Blauäugig, suchend, konvertiert: Sie wollen in den Rat der EKD

EKD-Synode 2015

Foto: ekd.de

Im Mittelpunkt der Tagung des Kirchenparlaments steht die Wahl der neuen Spitze der EKD. Für die 14 Sitze im Rat der EKD gibt es 23 Kandidaten.

Blauäugig, suchend, konvertiert: Sie wollen in den Rat der EKD
Für den neuen Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) haben sich am Sonntag 23 Kandidaten vorgestellt. Am Dienstag werden 14 von ihnen in das Leitungsgremium gewählt. Evangelisch.de hat sich die Vorstellungen im Synoden-Plenum angehört und alle 23 hier zusammengefasst.

Andreas Barner

Andreas Barner (Jg.1953), Ingelheim, Mediziner und Mathematiker, Vorsitzender der Unternehmensleitung des Pharmaherstellers Boehringer Ingelheim. Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentags 2015 in Stuttgart.

Als Vorstand eines großen Unternehmens und als Präsident des Kirchentags in Stuttgart im Rat der EKD zu sitzen passe nicht wirklich, hatte Barner vorher manchmal gehört. Aber der Rat der EKD beziehe seine Stärke aus der Vielfalt der Sichtweisen. Beim Kirchentag in Stuttgart sei er mit den ganz unterschiedlichen Teilen der württembergischen Landeskirche ins Gespräch gekommen, erzählte Barner. Auch Jugendliche habe der Kirchentag – wie immer – gut erreicht. Beides stehe nicht im Gegensatz zur EKD, sagte Barner. Er stehe für das Zuhören wollen, das habe er mit sechs Geschwistern ganz gut gelernt. Auch seine Erfahrungen als Berater der Politik ermögliche ihm, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzubringen. "Als Unternehmensvertreter stehe ich öffentlich nicht nur beim Kirchentag für den christlichen Glauben ein." Die Perspektive aus einer "aktiven Unternehmensverantwortung" und seine Verbindungen in Politik, Stiftungen und Kirchentag würden mit ihrer Vielfalt den Rat der EKD bereichern, sagte Barner. (Die Vorstellung von Andreas Barner sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Heinrich Bedford-Strohm

Heinrich Bedford-Strohm (Jg. 1960), München, Theologieprofessor, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, seit November 2013 Mitglied des Rates der EKD, seit November 2014 Ratsvorsitzender.

Die bisherige Arbeit im Rat habe ihm "einfach große Freude gemacht", sagte Bedford-Strohm in seiner Vorstellungsrede, vor allem, "weil ich gerne mit den Menschen zusammen war". Für die Zukunft wünsche er sich "neue geistliche Kraft in unserer Kirche". Gemeinschaft sei die "Kraftquelle, aus der wir als Kirche leben". Dazu gehöre das Eintreten für den Nächsten in der persönlichen Beziehung und im öffentlichen Zeugnis. Beim Streit um den richtigen Weg gehe es um "geistliche Leidenschaft", sagte der amtierende Ratsvorsitzende. Besonders junge Menschen wolle er für den Glauben begeistern und auch neu für die Institution Kirche gewinnen. Dafür sollten "Wege der digitalen Kommunikation" mehr genutzt werden, so Bedford-Strohm, der auch "Facebook-Bischof" genannt wird. Nicht zuletzt sei ihm das Reformationsjubiläum 2017 wichtig und müsse "so kraftvoll wie möglich" gestaltet werden – gerade für junge Menschen. Vielleicht könne aus Konfi- und Jugendcamps eine "Generation 2017" hervorgehen, für die 2017 ein biografisches Schlüsseljahr ist. Bedford-Strohm freue sich sehr auf das Jubiläumsjahr, "in welcher Funktion auch immer". (Die Vorstellung von Heinrich Bedford-Strohm sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Claudia Brinkmann-Weiß

Claudia Brinkmann-Weiß (Jg. 1957), Hanau, Theologin, Gemeindepfarrerin und Pfarrerin für Erwachsenenbildung, seit 2002 Dekanin des Kirchenkreises Hanau.

