Kirchen entdecken Popmusik für sich - Ruhrbistum sucht "Pop-Kantoren"

Das Bistum Essen stellt als erstes Bistum zwei studierte Popmusiker als Kantoren ein. Auch die evangelische Kirche erkennt Potenzial in moderneren Musikstilen.

Das Ruhrbistum stellt zwei studierte Popmusiker als so genannte Pop-Kantoren ein. Sie sollen in den Gemeinden des Bistums mit Chören und Bands Konzerte, Gottesdienste und Workshops mit moderner, poppiger Kirchenmusik gestalten. Damit soll besonders die junge Generation angesprochen werden.

Ab Februar und ab März sollen die beiden neu geschaffenen Stellen besetzt sein. Ihr musikalisches Repertoire soll eigene Kompositionen sowie Gospel- und "Praise and Worship"-Songs und die Genres Pop, Rock und Jazz umfassen. "Die evangelische Kirche und die Freikirchen haben die Popmusik bereits integriert. Das haben auch wir vor", sagt Stefan Glaser, Bischöflicher Beauftragter für Kirchenmusik im Bistum Essen. Einige Kirchenmusiker hätten zwar befürchtet, dass das traditionelle Liedgut aus der Kirche verdrängt werde. Stefan Glaser betont aber, dass es sich lediglich um eine Erweiterung des musikalischen Spektrums handele.

Auf protestantischer Seite läuft bereits seit Oktober in Witten der Bachelor-Studiengang "Kirchenmusik Popular" an einer neu gegründeten evangelischen Pop-Akademie. Dabei wird vor allem zeitgenössische Musik und deren Anwendung im Kirchenbereich vermittelt. "Die Nachfrage nach speziell ausgebildeten Popmusikern in der Kirchenmusik steigt. Wir sind bislang die einzige Hochschule in Deutschland, die diese Qualifizierung anbietet", sagt Hartmut Naumann, Pro-Rektor und Leiter des Studiengangs. Die Pop-Akademie gehört zur Herforder Hochschule für Kirchenmusik der westfälischen Landeskirche.

Auch der rheinischen Kirche ist das Thema nicht fremd: "Popmusik und die großen Klassiker können ohne Probleme koexistieren. Junge Musik ist bei uns sehr willkommen", sagt Jens-Peter Enk, Leiter der Arbeitsstelle Kirchenmusik der evangelischen Kirche im Rheinland und Kantor und Organist einer Gemeinde in Wuppertal.