G7-Gipfel: 2.000 Gipfelgegner demonstrieren in Garmisch-Partenkirchen gegen Obama, Merkel und Co.

G7-Gipfel: 2.000 Gipfelgegner demonstrieren in Garmisch-Partenkirchen gegen Obama, Merkel und Co.
"Gegen das teuerste Kaffeekränzchen der Welt"
Sicherheitsexperten befürchteten ein Treffen von "gewaltbereiten Chaoten". Die Demo am Samstag gegen den G-7-Gipfel entpuppt sich aber schnell als Straßenfest. Selbst die Polizei freut sich über den bunten Protest.

Margot Landgraf läuft mit ihrem Pappschild unermüdlich hin und her - mal zu Polizisten, mal zu Demonstranten. Ihr Anliegen: eine gewaltfreie Kundgebung gegen den G-7-Gipfel, so steht es auch auf ihrem Schild - "Demo bitte friedlich". Jeden spricht sie mit einem freundlichen "Hallo" an, deutet dabei auf ihre Friedensmessage - und wird regelmäßig mit einem dankbaren Lächeln von Polizisten wie Demonstranten belohnt.

Schnell zeichnet sich am Samstagnachmittag ab, dass sich ihr Wunsch nach einer friedlichen Demo erfüllt: Die von Sicherheitskräften mit Sorge erwartete Demo am Samstag in Garmisch-Partenkirchen gegen den G-7-Gipfel entpuppt sich als buntes Straßenfest - mit Tanz und Musik, aber auch mit gewaltiger Polizeipräsenz. Abgesehen von einzelnen verbalen Auseinandersetzungen, die schnell gelöst werden, haben die Polizisten aber einen ruhigen Nachmittag.

Verhältnis zwischen Demonstranten und Polizisten "gut"

Die Polizei twittert zufrieden: "Wir freuen uns gerade über den farbenfrohen #G7-Protest und wünschen uns, dass es in #GaPa so weiter geht!" Und auch die Sprecherin des Aktionsbündnisses "Stop-G7-Elmau", Cornelia Teller, sagt dem Evangelischen Pressedienst (epd), dass das Verhältnis zur Polizei gut sei. Die Stimmung unter den Demonstranten sei angenehm. Von der befürchteten Gewalt also erst mal keine Spur.

Die rund 2.000 Demonstranten sparen aber nicht mit Kritik an den G-7-Ländern. Für den Umweltberater Jürgen Haase aus Oberau ist das Treffen jedenfalls nicht viel mehr als das "teuerste Kaffeekränzchen der Welt". Er kann sich nicht vorstellen, dass beim Gipfel wegweisende Ergebnisse herauskommen. Seine Begleiterin Lisa Munz nickt: Millionen von Euro würden ausgegeben, nur damit sich Obama und Co. in einem Alpen-Luxushotel "Bademäntel in acht verschiedenen Farben" aussuchen könnten. "Währendessen ertrinken weiter Flüchtlinge im Mittelmeer", sagt sie aufgebracht.

"Für Erzieher und Lehrer gibt es kein Geld. Aber für diesen G-7-Scheiß' da oben schon."

Die Gipfel-Kosten von mehr als 300 Millionen Euro stoßen auch anderen Demonstranten auf. Roswitha Schulz von der Augsburger Friedensinitiative sagt unverblümt. "Für Erzieher und Lehrer gibt es kein Geld. Aber für diesen G-7-Scheiß' da oben schon. Nur dass ein paar Politiker, die sich ohnehin ständig sehen, eine Party feiern können."

Bei inhaltlicher Kritik geht es bunt durcheinander: Die Gipfel-Gegner sind gegen Freihandelsabkommen, raffgierige Wirtschaftskonzerne, die Politik Israels und die aktuelle Asylpolitik - und sie sind für ein bindendes Klimaschutzabkommen. Wiederum andere bezeichnen die G-7-Politiker als "Lügner und Gesindel", das schnell wieder aus Elmau verschwinden solle.

Wirtschaftskonzerne brauche es nicht, es gehe auch anders

Ein Thomas aus Oberbayern zum Beispiel protestiert gegen gierige Konzernriesen: "Fahrt zu Hölle, gewissenloses Pack!" Wirtschaftskonzerne brauche es nicht, es gehe auch anders. Wie anders - das könne er jetzt auf die Schnelle aber auch nicht sagen, zuckt er entschuldigend mit den Schultern.

Solche Aussagen ärgern Margot Landgraf: "Schimpfen kann man immer, aber dann muss man auch Vorschläge bringen." Nur gegen etwas zu sein - "das ist nicht genug", betont die Rentnerin, die früher in der Frauengleichstellungsstelle der bayerischen evangelischen Landeskirche gearbeitet hat. Im Grunde halte sie auch nicht viel vom G-7-Treffen, aber dumme Kritik ärgere sie mindestens genau so sehr.

Die Proteste gehen während des zweitägigen G-7-Treffens am Sonntag und Montag weiter. Unklar war am Samstag noch lange, ob ein Sternmarsch und eine Demonstration in Hör- und Sichtweite von Schloss Elmau erlaubt werden. Margot Landgraf wird auch an diesen Tagen noch einige Male ihr Schild "Demo bitte friedlich" hoch halten.

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