Brinkmann-Weiß möchte "das Wir-Gefühl stärken zwischen Gemeinden, Kirchenkreisen und EKD" und nannte bei ihrer Vorstellung fünf Themen, die ihr für eine mögliche Arbeit im Rat der EKD besonders am Herzen liegen: 1. Wie können wir diakonische Kirche sein und uns dem geringsten unserer Geschwister widmen?  2. Der Blick in die weltweite Ökumene, unter anderem geschärft durch einen Partnerkirchenkreis in Syrien – "global denken, lokal handeln ist für uns Christen ja nichts Neues". 3. Das interreligiöse Gespräch, das sie mit einem runden Tisch der Religionen in ihrem Kirchenkreis bereits im Alltag erlebt. 4. Die Kommunikation des Evangeliums, weil solidarische Gesellschaft und Schöpfungsverantwortung den Menschen auch heute nicht egal seien. 5. "Ecclesia semper reformanda" als Motto einer Kirche, das nicht nur mit Blick aufs Reformationsjubiläum gilt. Die Struktur der Kirche solle dem Inhalt folgen, sagte Brinkmann-Weiß, die berufsbegleitend einen Masterstudiengang Verwaltungswissenschaften absolviert hat. Die Kirche solle sich "weiterhin als Anwältin für die Schwachen verstehen" und vernehmlich in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen. (Die Vorstellung von Claudia Brinkmann-Weiß sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Ingo Dachwitz

Ingo Dachwitz (Jg. 1987), Berlin, Student, Masterstudiengang Medien und Politische Kommunikation, bis 2014 Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend, ehemaliger Vorsitzender der Evangelischen Jugend Oldenburg.

"Warum willst du dir das antun?", fragte eine Freundin ihn, die sich nicht vorstellen konnte, in einer (in ihren Worten) "sterbenden Institution" so lange engagiert zu sein. Seine Alltagskontakte seien wenig kirchlich, und Dachwitz sagte, er selbst sei "auf der Suche": In neuen Gemeinden im Studium sei er nie heimisch geworden, denn seine religiöse Heimat war die Evangelische Jugend. Die Kirche scheine aber – anders als andere Institutionen – noch darauf zu warten, dass die Jugendlichen zu ihr kämen statt auf sie zuzugehen. Eine "Smartphone-Kirche" sei nicht sein Ziel, sagte Dachwitz, aber digitale Medien bieten aus seiner Sicht Ansatzpunkte für den Kontakt zwischen Kirche und Menschen, die noch lange nicht ausgeschöpft seien. "Dieser Wandel passiert nicht von allein" und ließe sich nicht verordnen. Der Rat müsse das wahrnehmen, schließlich sei anregende Glaubenskommunikation eine wesentliche Funktion der EKD: "Wir dürfen den digitalen Wandel nicht verschlafen." (Die Vorstellung von Ingo Dachwitz sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Michael Diener

Michael Diener (Jg. 1962), Kassel, bis 2009 Dekan des pfälzischen Kirchenbezirks Pirmasens, Präses des pietistisch geprägten Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes, seit 2012 Vorsitzender der Deutschen Evangelischen Allianz.

"Wir leben in absolut herausfordernden Zeiten", sagte Michael Diener. Solche Zeiten seien "gut für das Evangelium", denn darin zeige sich, "wie tragfähig und substantiell der christliche Glaube in Krisenzeiten ist". Er wünschte sich von der Kirche, dass sie "die missionarische Herausforderung unserer Zeit" ernst nimmt. Das Reformationsjubiläum 2017 wolle er gern als "Christusfest" feiern, "mit evangelischer Substanz und nah am Herzen und Maul des Volkes". Diener warb dafür, dass Kirchenleitende die Ehrenamtlichen auf allen Ebenen "nach Kräften unterstützen und begleiten". Zum Schluss kam Michael Diener auf seine pietistisch-evangelikale Prägung zu sprechen, die er gern in den Rat der EKD einbringen wolle. "Wir kommen in dieser Kirche nicht alle aus derselben Richtung, wir haben unterschiedliche Glaubensprofile", sagte er. "Aber wir kommen aus der Gegend von Bethlehem, Jerusalem und Golgatha." (Die Vorstellung von Michael Diener sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Tabea Dölker

Tabea Dölker (Jg. 1958), Holzgerlingen, staatlich anerkannte Erzieherin in Kindergarten und Kindertagesstätte, Tagesmutter, Ratsmitglied seit 2009.

