TV-Tipp: "Eine Handvoll Briefe" (ARD)

TV-Tipp: "Eine Handvoll Briefe" (ARD)
26. August, ARD, 20.15 Uhr
Wenn sich der in Österreich lebende deutsche Autor Uli Brée und der österreichische Regisseur Wolfgang Murnberger zusammen tun, um gemeinsam eine Geschichte zu erzählen, ist das Ergebnis garantiert hochklassig: immer unterhaltsam, stets anspruchsvoll, oft originell und grundsätzlich kurzweilig (unter anderem "Die Spätzünder", "Die Abstauber" und die Serie "Vier Frauen und ein Todesfall").

Brées Grundidee zu "Eine Handvoll Briefe" erinnert zunächst an "Message in a Bottle" (1999), das Hollywood-Melodram über eine Journalistin, die sich in den Autor poetischer Flaschenpostbriefe verliebt. Deutsche Autoren haben sich von der Vorlage schon mehrfach "inspirieren" lassen ("Liebesgruß an einen Engel" "Brief eines Unbekannten", "Licht über dem Wasser").

Auch Brée hat das Muster zumindest als Orientierungshilfe genutzt: Der Wiener Fluglotse Lenny (Florian Teichtmeister) überrascht seine Sandkastenfreundin Kristin (Ursula Strauss) an ihrem Geburtstag mit einem Damenkoffer, den eine Reisende anscheinend vergessen und nie abgeholt hat. Neben einigen Wäschestücken enthält der Koffer eine Sammlung herzerreißend schöner Liebesbriefe, die ein Unbekannter an eine Frau geschrieben hat. Prompt bricht Kristin, die ein unersprießliches Verhältnis mit ihrem verheirateten Chef (Hary Prinz) hat, bei der Lektüre in Tränen aus. Sie macht sich auf die Suche nach der Adressatin und zerstört auf diese Weise versehentlich die Stimmung bei einer Hochzeit: Die Besitzerin des Koffers ist vor zwei Jahren bei einem Flugzeugabsturz gestorben. Der Witwer hat den Verlust endlich hinter sich gelassen und wieder geheiratet, aber nun keine Lust mehr auf seine Feier. Da er sich höchstwahrscheinlich nicht über die Liebesbriefe freuen würde, die ein Fremder seiner Frau geschrieben hat, will Kristin als nächstes den Absender ausfindig machen. Sie findet ihn schließlich irgendwo in der Provinz, in die er sich, ähnlich untröstlich wie der Witwer, damals zurückgezogen hat. Sofort stellt sich eine gewisse Seelenverwandtschaft ein; aber dann kommt alles ganz anders.

Das Schema ist den anderen "Liebesbotschafts"-Geschichten also zum Verwechseln ähnlich, aber Brée hat seiner Handlung einen so genannten Twist verpasst, der vom Schluss aus betrachtet den ganzen Film verändert; es sei denn, man kommt dem Autor schon früh auf die Schliche. Falls nicht, ist die Wendung am Ende ziemlich verblüffend. "Eine Handvoll Briefe" ist aber nicht nur eine besondere Romanze, sondern auch ein wunderschöner Freundschaftsfilm. Ursula Strauss, die regelmäßig mit Murnberger zusammenarbeitet, ist ohnehin immer sehenswert, und der hierzulande kaum bekannte Teichtmeister ist eine ausgezeichnete Ergänzung. Gleiches gilt für Mariele Millowitsch als Kristins etwas aufdringlich fürsorgliche Mutter und vor allem Doris Schretzmayer als ihre Freundin Alma, die sich ebenso redlich wie lange Zeit vergeblich bemüht, Lenny zu verführen. Für die Rolle des geheimnisvollen Briefautors konnte Murnberger Fritz Karl gewinnen, und wie stets erfreut Brée Darsteller und Publikum mit Dialogen, die perfekt ins Schwarze treffen.

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