Psychologe: Kinder nicht als Waffe gegen Ex-Partner einsetzen

Kinder als Waffe in Scheidungen: Vor den Familiengerichten gehe es nur selten wirklich um juristische Probleme. "Oft geht es viel mehr um Eifersucht, um verletzte Gefühle und um Rache."

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Vor den Familiengerichten gehe es nur selten wirklich um juristische Probleme. "Oft geht es viel mehr um Eifersucht, um verletzte Gefühle und um Rache."

Eltern verlieren nach Ansicht des Bremer Psychologen Stefan Rücker bei Trennungen viel zu oft das Kindeswohl aus dem Blick.

"Häufig sind die seelischen Verletzungen der zerstrittenen Partner so groß, dass die Kinder als Waffe gegen den Partner genutzt werden", sagte Rücker dem Evangelischen Pressedienst (epd). In der Folge drohten den Kindern erhebliche gesundheitliche Gefahren. Jährlich seien in Deutschland rund 170.000 Kinder von der Scheidung oder Trennung ihrer Eltern betroffen. Dabei gehe es immer auch um das Umgangsrecht.

Im Auftrag des Bundesfamilienministeriums arbeitet Rücker an einer bundesweiten Studie mit dem Titel "Kindeswohl und Umgangsrecht", bei der rund 1.200 Familien befragt werden sollen. "Ein erstes Zwischenergebnis zeigt erhebliche Defizite in der Beratung durch die Jugendämter", sagte Rücker. Viele Eltern erlebten die Beratung als nicht hilfreich, in einigen Fällen sogar als parteiisch. Ziel der Studie sei es, beim Ringen um das Umgangsrecht sensibler auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen.

Häufig lande der Streit vor einem Familiengericht: "Doch die meisten Richter sind nicht darin geschult, in einer kindgerechten Sprache mit den Kindern zu kommunizieren", sagte Rücker. Die gut gemeinte Frage einiger Richter "Wen magst du lieber - Mama oder Papa?" stürze Kinder in große Loyalitätskonflikte - insbesondere, wenn die Eltern im selben Raum sind.

Vor den Familiengerichten gehe es nur selten wirklich um juristische Probleme. "Oft geht es viel mehr um Eifersucht, um verletzte Gefühle und um Rache." Besonders schwierig werde es, wenn Missbrauchsvorwürfe erhoben würden. Rücker zufolge können Kinder bis zu einem bestimmten Alter nicht unterscheiden, ob sie etwas wirklich erlebt haben oder ob ein Erwachsener ihnen eine Geschichte in den Kopf gesetzt hat. Selbst Gutachter und erst recht Richter seien in solchen Fällen nicht vor Fehleinschätzungen gefeit.

"Wir brauchen neue Beratungskonzepte", sagte der Psychologe. Den Eltern riet er, sich immer wieder selbstkritisch zu fragen, ob sie ihre eigenen Interessen über die ihres Kindes stellten. Sie sollten den offenen Streit vor den Augen und Ohren der Kinder vermeiden und miteinander im Gespräch bleiben. "Wenn Vater und Mutter nicht mehr miteinander reden können und nur noch über Anwälte kommunizieren, dann wird es schwierig."