Altenhilfe-Manager fordert einen Neuanfang in der Pflege

Altenhilfe-Manager fordert einen Neuanfang in der Pflege
Der Vorstandsvorsitzende der Bremer Heimstiftung, Alexander Künzel, fordert einen Neuanfang in der Betreuung alter Menschen. Pflegebedürftige sollten möglichst viel am sozialen Leben teilnehmen.

"Angesichts der absehbaren dramatischen Schrumpfung in den Gesundheits- und Pflegeberufen muss die Altenhilfe von ihrer Pflegelastigkeit auf ein System umsteigen, das Senioren in ihrem vertrauten Umfeld möglichst viel Teilhabe am sozialen Leben ermöglicht", sagte der Sozialmanager, der auch Sprecher des bundesweiten Netzwerkes "Soziales neu gestalten" (SONG) ist. Nach Künzels Überzeugung sollte angesichts der Zunahme älterer und hochbetagter Menschen die professionelle ambulante Versorgung ausgebaut und durch Nachbarschaftshilfe flankiert werden. Künzel: "Es ist wichtig, hauptamtliches und zivilgesellschaftliches Engagement miteinander zu verknüpfen". Er sprach sich gegen einen massiven Ausbau von Heimplätzen aus.

Laut Künzel verfolgt die Bremer Heimstiftung seit langem eine Strategie, mit der ältere, hilfsbedürftige Menschen in ihrem angestammten Wohnviertel verbleiben können. Dort würden lebendige Sozialräume geschaffen - in Kooperation etwa mit Kindergärten, Kulturkneipen und der Volkshochschule, die Teil der Stiftungshäuser seien. Zur Heimstiftung gehören 28 Einrichtungen der Altenhilfe mit 3.000 Plätzen und 2.000 Beschäftigten.



"Das Kernproblem der Altenpflege ist doch, dass wir Sonderwelten wie Käseglocken installieren", mahnte Künzel. "Die bedeuten unweigerlich: Bist du pflegebedürftig, verabschiedest du dich vom ganz normalen vielfältigen Alltag." Das Ziel der Altenhilfe müsse es aber sein, maximale Normalität sicherzustellen bis in die letzte Lebensphase.

Politisch forderten die in der SONG-Initiative organisierten Sozialunternehmen gemeinsam mit dem Kuratorium Deutsche Altershilfe und der Bertelsmann Stiftung die Abkehr von einer "perfiden Logik": "Es ist ein Irrweg, die Pflege als Wachstumsmarkt so zu ökonomisieren, dass Ältere irgendwann am besten alle Pflegeheimbewohner sind."

Deutschland müsse sich von der Illusion verabschieden, die Pflegeproblematik in einer älter werden Gesellschaft könne allein professionell gelöst werden: "Was wir brauchen, ist ein Verantwortungsmix." Dabei organisieren und moderieren Profis der sozialen Arbeit die Zusammenarbeit mit Freiwilligen und Angehörigen, so Künzel. Deswegen sei es wichtig, jungen Senioren bei Renteneintritt das Angebot für ein Freiwilliges Soziales Jahr zu machen.

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