Zentralratspräsident gibt Kirchen Mitschuld an Antisemitismus

Zentralratspräsident gibt Kirchen Mitschuld an Antisemitismus
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, hat die beiden großen Kirchen für Antisemitismus in Deutschland mitverantwortlich gemacht.

"Das ist ein über Generationen tradierter Antisemitismus. Da haben sicherlich beide christlichen Kirchen eine Mitschuld", sagte Schuster dem Berliner "Tagesspiegel" (Sonntag).

Über Jahrhunderte sei von Kanzeln Judenfeindlichkeit gepredigt worden, sagte der Zentralratspräsident weiter: "Auf diesem Boden hat nationalsozialistische Propaganda gut gefruchtet." Es sei erstaunlich, heute noch zu erleben, wie sich Vorurteile über Juden in der Bevölkerung halten, sagte Schuster.

Mehr zu Die Antisemitismus-Debatte in Deutschland
Frankfurter Soziologin Julia Bernstein
Die Frankfurter Soziologin Julia Bernstein hat ein stärkeres Bewusstsein dafür gefordert, wie sich israelbezogener Antisemitismus auf die in Deutschland lebenden Jüdinnen und Juden auswirkt.
Oberbürgermeister Stephan Keller (r.) und Bastian Fleermann, Leiter für Mahn- und Gedenkstätten am 11.5.2021 am Tatort, wo ein Feuer gelegt wurde.
Nach den Angriffen auf Synagogen in Nordrhein-Westfalen haben Politiker und Religionsvertreter besorgt reagiert. Doch die Straftaten reißen nicht ab. In der Nacht auf Donnerstag kam es bundesweit zu weiteren Vorfällen.


Der Zentralratspräsident nannte dafür ein Beispiel: "Mich hat neulich jemand gefragt, warum Juden keine Blumen auf ihre Gräber legen, sondern Steinchen. Ich habe ihm das dann erläutert: Wüstenwanderung, Beerdigung, wilde Tiere, beste Möglichkeit, um das Ausbuddeln zu verhindern." Sein Gegenüber habe sich überrascht gezeigt, weil seine Eltern ihm erklärt hätten, dass die Steinchen bereitgelegt würden, "um bei der Wiederauferstehung auf Jesus werfen zu können", betonte Schuster.