen Kulturkrieg zu verfallen. Mehr als 10.000 Gemeinden, darunter auch einige in Deutschland, gehören dem überkonfessionellen Gemeindenetzwerk "Willow Creek" an.

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