Begegnungen, die sich "wie eine Perlenkette" aufreihen, haben die Erzieherin aus Württemberg immer wieder geprägt, auch im Reden über den Glauben. Mit ihrer Erfahrung als Ehrenamtliche, unter anderem in der Flüchtlingshilfe, möchte sie den Blick des Rates der EKD auf die Basis richten, auf die Menschen, die in den Gemeinden und Landeskirchen unmittelbar wirken. Was brauchen die Menschen von der EKD wirklich? "Genauer hinschauen, genauer hinhören, das möchte ich als eine Nachfolgerin immer wieder üben", sagte Dölker mit Blick auf Jesus, der seinen Zuhörer Bartholomäus auch fragte: Was kann ich für dich tun? Im Rat könnte sie außerdem zur Kontinuität beitragen, weil sie in der vorherigen Ratsperiode bereits dabei war. (Die Vorstellung von Tabea Dölker sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Markus Dröge

Markus Dröge (Jg. 1954), Theologe, Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, EKD-Ratsmitglied seit November 2014, Aufsichtsratsvorsitzender des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung.

Markus Dröge berichtete zuerst aus seinem Lebenslauf: geprägt von biblischer Frömmigkeit im CVJM und begeistert von Dietrich Bonhoeffer studierte er Theologie, wurde Pfarrer und Superintendent im Rheinland, promovierte nebenbei. "Wichtig für mich war immer, mir einen kritischen Blick zu bewahren auf das, was ich in der kirchlichen Praxis tue", sagte Dröge. So beobachtet er aus dem Amt als Berliner Bischof heraus, wie es ist, als westdeutscher Pfarrer ein kirchliches Spitzenamt einer weitgehend entkirchlichten ostdeutschen Landeskirche zu füllen: "Christliche Traditionen müssen sich immer neu beweisen in einem oft areligiösen Umfeld." Momentan allerdings sei die Zuwanderung von Flüchtlingen das brennendste Thema in Berlin, dafür gäbe es aber nun ein Gesamtkonzept "Kirche mit Flüchtlingen". Das Zusammenspiel aller evangelischen Partner funktioniere "momentan sehr gut", sagte Dröge. Kurz ging er noch auf das Reformationsjubiläum ein: Der Berliner Bischof möchte dazu beitragen, "dass es uns gelingt, 2017 so zu feiern, dass wir der Gesellschaft zeigen können, was sie am Protestantismus hat". (Die Vorstellung von Markus Dröge sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Kirsten Fehrs (Jg. 1961), Hamburg, Theologin, Bischöfin des Sprengels Hamburg und Lübeck der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.

Bei ihrer Vorstellung hob Kisten Fehr zuerst das Motto des kommenden Jahres in der Reformationsdekade vor: Reformation und die eine Welt. Es sei ihr beim Besuch einer geflüchteten syrischen Mutter in Jordanien "ungeahnt nah gegangen", sagte die Bischöfin. Die sechs Kinder hätten keinerlei Spielzeug besessen, weswegen sie ihnen einen Playmobil-Luther schenkte: "Wohl selten in der Welt ist Luther wohl so begeistert empfangen worden." Begegnungen seien ihre Leidenschaft, sagte die Hamburger Bischöfin, so bringe sie zum Beispiel Führungspersonen verschiedener Religionen an einen Tisch – auch wenn diese ihr als Frau aus religiösen Gründen nicht die Hand reichten. "In der Begegnung liegt das Geheimnis des Friedens", ist Kirsten Fehrs überzeugt. Ihre zweite Leidenschaft: Die Seelsorge – ob im Gefängnis, im Krankenhaus oder im Gespräch mit Opfern sexualisierter Gewalt. Sie erlebe, dass die Menschen von der Kirche eine "feinsinnige, aber klare Sprache" erwarteten. Eine weitere Stärke sieht sie bei sich darin, Organisationsaufgaben zu bewältigen – daran war sie beim Zusammenfügen von drei Landeskirchen zur Nordkirche beteiligt. (Die Vorstellung von Kirsten Fehrs sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Elisabeth Gräb-Schmidt

Elisabeth Gräb-Schmidt (Jg. 1956), Tübingen, Professorin für Systematische Theologie mit Schwerpunkt Ethik an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Sie gehörte dem Rat seit November 2013 an. 

