Jewish Committee fordert mehr Schutz für jüdische Gemeinden

Jewish Committee fordert mehr Schutz für jüdische Gemeinden
Das American Jewish Committee (AJC) hat einen besseren Schutz jüdischer Gemeinden vor Angriffen gefordert. In den vergangenen 15 Jahren sei eine dramatische Zunahme des Antisemitismus bis hin zu Terroranschlägen wie zuletzt in Paris zu beobachten, erklärte die Direktorin des AJC Berlin, Deidre Berger, am Donnerstag. Dieser islamistische Terror sei Teil einer größeren Agenda und richte sich "gegen unsere liberalen Demokratien insgesamt". Viele kleine und mittlere jüdische Gemeinden in Europa klagten jedoch über mangelnde finanzielle Unterstützung beim Schutz ihrer Einrichtungen.

Vertreter jüdischer Gemeinden und Organisationen seien besorgt, ob nach den Anschlägen von Paris tatsächlich die notwendigen politischen Konsequenzen gezogen werden, betonte Berger. So müsse Europa in Sicherheitsfragen den Austausch mit Israel intensivieren, da das Land im jahrzehntelangen Umgang mit Terror wichtige Erfahrungen gemacht habe, von denen auch Europa profitieren könne.

Einer möglichen Zunahme von Antisemitismus und Israelhass durch zuwandernde Flüchtlinge müsse mit einer Ausweitung von Programmen für Demokratie- und Wertebildung entgegengewirkt werden, forderte Berger weiter. Dies könne dazu beitragen, Antisemitismus und Extremismus frühzeitig zu begegnen.

Mehr zu Judentum
Sabbat Kerzen
Ungefähr 18 Minuten vor Beginn des Schabbats zünden viele Jüdinnen und Juden die beiden Schabbattkerzen an. Was es mit diesem Brauch auf sich hat, wofür die Kerzen stehen und was man beim Entzünden sagt im Überblick.
Grabstätte von Max Friedländer
Nach der umstrittenen Beisetzung eines Neonazis im früheren Grab des jüdischstämmigen Musikwissenschaftlers Max Friedlaender bei Berlin will die evangelische Landeskirche nun das Andenken an den Liedexperten wachhalten.

Eine besondere Herausforderung stelle zudem die Überwachung der wachsenden Zahl von Syrien-Rückkehrern dar, erklärte Berger: "Es muss sichergestellt werden, dass die Sicherheitsbehörden alle notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt bekommen, um potenzielle Gefahren tatsächlich zu verhindern."

Um Radikalisierungstendenzen und Extremismus zurückzudrängen, müsse auch die Bildungsarbeit gegen Antisemitismus weiterentwickelt werden, forderte das AJC weiter. So würden derzeit in Schulbüchern häufig einseitige Darstellungen Israels und des Nahostkonflikts verbreitet, über die Vielfalt jüdischen Lebens werde nur mangelhaft informiert.

In Berlin kamen am Mittwoch Vertreter von jüdischen Gemeinden und Organisationen aus 20 europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten zum siebten "European Forum on Antisemitism" zusammen. Im Mittelpunkt der Beratungen stand den Angaben zufolge die aktuelle Sicherheitslage nach den Anschlägen von Paris und den antisemitischen Terrorattacken im vergangenen Jahr.