Rotes Kreuz beim Aufbau von Flüchtlingszelten angegriffen

Rotes Kreuz beim Aufbau von Flüchtlingszelten angegriffen
Es ist eine rudimentäre Notunterkunft, die das Deutsche Rote Kreuz derzeit in Dresden errichtet. In den Zelten sollen insgesamt 1.100 Flüchtlinge unterkommen, weil in den sächsischen Erstaufnahme-Stellen kein Platz mehr ist. Die Zelte konnten die DRK-Mitarbeiter aber nur unter Polizeischutz aufbauen.

Die Vorgänge hätten ihn "zutiefst erschreckt", sagte der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Sachsen, Rüdiger Unger: "Ich habe noch nie erlebt, dass Rot-Kreuz-Mitarbeiter bei Einsätzen angegriffen wurden." In Dresden entsteht seit Freitag eine Zeltstadt für 1.100 Flüchtlinge. Die mutmaßlichen Asylgegner hätten den Aufbau der Zeltstadt behindert, nur durch den Einsatz der Polizei konnte Unger zufolge eine Eskalation verhindert werden.

Wegen der stark steigenden Asylbewerber-Zahlen habe Sachsen eine weitere Notunterbringung errichten müssen, erklärte am Freitag der Präsident der Landesdirektion Sachsen, Dietrich Gökelmann. Das Bundesland errichtet die Zeltstadt auf einem brachliegenden Gelände in der Dresdner Friedrichstadt. Zunächst würden 60 Zelte für insgesamt 500 Menschen sowie notwendige Sanitäranlagen errichtet. Erste Flüchtlinge wurden am Abend erwartet.

Die Zeltstadt sei eine humanitäre Notunterkunft und "alles andere als komfortabel", sagte Rüdiger Unger. Er äußerte er sich besorgt über die Proteste, die es beim Aufbau der Zelte gegeben hat. Den Aufbau haben das DRK und das Technische Hilfswerk (THW) übernommen. Für die Sicherheit der Zeltstadt sorgten zehn Wachschützer im Dauereinsatz, sagte Gökelmann. Außerdem sei Polizei vor Ort präsent.

NPD will gegen die Zeltunterkünfte demonstrieren

Michael Wilhelm (CDU), Staatssekretär im Innenministerium, betonte, die Attacken seien nicht hinnehmbar. Dass Demonstranten den Einsatz der ehrenamtlichen Helfer vor Ort derart störten, sei beschämend. Wilhelm betonte außerdem, dass die Zeltunterkunft keine Dauerlösung sein könne. Sie solle "so schnell wie möglich" wieder abgebaut werden. Eine Prognose zum Zeitpunkt sei jedoch nicht möglich. Sachsen rechnet derzeit mit etwa 200 neuen Flüchtlingen am Tag.

Für den 10. August kündigte Wilhelm die Übergabe einer festen Flüchtlings-Erstunterkunft in Leipzig mit 430 Plätzen an. Die knapp 4.000 Plätze in den sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen und ihren Außenstellen sind nach Angaben der zuständigen Landesdirektion derzeit voll belegt.

In der Dresdner Zeltstadt werde es auch die erforderliche soziale und medizinische Betreuung geben, hieß es. Betreiber der Notunterkunft ist das DRK, das bereits die Zelte auf dem Gelände der Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz betreibt.

Die Anlieger des Grundstücks wurden am Donnerstagabend mit Handzetteln über die Einrichtung des Zeltlagers informiert. Im ersten Halbjahr 2015 hat das Bundesland 10.500 Flüchtlinge neu aufgenommen, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 3.800.

Der NPD-Kreisverband Dresden hatte für Freitagabend eine Demonstration gegen die Zeltstadt angekündigt. "Pegida"-Chef Lutz Bachmann distanzierte sich auf Facebook von der geplanten Kundgebung. "Ich rate dringend davon ab, diese Veranstaltung zu besuchen", heißt es dort.

Geplantes Flüchtlingsheim in Karlsruhe wurde angezündet

In Remchingen bei Karlsruhe hat die Polizei inzwischen Spuren von Brandbeschleunigern in der Ruine einer geplanten Unterkunft für Asylbewerber nachgewiesen. Im Schutt des ausgebrannten Gebäudes sei Benzin nachgewiesen worden, teilten die Staatsanwaltschaft Pforzheim und das Polizeipräsidium Karlsruhe am Freitag mit.

Den bisherigen Erkenntnissen der Polizei zufolge schlugen der oder die Täter an der Rückseite des Gebäudes ein Fenster ein und stiegen dort ein. Den Analysen zufolge wurde dann im Obergeschoss der Brand gelegt. Bereits Anfang und Mitte Juni waren an dem Gebäude Scheiben eingeschlagen worden. Das Gebäude war vor einer Woche ausgebrannt. Dabei entstand nach Polizeiangaben ein Sachschaden von rund 70.000 Euro. Da das Gebäude noch leer stand, wurde niemand verletzt.

Meldungen

Top Meldung
Gottesdienstbesucher sitzen mit Abstand in Kirche
Gottesdienstbesucher im Kreis Minden-Lübbecke (NRW) müssen weiter einen tagesaktuellen Corona-Test vorlegen. Das Verwaltungsgericht Minden hat in einer Donnerstag veröffentlichten Entscheidung einen Eilantrag von Freikirchen gegen die vom Kreis angeordnete Testpflicht abgelehnt.