"Zeichen für Menschenrechte, Demokratieverständnis, Toleranz und Weltoffenheit"

Überwiegend friedlicher Protest gegen AfD-Parteitag in Köln
Banner: "Unser Kreuz hat keine Haken"

Foto: Guido Schiefer

Auf Protestveranstaltungen gegen die AfD haben Bürger und Politiker in Köln für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert. Befürchtete Ausschreitungen blieben aus. Kölner Kirchen beteiligten sich unter dem Motto "Unser Kreuz hat keine Haken" an dem Protest. Stadtsuperintendent Rolf Domning warnte vor einem Missbrauch christlicher Symbole durch die AfD.

Mehr als 10.000 Menschen haben am Samstag in Köln überwiegend friedlich gegen den zeitgleich stattfindenden Parteitag der rechtspopulistischen AfD protestiert. Auch die Nacht zum Sonntag blieb "ruhig und ohne Zwischenfälle", wie ein Polizeisprecher am Sonntag dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte. Für den zweiten Tag des AfD-Parteitags in der Domstadt waren nach Angaben der Polizei noch zwei Gegenveranstaltungen angekündigt.

Der Polizeieinsatz am Samstag war mit 4.000 eingesetzten  Beamten nach Angaben der Einsatzleitung vom Sonntag der größte Einsatz in der Geschichte der Kölner Polizei. Einsatzleiter Klaus Rüschenschmidt erklärte, gewaltbereite Autonome seien aus Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main in die Stadt gekommen. Am Samstagvormittag habe es einige gewalttätige Zwischenfalle gegeben. Dabei wurden zwei Polizeibeamte leicht verletzt. Fünf Demonstranten wurden vorübergehend in Gewahrsam genommen.



Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (Parteilos) wertete die friedlichen Gegendemonstrationen vom Samstag als "Zeichen für Menschenrechte, Demokratieverständnis, Toleranz und Weltoffenheit". Die Kölner hätten "einen Kontrapunkt zu denen gesetzt, die Anderes im Sinn haben", betonte Reker. NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) hatte am Samstag den Protest der vielen Bürger als "klare Haltung" gegen Ausgrenzung und Hetze gewürdigt.

Auch die Kölner Kirchen beteiligten sich unter dem Motto "Unser Kreuz hat keine Haken" an dem Protest. Der Sozialpfarrer Franz Meurer forderte zu mehr Solidarität in der Gesellschaft auf. Der Kölner Stadtsuperintendent Rolf Domning warnte vor einem Missbrauch christlicher Symbole durch die AfD. "Dagegen verwehren wir uns in aller Form!"

Aufgerufen zu den Protesten hatten unter anderem die demokratischen Parteien, die Gewerkschaften, die christlichen Kirchen sowie die Bündnisse "Köln stellt sich quer" und "Köln gegen Rechts". Auch Karnevalisten und Brauchtumsfreunde in der Domstadt hatten eine eigene Veranstaltung mit mehreren tausend Teilnehmern in der Kölner Innenstadt organisiert.