Ägypten bombardiert mutmaßliche Terrorcamps nach Angriff auf Kopten

Ägypten bombardiert mutmaßliche Terrorcamps nach Angriff auf Kopten
Die ägyptischen Streitkräfte reagieren nach dem Überfall auf koptische Christen mit Luftschlägen gegen die vermeintlichen Drahtzieher, die sich in der libyschen Stadt Derna aufhalten sollen. Im Internet reklamiert der IS die Tat für sich. Die Evangelische Kirche sicherte den koptischen Christen ihre Solidarität zu.
Deutschland spricht 2019

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat den tödlichen Angriff auf Kopten in Ägypten für sich reklamiert. In sozialen Medien bekannten sich die Dschihadisten am Wochenende zu der Bluttat vom Freitag. Als Reaktion auf den Überfall auf christliche Pilger bombardierte Ägyptens Luftwaffe am Samstag mutmaßliche Terrorcamps in Libyen. Medien berichteten auch am Sonntag von weiteren Luftangriffen.

Die Kopten waren im Bus auf einer Schnellstraße durch die Wüste unterwegs zum Sankt Samuel Kloster in der südlichen Provinz Minja, als sie von Bewaffneten beschossen wurden. Mindestens 29 Menschen wurden nach Berichten staatlicher Medien getötet und 22 verletzt. Unter den Toten waren auch viele Kinder.

Präsident Abdel Fattah al-Sisi erklärte daraufhin in einer Fernsehansprache, dass "Ägypten nicht zögern wird, terroristische Trainingscamps militärisch anzugreifen - ganz gleich, ob innerhalb Ägyptens oder außerhalb". Der Präsident machte Extremisten aus der ostlibyschen Stadt Derna für Attacken im Nilland verantwortlich. Die Region war dann auch Ziel der ägyptischen Luftangriffe.

Derna liegt rund 300 Kilometer von der ägyptischen Grenze entfernt und war einst eine Hochburg der IS-Miliz, bis die Dschihadisten 2015 von Milizen des "Schurarates der Mudschaheddin" aus der Stadt vertrieben wurden. Dieser "Schurarat" steht der Terrororganisation Al-Kaida nahe, die wiederum mit dem IS verfeindet ist. Laut der Zeitung "Libya Herald" sollen sich zahlreiche ägyptische Extremisten in Derna aufhalten.

Christen stellen in Ägypten mit rund neun Millionen Gläubigen zehn Prozent der Bevölkerung - fast alle sind Kopten. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) sicherte den ägyptischen Christen ihre Solidarität zu. "Mit großem Schrecken und tiefer Abscheu haben wir von dem jüngsten Anschlag auf koptische Christen in Ägypten gehört", schrieben der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm und die Auslandsbischöfin Petra Bosse-Huber an den koptischen Papst Tawadros II. Der Brief solle auch den Angehörigen der Opfer und allen durch Gewalt und Fanatismus schwer bedrängten koptischen Christen das tief empfundene Beileid der Evangelischen Kirche in Deutschland vermitteln.

Scheich Ahmad Mohammad al-Tayyeb, Groß-Imam der Kairoer Al-Azhar Universität und eine der höchsten Autoritäten des sunnitischen Islams, sagte im "Interview der Woche" des Deutschlandfunks mit Blick auf die Angriffe: "Wir sind überzeugt, dass dafür weder die Muslime, noch die Christen, noch der ägyptische Islam, noch das ägyptische Christentum verantwortlich sind." Beide Religionen lebten seit 15 Jahrhunderten zusammen, solche Ereignisse hätten sie bisher nicht gekannt. Der Großmufti von Ägypten, Schauki Allam, hatte wegen des Angriffs die Feierlichkeiten zum Beginn des Ramadans abgesagt. Der islamische Fastenmonat hat am Samstag begonnen.

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