Elisabeth Gräb-Schmidt begann ihre Vorstellung mit reformatorischer Theologie. Es sei etwas  Kleines mit großer Wirkung gewesen, das Luther entdeckte, nämlich die Befreiung des Menschen von der Sinnsuche für das eigene Leben. Evangelischer Glaube bedeute Freiheit – das sei Grundlage der Kirche. Zur Freiheit gehöre Verantwortung, und Christen müssten ihren Glauben und seine befreiende Kraft vertreten. "Das Christentum ist keine Theorie, es ist eine Lebensform, die Fühlen, Denken und Handeln geistlich durchdringt", sagte Gräb-Schmidt. Gerade in den aktuellen Debatten wie die um Sterbehilfe könne die Kirche damit wuchern, dass für sie "nicht die Leistung, sondern die Würde des verletzlichen Menschen zählt". Für die zukünftige Arbeit im Rat der EKD nannte Gräb-Schmidt fünf Punkte, die ihr wichtig sind: Kriege und Krisen seien Fragen der Gerechtigkeit – Kirche solle hier mutig Verantwortung übernehmen und von der Hoffnung sprechen. Kinder müssten früh an den Glauben herangeführt werden, ihre Neugier müsse geweckt werden, denn "Glaube ist lebendig, wenn Kinder früh hineinwachsen". Kirche müsse die Chancen der Digitalisierung als Kulturtechnik nutzen. Und nicht zuletzt liegen ihr Glaube und Spiritualität am Herzen, die Schönheit der Sprache Luthers, die die Herzen anspreche: "Unsere moderne Welt hat zu früh damit gerechnet, dass der Glaube verschwindet", sagte Elisabeth Gräb-Schmidt. (Die Vorstellung von Elisabeth Gräb-Schmidt sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Kerstin Griese

Kerstin Griese (Jg. 1966), Ratingen, Bundestagsabgeordnete, Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Arbeit Soziales. Sprecherin des Arbeitskreises Christinnen und Christen in der SPD.

"Ich bin Pfarrerstochter, und manche sagen, man merkt's auch manchmal", so stieg Kerstin Griese in ihre Vorstellung ein. Der Synode erzählte sie, was sie in ihrem Glauben geprägt hat: Sieben Jahre Kindergottesdienst, Jugendarbeit in Düsseldorf und mit 16 ein erster Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz. "Lernen aus der Geschichte" hat sie seitdem nicht mehr losgelassen, "lernen für die Zukunft". Im Rat möchte sie für drei Themenfelder stehen. Das erste ist der Glaube in der säkularen Welt, die sehr grundsätzlich Kritik an der Kirche übt. Mit diesen Anfechtungen möchte sie "politisch offensiv" umgehen, denn die Welt wäre nicht besser ohne die Werte im Hintergrund, die alle Menschen haben. Das Reformationsjubiläum "wird ein Kristallisationspunkt für solche Auseinandersetzungen sein". Zweitens sind es die sozialen Themen, die Kirche als Anwalt der Schwachen, "gerade in der Flüchtlingsfrage". Der dritte Punkt ist der Blick nach Israel und Palästina, wo sie sich schon seit Jahren in deutsch-israelisch-palästinensischen Kontexten engagiert. "Mit beiden Beinen mitten im Leben" möchte sie nun auch im Rat der EKD mitwirken. (Die Vorstellung von Kerstin Griese sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Jacob Joussen

Jacob Joussen (Jg. 1971), Düsseldorf, Professor für Bürgerliches Recht, deutsches und europäisches Arbeitsrecht und Sozialrecht an der Ruhr-Universität Bochum.

