Kardinal Lehmann mit Fanfaren in den Ruhestand verabschiedet

Kardinal Karl Lehmann

Foto: epd-bils/Andrea Enderlein

Kardinal Karl Lehmann

Kardinal Lehmann mit Fanfaren in den Ruhestand verabschiedet
Karl Lehmann galt als Gesicht einer aufgeschlossenen katholischen Kirche. An seinem 80. Geburtstag ging er in den Ruhestand. An der Basis fragen viele Katholiken jetzt, wie es weiter geht mit ihrer Kirche.

Ende einer Ära: Der langjährige Mainzer Bischof, Kardinal Karl Lehmann, ist an seinem 80. Geburtstag in den Ruhestand verabschiedet worden. Bei einem Festgottesdienst am Pfingstmontag im Mainzer Dom sowie einem anschließenden Festakt nahm Lehmann die Glückwünsche von Prominenten aus Kirche und Politik entgegen. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) sagte, Lehmann werde zu Recht bewundert und verehrt.

Lehmann war seit 1983 Bischof von Mainz und stand von 1987 bis 2008 über zwei Jahrzehnte lang an der Spitze der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Mit dem Wechsel des mit Abstand dienstältesten deutschen Bischofs in den Ruhestand wird der Mainzer Bischofssitz vakant. Die Wahl eines Nachfolgers verläuft nach einem komplizierten Prozedere und wird mindestens mehrere Monate dauern.

Der päpstliche Nuntius Nikola Eterovic hatte die allgemein erwartete Entscheidung von Papst Franziskus im Festgottesdienst im voll besetzten Mainzer Dom bekanntgegeben: "Der Heilige Vater hat Ihr Rücktrittsgesuch mit dem heutigen Tage angenommen", sagte der Botschafter. An dem live vom ARD-Fernsehen übertragenen Gottesdienst nahmen rund 1.200 geladene Gäste teil, darunter Spitzenpolitiker aus Berlin, Rheinland-Pfalz und Hessen sowie eine Vielzahl amtierender und emeritierter Bischöfe.

Lehmann selbst erinnerte zum Abschluss des Festaktes zu seinen Ehren, wie sehr ihn die Erlebnisse der Kriegszeit prägten. Die Bilder aus den Nächten in den Luftschutzkellern verfolgten ihn noch immer. In der Idee, ein gemeinsames Haus Europa zu bauen, sehe er ein "großes Hoffnungszeichen" dafür, künftige Kriege zu verhindern. Im Verhältnis zu den protestantischen Kirchen forderte er mehr Einsatz für die Ökumene: "Wir brauchen wieder neuen Schwung."

Bei seinem letzten Auszug aus dem Mainzer Dom war Lehmann gebeugt auf einen Stock und einen Assistenten, aber begleitet von pompösen Fanfarenklängen und Paukenschlägen.

EU-Parlamentschef Schulz nutzte seinen Festvortrag, um für die europäische Idee zu werben. Die Generation Lehmanns habe auf den Ruinen des Zweiten Weltkriegs begonnen, ein neues Europa aufzubauen. Zurzeit werde die antieuropäische Stimmung in vielen Ländern des Kontinents immer stärker, klagte der Politiker. Dabei habe die europäische Einigung dazu beitragen, auch aus Ländern wie Griechenland sowie den osteuropäischen Staaten "stabile Demokratien" zu machen.

Lehmann: Europa in großer Krise

Lehmann sagte in einem am Wochenende vom Radiosender SWR1 ausgestrahlten Interview, er sehe Europa in einer großen Krise. Die osteuropäischen EU-Staaten kritisierte er wegen mangelnder Solidarität in der Flüchtlingspolitik scharf. Manche seien nur in "das Nest Europa hineingeschlüpft", weil sie mehr Geld bekommen, als sie hineingegeben haben: "Als sie mal helfen sollten, haben sie sich zurückgezogen."

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, äußerte in einem Grußwort am Ende des Gottesdienstes am Sonntag in Mainz "Respekt und Dankbarkeit" für Lehmanns Lebensleistung: "Du hast epochale Umbrüche in unserem Land und in der Kirche miterlebt und mitgestaltet." Weit über die Grenzen der Bundesrepublik hinaus habe Lehmann ein "leuchtendes Beispiel für eine lebendige Kirche in Deutschland" gegeben. Der evangelische hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung sagte, niemand in Deutschland habe die Ökumene in Deutschland über Jahrzehnte so gestärkt wie Lehmann.

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