Dutzende Tote bei IS-Anschlag auf schiitisches Zentrum in Kabul

Dutzende Tote bei IS-Anschlag auf schiitisches Zentrum in Kabul
Afghanistan kommt nicht zur Ruhe. Wieder einmal hat es die Terrormiliz IS geschafft, in der Hauptstadt einen Anschlag zu verüben. Ihr Ziel war erneut die schiitische Minderheit.

Neuer Anschlag der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) in Afghanistan: Bei einem Selbstmordattentat auf eine Nachrichtenagentur und ein schiitisches Kulturzentrum sind am Donnerstag in Kabul mindestens 41 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 80 verletzt worden, wie afghanische Medien berichteten. Der afghanische Präsident Aschraf Ghani verurteilte die Tat als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. 

Auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) verurteilte den Anschlag scharf. "Dieser heimtückische Terror richtet sich gegen Bildung, gegen freie Medien und gegen jeden Menschen, der eigenständig denkt und entscheidet", sagte er. Die Terroristen wollten Zwietracht und Unruhe in die afghanische Gesellschaft bringen. "Diese böse Saat darf nicht aufgehen", betonte Gabriel und versicherte Afghanistan weiter anhaltendes Engagement. 


Das Attentat geschah während einer Diskussionsveranstaltung anlässlich des 38. Jahrestages des Einmarsches der Sowjetunion in Afghanistan, die von vielen jungen Leuten besucht war. In dem Gebäude befindet sich auch die Agentur "Afghan Voice Agency". Unter den Toten sind nach Medienberichten auch drei Journalisten. 

Präsident Ghani sprach von einem Angriff auf den Islam und alle menschlichen Werte. Die Terroristen töteten nicht nur Afghanen, sondern zerstörten auch Moscheen, heilige Stätten und Kulturzentren, sagte er. Zwei oder drei Selbstmordattentäter sollen das Haus in Pule Sokhta, im Westen der Hauptstadt angegriffen haben, wo viele Schiiten leben. Die 35 Millionen Afghanen sind mehrheitlich sunnitische Muslime, die schiitischen Muslime machen 10 bis 15 Prozent aus.

Die Terrormiliz IS, die sich in Afghanistan "Daesh" nennt, bekannte sich zu dem Anschlag. Sie hatte bereits schiitische Moscheen angegriffen. Erst vor drei Tagen verübte die islamistische Terrorgruppe ein Attentat auf die Zentrale des afghanischen Nachrichtendienstes NDS in Kabul. Im Oktober wurde eine schiitische Moschee attackiert.

Vermehrt Guerilla-Taktiken

US-Präsident Donald Trump hat als Ziel ausgeben, den IS aus Afghanistan zu vertreiben. Obwohl von den afghanischen Soldaten und Nato-Truppen unter Druck gesetzt, wird die Zahl der IS-Kämpfer auf 1.000 bis 5.000 geschätzt. Seitdem der IS Territorien verloren hat, verlegt er sich vermehrt auf Guerilla-Taktiken und vermochte immer wieder, Anschläge in Kabul zu verüben.

Die von der Nato geführte Militärmission in Afghanistan nannte den Anschlag abscheulich. Das afghanische Innenministerium kündigte eine Untersuchung an. Die Gesellschaft für bedrohte Völker forderte einen besseren Schutz für Schiiten. Im laufenden Jahr seien bereits mindestens 315 Angehörige dieser Minderheit getötet worden, die meisten aus der Volksgruppe der Hasara.

Afghanistan gehört zudem zu den gefährlichsten Ländern weltweit für Journalisten. Bis Mitte Dezember wurden in diesem Jahr laut "Reporter ohne Grenzen" bereits neun Medienschaffende getötet

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