Leipzig erinnert an die demokratische Kraft vom Herbst '89

Friedensgebet in der Nikolaikirche in Leipzig

Foto: dpa/Jan Woitas

Zahlreiche Menschen sitzen zum Friedensgebet am in der Nikolaikirche in Leipzig und an die Friedliche erinnern an die Revolution 1989 in der DDR.

Leipzig erinnert an die demokratische Kraft vom Herbst '89
In Leipzig ist am Sonntag an die Friedliche Revolution in der DDR vor 27 Jahren erinnert worden. Zahlreiche Gäste aus Politik und Gesellschaft versammelten sich am frühen Abend zum Friedensgebet in der Nikolaikirche.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) rief dazu auf, die im Herbst 1989 erkämpften Werte zu verteidigen. Die Demokratie sei in Gefahr, "wenn Gotteshäuser in Deutschland brennen und Ordnungskräfte und Politiker angegriffen werden", sagte Schulz.

Deutschland erlebe "unbestreitbar einen gesellschaftlichen Härtetest", sagte Schulz. Meinungsverschiedenheiten würden immer aggressiver ausgetragen und eine Gruppe von Menschen scheine es sich zum Ziel gesetzt haben, "die Demokratie in Europa und Deutschland lächerlich zu machen" und - wenn man sie ließe - sogar abzuwickeln, warnte er.

Da wünsche er sich mehr Engagement der Bevölkerung: "Ich frage mich manchmal, warum nicht ein lauter Schrei der Empörung durch unsere Gesellschaft hallt, wenn sich diese Gruppen anmaßen, unser gesamtes Volk zu vertreten", sagte Schulz. Die Leipziger wüssten, dass die Parole "Wir sind das Volk" nicht für Hetze und Nationalismus stehe, sondern für "Öffnung der Grenzen, Solidarität, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit".

Keine meldungswerten Störungen

Er sei überzeugt davon, dass Deutschland "eine stolze Demokratie voll von stolzen Demokraten" sei - und zwar in allen Teilen der Republik, betonte der SPD-Politiker, der in diesem Jahr die traditionelle "Rede zur Demokratie" im Zuge der Feierlichkeiten in Leipzig hielt.

Zuvor hatte der sudanesische Pastor Yassir Eric im Friedensgebet von seiner persönlichen Geschichte und seiner Heimat berichtet. Der Sudan erinnere ihn oft an die ehemalige DDR, eine freie Meinungsäußerung sei da nicht möglich. "Was für Sie heute Geschichte ist, ist für viele Länder dieser Welt, besonders im Nahen Osten, Gegenwart", sagte er an die Besucher der voll besetzten Kirche gerichtet. Eric konvertierte als junger Mann zum christlichen Glauben und leitet heute das Europäische Institut für Migration, Integration und Islamthemen in Korntal bei Stuttgart.

Die Feierstunde in der Nikolaikirche wurde begleitet von kleineren Protesten auf dem Kirchhof. Eine rechte Gruppierung konnte Augenzeugen zufolge etwa 15 Teilnehmer mobilisieren, ihnen standen mehrere Dutzend Gegendemonstranten gegenüber. Eine Polizeisprecherin sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd) nach der "Rede zur Demokratie", bis zum Abend habe es keine meldungswerten Störungen gegeben. Eine Vielzahl an Polizeibeamten war vor Ort.



Die Feiern beschließen sollte am späteren Abend das traditionelle Lichtfest auf dem Augustusplatz, bei dem eine Performance aus Tanz, Musik sowie historischen Video- und Fotoaufnahmen gezeigt werden sollte. Anschließend waren die Leipziger aufgerufen, aus Tausenden Kerzen eine leuchtende "89" auf dem Platz zu bilden. Die Feierlichkeiten standen in diesem Jahr unter dem Motto "Mut - Werte - Veränderung".

Am 9. Oktober 1989 waren nach dem Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche rund 70.000 Menschen auf die Straße gegangen, um gegen das SED-Regime zu protestieren. Es war die erste große und dennoch friedliche Massendemonstration gegen die Machthaber in der DDR. Genau einen Monat später fiel die Berliner Mauer.

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