Medico: Soziale Ungleichheit ist größte Herausforderung

Organisation engagiert sich seit 50 Jahren für Entwicklung und Gerechtigkeit
Die Folgen der weltweiten sozialen Ungleichheit sind nach den Worten des Geschäftsführers von medico international, Thomas Gebauer, die größte Herausforderung der nächsten Jahrzehnte. Deshalb verließen immer mehr Menschen ihre Heimatländer, sagte Gebauer dem Evangelischen Pressedienst (epd). Medico international mit Sitz in Frankfurt am Main engagiert sich seit 50 Jahren für Entwicklung und Gerechtigkeit. Die von ihr angestoßene Kampagne zum Verbot von Landminen erhielt 1997 den Friedensnobelpreis.

Alle Versuche, die "Globalisierung von unten" mit Mauern zu stoppen, funktionierten nicht, sagte Gebauer. Dies könne nur durch einen sozialen Ausgleich über Ländergrenzen hinweg Erfolg haben. "Ich träume von einem weltweiten Gesundheitsfonds, in den die reichen Länder einzahlen", sagte der medico-Geschäftsführer. Jährlich würden weltweit sechs bis sieben Billionen Dollar für Gesundheitskosten ausgegeben, das wären knapp 1.000 Dollar für jeden Erdenbürger. "Es mangelt nicht am Geld, sondern an der Bereitschaft zu teilen", sagte Gebauer.

Medico international war 1968 von Medizinstudenten als Reaktion auf die Gräuel im Vietnam- und im Biafra-Krieg (Nigeria) gegründet worden. Die Hilfsorganisation versuche, zur Überwindung von Abhängigkeiten und zur Bildung von Solidarität beizutragen, erklärte Gebauer. So etwa bei der Unterstützung von Textilarbeiterinnen in Bangladesch, die genossenschaftlich eine einfache Sozialversicherung gründeten. Zu den aktuellen Schwerpunkten gehört auch die Hilfe für Bürgerkriegsopfer in Syrien und den Wiederaufbau in kurdischen Provinzen des Landes. In Deutschland setzt sich die Organisation etwa für die Einführung einer Gesundheitskarte für Flüchtlinge ein.

Der größte Erfolg von medico sei die Landminenkampagne gewesen, berichtete Mitinitiator Gebauer. Statt nur Prothesen für die Opfer zu liefern, habe die um 1990 gestartete Kampagne schließlich 1.000 Nichtregierungsorganisationen für das Verbot von Landminen zusammengebracht. Der Druck von unten führte dazu, dass die Mehrheit der Staaten 1997 den Ottawa-Vertrag zum Verbot von Anti-Personen-Minen abschloss und die Kampagne den Friedensnobelpreis erhielt. Mehr als 150 Staaten haben inzwischen das Abkommen unterzeichnet - allerdings nicht die Großmächte USA, Russland und China.

Derzeit betreuen rund 50 Mitarbeiter der Hilfsorganisation 120 Projekte in 30 Ländern. Der Haushalt im Jahr 2016 betrug 18,4 Millionen Euro. An diesem Dienstag eröffnet medico international im Frankfurter Osten offiziell das eigene, für rund 15 Millionen Euro erbaute Haus. Teile der Bürofläche werden an befreundete Organisationen vermietet. Im Jubiläumsjahr sind zahlreiche Veranstaltungen geplant.