"Ich habe die ganz katholische Karriere hinter mich gebracht", so stieg Jacob Joussen ein: Kommunion, Messdiener, Berufsziel katholischer Religionslehrer. Doch beim Studium in Rom kamen ihm Zweifel, und Joussen konvertierte nach zwölf Jahren Bedenkzeit zum evangelischen Glauben und wurde Jurist. Er ist Experte für kirchliches Arbeitsrecht und favorisiert den "Dritten Weg". Aber auch der Zweite Weg – der Tarifweg – könne ein Weg sein, sagte Joussen vor der Synode: "Das ist keine Glaubensfrage." Ehrenamtlich ist er im heimischen Kirchenvorstand in Düsseldorf tätig, privat lebt er mit einem Mann zusammen: "Die Partnerschaft konnten wir segnen lasen, das hat mich sehr gefreut." Zum Schluss nannte Jacob Joussen ersatzweise für einen Konfirmationsspruch seinen Lieblingsvers aus, Römer 8, Vers 31: "Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein?" (Die Vorstellung von Jacob Joussen sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Volker Jung

Volker Jung (Jg. 1960), Darmstadt, Theologe, Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

"Sorgt euch nicht zuviel um euch selbst", hat Jung von einer Besucherin aus Kanada gesagt bekommen, nachdem sie hierzulande Gemeinden kennengelernt hatte. Jung stellte in seiner Vorstellung die Frage, was uns denn wirklich antreibe: Ist es die Sorge um die Zukunft oder ist es das Vertrauen in die Kraft des Evangeliums, durch das Gott seine Kirche baut? Ihn selbst bewegt "als Christ, als Theologe, als Pfarrer", Menschen im Vertrauen auf die Verheißung zu bestärken, dass Gott für uns sorgt. Daran schließt sich die Frage an: "Was braucht die Welt, was brauchen die Menschen von uns?" Darauf möchte Jung "evangelische Antworten geben". Er möchte Menschen aus der Kraft des Glaubens heraus Mut machen, ihr Zusammenleben unter sich verändernden Bedingungen zu gestalten, von Gemeindealltag bis zur Integration von Zuwanderern und Flüchtlingen. "Mit Zuversicht im Herzen" in der Öffentlichkeit "und mit unseren Kindern" über den Glauben zu reden ist Volker Jung wichtig. Mit der Vernetzung, die eine der wesentlichen Aufgaben des Rates der EKD ist, möchte er das unterstützen. (Die Vorstellung von Volker Jung sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Dieter Kaufmann

Dieter Kaufmann (Jg. 1955), Stuttgart, Oberkirchenrat, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes der evangelischen Kirche in Württemberg.

Mit seiner Lieblingspredigt von Luther stieg Kaufmann in die Vorstellung ein: "Wenn du danach urteilst, was du siehst, bist du verloren. Wenn du aber auf das Wort hörst, dann verstehst du, was Gott meint." Kirche ist für Kaufmann eine Kirche, die ihr diakonisches Sehen übt, und die Teilhabe lernt, indem Gemeinden und Diakonie gemeinsam vorangehen. Inklusion ist ihm wichtig, ebenso wie die sozialpolitische Einmischung und das Eintreten für die, die in der Gesellschaft keine Stimme haben. "So ist Kirche mitten in der Welt, zugewandt dem Alltag und dem Menschen". Das sei ein bewusstes "Ja" zur Rolle der Kirche in der Öffentlichkeit, sagt Kaufmann. Von "dumpfen Stimmen, wo immer sie auch herkommen mögen", darf und wird sich Kirche nicht abhalten lassen, für die Flüchtlinge und alle Bedürftigen da zu sein. Im Rat möchte er seine Erfahrungen, sein Engagement und sein an Luther geschultes Leben einbringen. (Die Vorstellung von Dieter Kaufmann sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Joachim Kunstmann

Joachim Kunstmann (Jg.1961), Baindt, evangelischer Theologe, Professor an der Pädagogischen Hochschule in Weingarten (Württemberg).

Bei seiner Vorstellung betonte Kunstmann, dass er sich eine Kirche wünscht, die sich den "seelischen Nöten der Menschen unter uns" widmet. Das Christentum scheine für viele Mitmenschen nicht mehr plausibel zu sein, sagte Kunstmann, und dieses Problem müsse zentrale Aufgabe der Kirche sein. Sonst könne es sein, dass all das Gute, was die Kirche tut, nicht mehr plausibel und nicht mehr finanzierbar sei. Seine Vision für die EKD ist eine strikte Konzentration auf die Kommunikation des Evangeliums und die spürbare Nähe Gottes. "Es kann nicht angehen, dass wir unsere Gottesdienste weiter nach dem Schema theologischer Belehrung abhandeln", und die Menschen sollten dabei keine Statisten mehr sein, sondern mit ihren Nöten im Mittelpunkt stehen, sagte Kunstmann. (Die Vorstellung von Joachim Kunstmann sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Annette Kurschus

Annette Kurschus (Jg. 1963), Bielefeld, Theologin, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen, Herausgeberin des evangelischen Magazins "chrismon".

