Ausstellung in Mainz zeigt Vorgeschichte der Reformation

Ausstellung in Mainz zeigt Vorgeschichte der Reformation
"Schrei nach Gerechtigkeit"
Das Mainzer Dom- und Diözesanmuseum präsentiert von Samstag an eine umfangreiche Sonderausstellung zur Vorgeschichte der Reformation in der Mittelrhein-Region. Die Schau "Schrei nach Gerechtigkeit" wolle zeigen, wie Kirche und Herrschende in den Jahrzehnten vor Luthers Thesenanschlägen auf soziale Missstände und Forderungen nach Reformen reagierten, sagte Museumsleiter Winfried Wilhelmy.

Auf insgesamt 2.000 Quadratmetern sind bis 17. Januar 2016 rund 200, teils äußerst wertvolle und noch nie in einem Museum gezeigte Exponate zu sehen, darunter Goldschmiedearbeiten, Gemälde, Wandteppiche, Handschriften und Flugblätter.

"Wissenschaftlich ist der Zeitraum vor Luther relativ schlecht aufgearbeitet", sagte der Museumsdirektor. "Genau da hakt diese Ausstellung ein." Geografisch konzentriert sich die Sonderschau auf den Teil des damaligen Erzbistums Mainz, in dem der Erzbischof zugleich weltlicher Herrscher war. Besucher des Dommuseums können zum Beispiel erfahren, wie sich Prediger in Mainz bereits Jahrzehnte vor Luther für gerechtere Steuern einsetzten und den verbreiteten Ablasshandel kritisierten. Sie können auch nachvollziehen, wie Auftragskünstler den Landesherrn als Wohltäter darstellten, während gleichzeitig eine Protestbewegung aufkam. Auch die Reaktion der Mainzer Erzbischöfe in Form einer durchaus innovativen Bildungs- und Wirtschaftspolitik wird thematisiert.

Für die Ausstellung holte das Museum zahlreiche spektakuläre Exponate nach Mainz, darunter kunstvolle vergoldete Reliquienbehälter aus Seligenstadt und Aschaffenburg sowie die aus einem einzigen Holzstamm gefertigte sogenannte Doppelmadonna von Kiedrich. Auch ein aus konservatorischen Gründen gewöhnlich unter Verschluss verwahrter, fast perfekt erhaltener Wandteppich aus den eigenen Beständen wird nach vielen Jahren erstmals wieder öffentlich ausgestellt.

Das Mainzer Dom- und Diözesanmuseum

ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr sowie an Wochenenden von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Eine Eintrittskarte in die Sonderausstellung kostet regulär acht Euro, am persönlichen Namenstag ist der Eintritt frei.

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