Sterbehilfe: Niederlande diskutieren über "Letzter-Wille-Pille"

Sterbehilfe: Niederlande diskutieren über "Letzter-Wille-Pille"
In den Niederlanden hat eine Debatte darüber begonnen, ob zukünftig ein tödliches Medikament verkauft werden soll, mit dem Patienten ihr Leben beenden können. Die Lobby-Organisation Niederländische Vereinigung für ein Freiwilliges Lebensende plädiert in einem Strategiepapier für die Einführung einer sogenannten "Letzter-Wille-Pille", wie der Radiosender "EenVandaag" am Freitag berichtete.

Das tödliche Mittel könnte von Ärzten verschrieben und in Apotheken verkauft werden.

Bisher dürfen im Nachbarland nur Ärzte Sterbehilfe ausführen. Wenn Mediziner den Sterbewunsch jedoch ablehnen oder aus moralischen Gründen selbst keine Hilfe beim Sterben geben wollen, blieb Patienten bisher nur der Suizid. "Patienten mit einem Sterbewunsch sollen in Zukunft selbst über tödliche Mittel verfügen", erklärt die Vereinigung auf ihrer Website. Ärzte müssten kaum oder gar nicht einbezogen werden. In der Vergangenheit klagten Ärzte-Vertreter über die psychischen Belastungen, die durch die Hilfe beim Sterben entstehen.

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In einer Umfrage der Tageszeitung "NRC" unter 3.200 Lesern sprachen sich Anfang November zwei Drittel für die Einführung der "Letzter-Wille-Pille" aus. Im vergangenen Jahr starben 5.033 Menschen durch ärztliche Sterbehilfe in den Niederlanden. Das entspricht nach Angaben der Sterbehilfe-Kommission einem Anstieg um zehn Prozent. Wie viele Menschen sich selbst das Leben nehmen oder tödliche Medikamente aus dem Ausland beziehen, ist nicht bekannt.