Annette Kurschus präsentierte sich als lebendigen Beweis dafür, dass ein "Verbindungsmodell" reformierter und lutherischer Prägung funktionieren kann: Als Tochter eines ostpreußischen Vaters und einer Mutter aus dem Siegerland habe sie erfahren, dass sich lutherische und reformierte Tradition nicht nur verbinden, sondern dass sie einander sogar "lieben lernen" könnten. So sei es auch in der westfälischen Kirche, und nie habe jemand vermutet, sie wäre deshalb "am Ende gar nicht richtig Kirche", spielte Kurschus auf die aktuelle Diskussion zwischen den konfessionellen Bünden und der EKD an. Die Leitungserfahrung aus der westfälischen Landeskirche wolle sie gern im Rat einbringen. Die Präses sieht sich vor allem als Pfarrerin: Ihre Schwerpunkte seien die Theologie und die öffentliche Verkündigung. "Unermüdlich" wolle sie "auf das Wort Gottes hören, es beharrlich befragen und mit Freude predigen", sagte Annette Kurschus. Zu ihrem Auftrag zählte sie ebenso, das Gespräch mit  Menschen anderer Religionen, mit Indifferenten und  Glaubenslosen zu suchen: "Wir haben in dieser Welt eine Hoffnung wachzuhalten, die über alle menschliche Erfahrung hinausgeht." (Die Vorstellung von Annette Kurschus sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Katja Lembke

Katja Lembke (Jg. 1965 ), Hildesheim, Archäologin, Direktorin des Niedersächsischen Landesmuseums.

Fünf Jahre hat Lembke in Syrien gelebt, weswegen ihr die Horror-Nachrichten aus der Region besonders nahegehen. Seit über 20 Jahren arbeitet sie auch in Ägypten, wo sich die Hoffnungen aus dem arabischen Frühling nicht erfüllt haben, berichtete sie. "Zum Glück" kommen viele dieser Menschen nun zu uns: "Dank der Flüchtlinge ist uns klar geworden, dass wir uns nicht mit Entwicklungshilfe freikaufen können", fasste Lembke die aktuelle Lage zusammen. Die Baumärkte, in denen Flüchtlinge nun teilweise übernachten, erinnern sie an "einen gewissen Stall in Bethlehem". In Hannover organisiert sie in der Landesgalerie Sprach- und Kulturkurse für Flüchtlinge. Ihre evangelische Sozialisation kam vor allem über die Musik, berichtete sie. Die Kenntnis der Vergangenheit erleichtere ihr das Verstehen der Gegenwart, und das gelte auch für die Reformation. Kunst und Musik sind für sie wichtige Brücken zwischen Menschen und Kulturen. (Die Vorstellung von Katja Lembke sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Johann Michael Möller

Johann Michael Möller (Jg. 1955), Berlin, Journalist, Hörfunkdirektor des Mitteldeutschen Rundfunks MDR, Vorstandsmitglied der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler (KiBa).

Wegen einer Erkrankung konnte Michael Möller nicht selbst kommen, aber seine Vorstellung konnte immerhin vorgelesen werden. Die Nähe zur evangelischen Kirche ist im Laufe seines Lebens gewachsen, unter anderem durch Prädikanten-Dienst in Laucha an der Unstrut. Seine berufliche Qualifikation als Journalist und Medienmensch möchte er in den Rat einbringen, um "unseren Kirchen meine Erfahrung in allen Mediengattungen weiterzugeben". Dort will Möller zwischen der digitalen Welt und der Kirche vermitteln, insbesondere angesichts der Chancen zur Partizipation, die er dort sieht. Glaubwürdigkeit als "zentraler Begriff der neuen Medienwelt" sei ein ureigenes Thema der Kirche, genauso wie der Umgang mit den Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen. Kraft schöpft Möller aus der Vielfalt der Evangelischen Kirche: "Wir brauchen Wurzeln und Wirkung zugleich." (Die Vorstellung von Johann Michael Möller sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Alexander-Kenneth Nagel

Alexander-Kenneth Nagel (Jg. 1978), Göttingen, Professor für Religionswissenschaft mit dem Schwerpunkt sozialwissenschaftliche Religionsforschung.

