EKD-Ratsvorsitzender für Zuversicht trotz Flüchtlingskrise und Terrorgefahr

EKD-Ratsvorsitzender für Zuversicht trotz Flüchtlingskrise und Terrorgefahr
Der EKD-Ratschef Heinrich Bedford-Strohm sieht keine besondere Gefahr für die diesjährigen Weihnachtsgottesdienste. "Wir können voller Freude in die Kirche kommen", sagt er. Der Theologe wirbt für Zutrauen trotz Flüchtlingskrise und Terror.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, ruft dazu auf, trotz Flüchtlingskrise und Terrorgefahr zuversichtlich in die Zukunft zu schauen. Die biblische Weihnachtsbotschaft "Fürchtet Euch nicht" habe in diesem Jahr eine ganz neue Bedeutung, sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bedford-Strohm sieht wenige Wochen nach den Terroranschlägen von Paris keine besondere Gefahr für Weihnachtsgottesdienste. "Wir können voller Freude in die Kirchen kommen", sagte er.

Die Ankunft vieler Flüchtlinge bereite Menschen Angst, räumte der EKD-Ratsvorsitzende ein. Er sehe aber noch Kapazitäten zur Aufnahme weiterer Flüchtlinge. "Wir sollten unsere Möglichkeiten, Menschen in Not aufzunehmen, nicht kleinreden", sagte Bedford-Strohm. Er sprach sich abermals gegen Obergrenzen aus: "Wir haben im zu Ende gehenden Jahr eine Zahl von Flüchtlingen aufnehmen können, die niemand vorher für möglich gehalten hätte." 2015 flüchteten bisher schätzungsweise rund eine Million Menschen nach Deutschland.

Bedford-Strohm forderte die Politik auf, in der Flüchtlingskrise mögliche Lösungsvorschläge auf humanitären Konsequenzen hin zu prüfen. Wenn von einer Reduzierung der Flüchtlinge in Deutschland die Rede sei, müsse auch bedacht werden, wie diese Menschen anderswo untergebracht werden können. Die Flüchtlingslager in den Ländern rund um die Konfliktherde müssten so ausgestattet werden, dass dort ein Leben in Würde möglich sei. Gegenwärtig sei die Ernährung nicht auf längere Zeit sichergestellt, und viele Kinder können nicht zur Schule gehen.

"Ich erlebe eine ungebrochene Bereitschaft zur Hilfe"

Der Vorsitzende des Rates der EKD sagte, er erlebe eine ungebrochene Bereitschaft zur Hilfe: "Das Mitgefühl gegenüber denjenigen, die aus großer Not hierher kommen, ist ungebrochen." Dafür sei er dankbar. Die Arbeit der Ehrenamtlichen sollte künftig besser koordiniert werden. "Das ist wichtig für die Nachhaltigkeit des Helfens", sagte der oberste Repräsentant der rund 23 Millionen Protestanten in Deutschland. Die evangelischen Landeskirchen hätten dafür viele zusätzliche Mittel bereitgestellt.

Der 55-jährige Theologe ermutigte dazu, auch angesichts der nötigen Hilfsbereitschaft nicht auf persönliche Weihnachtsgeschenke zu verzichten. "Es wäre schlimm, wenn wir durch die Not, die uns zu Herzen geht, die Weihnachtsfreude erdrücken würden", sagte Bedford-Strohm. Zudem ließen sich Nothilfe und Schenken verbinden, zum Beispiel durch Gutscheine für Spenden: "Es macht Menschen Freude, wenn in ihrem Namen anderen geholfen wird", sagte der EKD-Ratschef, der zugleich bayerischer Landesbischof ist.

Bedford-Strohm fordert verlässliche Perspektiven für Flüchtlinge

Bei der Integration von Flüchtlingen in Deutschland sieht Bedford-Strohm eine wichtige Rolle für die Kirchengemeinden. "Ganz wichtig sind Begegnungen", sagte Bedford-Strohm. Integration könne aber erst dann richtig gelingen, wenn Menschen verlässliche Perspektiven haben. Daher müsse der rechtliche Status eines jeden Flüchtlings so schnell wie möglich geklärt werden.

Von den nach Deutschland gekommenen Flüchtlingen erwartet er, sowohl Rechte als auch Pflichten anzunehmen. "Es gibt bestimmte Regeln, die nicht zur Disposition stehen", sagte der Bischof. Dazu gehörten Meinungsfreiheit, Glaubens- und Religionsfreiheit sowie die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Zudem müsse "ganz klar sein, dass in Deutschland null Toleranz gegenüber Rassismus und Antisemitismus herrscht". Wer mit anderen Vorstellungen komme, müsse das in aller Deutlichkeit hören.

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