Bischof Huber: "WM-Vergabe an Katar war falsch"

hart aber fair

Foto: WDR/Oliver Ziebe

Die Runde bei Frank Plasberg

Bischof Huber: "WM-Vergabe an Katar war falsch"
Eine Fußball-WM zur Adventszeit – dieses Szenario hat nicht nur den sportbegeisterten Teil Deutschlands aufgeschreckt. Der Gedanke, mit Glühwein statt mir Bier auf Tore anzustoßen, stößt vielen unbehaglich auf. Dass das allerdings nicht das eigentliche Problem des sportlichen Ereignisses 2022 in Katar ist, machte Altbischof Wolfgang Huber mit einem starken Auftritt bei "Hart aber fair" deutlich.

Fußball-WM mit Adventskranz: Seit Ende Februar bekannt wurde, dass dieses Szenario 2022 mit der Weltmeisterschaft in Katar Realität werden könnte, sind Millionen Deutsche irritiert. Nach Empfehlung der Spielkalenderkommission der Fifa soll das sportliche Großereignis im November und Dezember stattfinden. Grund dafür ist das Klima im Emirat – im Sommer kann es bei hoher Luftfeuchtigkeit deutlich wärmer als 40 Grad Celsius werden.

Sollte der Vorschlag angenommen werden, sieht der Deutsche Fußball-Bund (DFB) vor allem organisatorische Probleme: Die Spielpläne der Bundesliga, des DFB-Pokals und nicht zuletzt der Champions League müssten umgestellt werden und wichtige Spieler mitten in der Saison in einem kräftezehrenden Turnier antreten. Die Argumente der Fans sind zum Teil simpler: "Ich habe keine Lust, mir beim Public Viewing den Hintern abzufrieren", gesteht der Grünenpolitiker Jürgen Trittin in der Sendung "Hart aber fair" am Montagabend. Und der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Wolfgang Huber schließt sich der Kritik der Kirchen an: "Das Fifa-Gremium weiß offensichtlich nicht, wann Weihnachten ist."

Dem ehemaligen Profispieler Stefan Effenberg erscheint die Diskussion dagegen absurd – er hat seine letzte Profisaison in Katar gespielt: "Es ist rein körperlich gar nicht möglich, dort im Juni oder Juli Fußball zu spielen." Fraglich sei deshalb nur gewesen, wohin man das Turnier verlegt. Effenberg zeigt sich davon überzeugt, dass Katar die Chance verdient hat, die Weltmeisterschaft auszutragen. Mit dieser Überzeugung wird er bis zum Schluss der Sendung alleine sein.

Keine Glaubwürdigkeit durch Unglaubwürdigkeit

Denn es ist nicht in erster Linie die befürchtete Glühwein-WM, die diese Weltmeisterschaft angreifbar macht – darauf verweisen Huber, Trittin und Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD) vehement. Der Theologe sieht schon in der Vergabe der Weltmeisterschaft an Katar ein "Krebsübel" und verweist auf die anhaltende Korruptionsdiskussion. Auch an den von Anton F. Börner, Präsident des Groß- und Außenhandelsverbandes, erhofften "Wandel durch Handel" mag Huber nicht glauben. "Der Glaube, dass man durch Unglaubwürdigkeit Glaubwürdigkeit in Katar schaffen kann, widerspricht aller Erfahrung." Trittin pflichtet ihm bei – in Russland habe die deutsche Politik die gleiche Strategie angewandt. Dort habe sich jedoch die Demokratie nicht gefestigt, sondern sich die Tendenz zu einem autoritären Regime entwickelt.

"Wir können Wettkämpfe vielleicht nicht nur in Ländern mit lupenreiner Demokratie austragen", gab Huber zu bedenken. "Aber Katar ist ein Staat mit absoluter Monarchie. Das ist weit jenseits von mehr oder weniger Demokratie", kritisierte er. Gemeinsam mit den beiden Politikern prangert er die Bedingungen der Wanderarbeiter in dem Emirat an. Ein Einspielfilm zeigt die Realität: Zu acht leben sie auf 15 Quadratmetern, in einer verdreckten Küche müssen sie sich ihr Essen zubereiten. Dabei ist Katar eines der Länder mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Doch die Arbeiter, die mit dem Bau der Fußballstadien beschäftigt sind, erreicht dieses Geld nicht. Bevor sie die Arbeit aufnehmen, müssen sie ihren Pass abgeben und können sich nicht mehr frei bewegen. Hinzu kommen schlechte Arbeits- und Lebensbedingungen: Mindestens 1200 Wanderarbeiter aus Indien und Nepal sind beim Bau der Stadien ums Leben gekommen.

Effenberg: "Kann ich gehen?"

"Wenn ich das sehe, ist das bitter", gesteht dann sogar Effenberg. Allerdings ergänzt er, dass er während der siebeneinhalb Monate, die er in Katar gelebt habe, eine andere Seite gesehen habe. Konfrontiert mit dem Zitat von Franz Beckenbauer, dass er "in Katar nicht einen Sklaven" gesehen habe, kann Effenberg nicht anders, als dem "Kaiser" zuzustimmen. "Ich kann, was Franz gesagt hat, nur bestätigen", sagt er. Auch seine früheren Mannschaftskollegen in Katar hielten Berichte wie die von Human Rights Watch für übertrieben, erzählt Effenberg.

So weckt der ehemalige Profifußballer in der Sendung keine Hoffnung, dass ein Aufstand gegen die Vergabe an Katar aus dem Sport selbst kommen könnte. Als die Diskussion themenübergreifender wird – etwa die Menschenrechte in Saudi-Arabien oder China besprochen werden, die Verantwortung der Wirtschaft und die Doppelmoral der Politik – wirkt Effenberg gelangweilt und bemerkt schnippisch: "Reden wir noch über Katar oder kann ich gehen?"

Neben ihm saßen jedoch zwei Politiker, die abseits von etwas Parteiwerbung vor allem der Sache wegen diskutierten, ein einnehmender Börne und vor allem ein leidenschaftlicher Wolfgang Huber, der in der Diskussion zu Höchstform auflief. Schon allein seinetwegen lohnte sich die Sendung. Er wollte auch bis zum Schluss nichts von einem Boykott der WM hören: "Im Sport verlangen wir Anstand und Seriosität. Die haben nicht gezählt. Darum war die Vergabe falsch und unfair und muss aufgehoben werden. Das darf im Fußball nicht sein."