Eine Kandidatur für den Rat der EKD gehöre "zu den eher unwahrscheinlichen Ereignissen" in seinem Leben, gestand Alexander-Kenneth Nagel, dessen Vater ein Muslim aus Bangladesch ist und dessen Mutter in der DDR sozialisiert wurde. An die Kirche sei er über das Singen in einem Knabenchor gekommen, es sei wohl die "subversive Kraft" der Kirchenmusik gewesen, die in ihm wirkte. Mit 15 ließ sich Nagel taufen und konfirmieren. Nagel machte keinen Hehl daraus, dass er von kirchlichen Strukturen nicht viel Ahnung hat: "Ich bringe jede Menge Blauäugigkeit mit", sagte er vor der Synode. Dennoch hat er sich drei Themen überlegt, die er im Rat stark machen will: den interreligiösen Dialog beziehungsweise die interkulturelle Öffnung, die Organisationsentwicklung sowie – als junger Vater – das Thema "Familie als Einheit der Kirche unter Bedingungen doppelter Berufstätigkeit". (Die Vorstellung von Alexander-Kenneth Nagel sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Norbert Nordholt

Norbert Nordholt (Jg. 1954), Schüttorf, Jurist, Vorsitzender Richter am Finanzgericht Münster, Präses der Gesamtsynode der Evangelisch-reformierten Kirche.

Schon zu Schulzeiten betete seine Mutter morgens mit den Kindern für den Schulweg, und der Vater diskutierte immer kritisch mit der Familie über die Sonntagspredigten. Beim Engagement in der Gemeinde, wo er jetzt Kirchenrats-Vorsitzender ist, hat er die vielen Frömmigkeitsformen kennengelernt. "Geduldig zuhören und miteinander im Gespräch bleiben" beschrieb er in seiner Vorstellung vor der Synode als entscheidende Voraussetzung, um überlegt zu handeln. So arbeite er auch als Richter. In den Rat möchte Nordholt "die Perspektive der Gemeinden einbringen", denn dort begegne die Kirche den Menschen "in ihren Lebensbezügen, und dort kommen die Flüchtlinge an". Lebendige Gemeinden sieht Nordholt als Basis für die Zukunft der Kirche. Auch die Sicht kleiner Gliedkirchen könne er in den Rat einbringen, ebenso wie seine Leidenschaft für die kirchliche Arbeit. (Die Vorstellung von Norbert Nordholt sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Thomas Rachel

Thomas Rachel (Jg. 1962), Düren, Parlamentarischer Staatssekretär im Bildungsministerium, Bundestagsabgeordneter, Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CDU.

Thomas Rachel präsentierte sich der Synode als "Brückenbauer" und nannte genau einen Schwerpunkt für seine mögliche Mitarbeit im Rat der EKD: den Dialog, besonders den interreligiösen. Rachel ist mit einer griechisch-orthodoxen Christin verheiratet, hat also schon privat einen Bezug zu diesem Thema. Im Beruf ist ihm wichtig geworden, dass man in Deutschland "religiöse Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung empfindet". Die Eröffnung einer jüdischen Fakultät war für ihn "wie ein Wunder", und auch auf die neuen islamischen Studiengänge ist der Bildungspolitiker stolz: Muslime sollten "in unserer Gesellschaft beheimatet" sein, findet er. Auch innerhalb des Protestantismus geht es für Rachel vor allem um Dialog. Im geschwisterlichen Ringen um gemeinsame Positionen, auch wenn es Spannungen und unterschiedliche Ansichten gibt, "darin liegt unsere Stärke", sagt Thomas Rachel. (Die Vorstellung von Thomas Rachel sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Stephanie Springer

Stephanie Springer (Jg. 1967), Celle, Juristin und ehemalige Richterin, Präsidentin des Landeskirchenamtes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover.

