Umfrage: Kirchengemeinden fühlen sich alt, aber wichtig

Gemeindefest

Foto: epd-bild / Rainer Oettel

Die Kirchenmitglieder sind oft überlastet aufgrund ihres Alters, backen zum Gemeindefest aber die besten Kuchen.

Umfrage: Kirchengemeinden fühlen sich alt, aber wichtig
Die Kirchengemeinden sind nach eigener Einschätzung überaltert und chronisch überlastet. Ihre Arbeit sei jedoch auch künftig für die Gesellschaft notwendig, heißt es in einer am Montag veröffentlichten bundesweiten Umfrage. Die Agentur des Rauhen Hauses (Hamburg) hatte hauptamtliche Mitarbeiter in 436 evangelischen und katholischen Gemeinden befragt.

90 Prozent sagten, die Kirche sollte gerade angesichts der heutigen Spaltungstendenzen in der Gesellschaft Menschen zusammenführen. Die Stimmung an der Basis ist nicht schlecht: Befragt nach der Gesamtsituation ihrer Gemeinde gab es im Durchschnitt die Note 2,8. 
Die Mehrheit der Befragten (56 Prozent) nannte Nachwuchsmangel und Überalterung als drängendstes Problem für die Gemeindearbeit.

Jeder Zweite (51 Prozent) gab an, dass in die Gottesdienst kaum noch Menschen unter 60 kommen. Familien fänden nur noch bei besonderen Gelegenheiten den Weg in die Kirche, erklärten 82 Prozent der Befragten. Dass so wenig Jugendliche kommen, liege vor allem an den alten Liedern, sagten 47 Prozent.

Nur wenige glauben noch an eine "Volkskirche", die Menschen über alle Altersstufen und sozialen Milieus hinweg bindet. 65 Prozent sehen dies als "Auslaufmodell". Veranstaltungen mit "Event-Charakter" könnten gegen diesen Trend helfen, sagten 47 Prozent. Nur 18 Prozent sehen darin eine "Anbiederung an den Zeitgeist". 72 Prozent setzen auf neue Gottesdienste, die statt äußerer Tradition mehr Wert auf eine emotionale Ansprache legen.

Eine Mehrheit von 60 Prozent betrachtet die Entkirchlichung der Gesellschaft und die Austrittswellen der vergangenen Jahre mit großer Sorge. 47 Prozent nannten als großes Problem die Überlastung der Gemeindemitarbeiter. Dies gelte insbesondere für die Geistlichen und Hauptamtlichen, sagten 69 Prozent. Jede dritte Kirchengemeinde (31 Prozent) muss Kirchenräume schließen, jede fünfte (20 Prozent) Gemeindehäuser oder Jugendzentren.

Ihren Optimismus haben die Kirchengemeinden offenbar dennoch nicht verloren. 48 Prozent der Befragten haben ein wachsendes Bedürfnis in der Gemeinde nach spirituellen Inhalten wahrgenommen. Allerdings müssten sich die Gemeinden dafür auch öffnen. 65 Prozent sind der Meinung, dass die Kirche neue spirituelle Zugangsformen erschließen müsse, 61 Prozent wünschen sich Neuansätze für Gottesdienste.

Die Befragten gäben ein "ehrliches und transparentes Bild der Lage", bilanzierte Martin Sterr, Geschäftsführer der Agentur des Rauhen Hauses. "Die Kirchenvertreter stecken nicht den Kopf in den Sand", erklärte er. Zu ihrer Bestandaufnahme gehöre auch, dass Kirche der Gesellschaft immer noch etwas zu geben habe. Die gemeinnützige Agentur des Rauhen Hauses verlegt christliche Literatur und bedient Buchhandlungen in ganz Deutschland.