Stephanie Springer nannte drei Punkte für eine mögliche Mitarbeit im Rat der EKD, die sie jeweils mit dem Begriff "Verbundenheit" betitelte. Für die "Verbundenheit der Gesellschaft" sei Pluralität wichtig. Deshalb müsse die Kirche dem Ruf nach Laizismus ihr Verständnis von Staat und Kirche entgegensetzen, in dem alle Religionsgemeinschaften ihre Werte für die gesamte Gesellschaft entfalten könnten. Bei der Verbundenheit in Europa gehe es darum, in der Flüchtlings- und Einwanderungspolitik "mit möglichst einer klaren Stimme" zu sprechen und Solidarität zu zeigen. Für die Verbundenheit in der EKD – durchaus konkret auf das Verbindungsmodell bezogen – ist es ihr wichtig, beim Kirche-Sein "die Einheit in der Vielfalt zu fördern und die Vielfalt in der Einheit zu wahren". Das sei eine "bleibende Aufgabe des Zuhörens und voneinander Lernens", sagte Stephanie Springer. Besonders liegt ihr am Herzen, dass "Kirchen und Gemeinden als Glaubensorte weiterhin strahlen können". (Die Vorstellung von Stephanie Springer sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Marlehn Thieme

Marlehn Thieme (Jg. 1957), Bad Soden, ehemalige Direktorin der Deutschen Bank AG, EKD-Ratsmitglied seit 2003, Vorstandsmitglied des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung.

Marlehn Thieme ist es wichtig, "dass unsere evangelische Kirche in aller Vielfalt auch weiterhin Menschen für den Glauben gewinnen kann". Sie selbst muss sich den Fragen ihrer beiden studierenden Töchter stellen, aber auch den Gesprächen mit ihrer über 90-jährigen Mutter. Das Reformationsjubiläum 2017 ist eine der wesentlichen Gelegenheiten für sie, diese Gespräche über Glauben mit möglichst vielen Menschen zu führen. Den Rat möchte sie weiterhin gern mit dem Verein "Reformationsjubiläum 2017" vernetzen, damit das "Jahrhundertereignis" in alle Gemeinden und Orte abstrahlt. Außerdem zeigt ihr die aktuelle Situation von Flucht und Vertreibung, "dass unsere Lebensweise nicht übertragbar ist auf alle acht Milliarden Menschen auf der Welt". Das gilt auch für den Klimawandel und für das nachhaltige Handeln, das ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist. Die Erfahrung aus bereits zwei Ratsperioden möchte Marlehn Thieme in den neuen Rat einbringen. Die Zeit dafür hat sie, weil sie vor zwei Jahren aus der Deutschen Bank ausgeschieden ist, um sich ganz ihrem kirchlichen Engagement zu widmen. (Die Vorstellung von Marlehn Thieme sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)

Gesine Weinmiller

Gesine Weinmiller (Jg. 1963), Berlin, Architektin, Professorin an der HafenCity Universität Hamburg, Ratsmitglied seit 2009, Kuratorin der Berliner Stiftung St. Matthäus.

"Übersetzen" ist ihre Hauptbeschäftigung, sagt sie, und will dies auch in den Rat der EKD einbringen. Übersetzen zwischen dem Milieu der freien Kulturschaffenden und der Kirche, die Weinmiller auch als Wegbereiterin in kulturellen Fragen sehen möchte. Übersetzen zwischen allen interessierten Gruppen bei der Erhaltung und architektonischen Gestaltung des Krankenhauses "Auguste Victoria" im Heiligen Land. Und Übersetzen im Kontaktkreis mit den Katholiken, wo sie bereits jetzt ihre Sicht auf die Dinge als Mutter und Nicht-Theologin einbringt, die dort sonst eher schwach vertreten seien. "Unsere Kernbotschaft sollten wir pflegen und ausbauen" und das Feld der Seelsorge nicht den Esoterikern überlassen, sagte sie bei ihrer Vorstellung. Sie wünscht sich "eine Kirche, in der die Bezeichnung 'fromm' kein Schimpfwort ist". (Die Vorstellung von Gesine Weinmiller sehen Sie hier im Video auf dem EKD-Youtube-Kanal.)