Reformierte Kirche: Zahl der Austritte verdoppelt

Reformierte Kirche: Zahl der Austritte verdoppelt
Seit Jahresbeginn haben der reformierten Kirche rund 700 Menschen den Rücken gekehrt. Hintergrund ist wohl die Verwirrung um die elektronische Abführung der Kirchensteuer.

Die Evangelisch-reformierte Kirche muss im laufenden Jahre mehr als doppelt so viele Austritte verkraften wie 2013. Als Hauptgrund nannte Kirchenpräsident Martin Heimbucher am Freitag in Emden die automatisierte Abführung der Kirchensteuer auf Kapitalerträge. Dies habe zu Verunsicherungen bei den Kirchenmitgliedern geführt, sagte er vor der reformierten Synode. Das Kirchenparlament beschloss für 2015 einen Haushalt von 38,8 Millionen Euro. Er liegt rund eine halbe Million Euro über dem Etat des laufenden Jahres.

Seit Jahresbeginn haben den Angaben zufolge rund 700 Personen die reformierte Kirche verlassen. Im ganzen Jahr 2013 waren es 299. Für etliche Menschen reichten offenbar die Reizwörter "Steuerabzug" und "Kirche" auf dem Kontoauszug aus, um auszutreten, sagte Heimbucher. Diesem Problem müsse sich die kirchliche Öffentlichkeitsarbeit stellen.

Ab 2015 wird die Kirchensteuer auf Kapitalerträge automatisch abgezogen. An der Steuerhöhe ändert sich nichts. Die angekündigte Umstellung hatte dennoch zu Irritationen bei Kirchenmitgliedern und zu erhöhten Austrittszahlen geführt. Dabei seien die meisten Menschen wegen der geltenden Freibeträge gar nicht betroffen, sagte Heimbucher weiter. Bei den heutigen Zinsen müssten Sparer mindestens 200.000 Euro anlegen, um kirchensteuerpflichtig zu werden.

Zur Evangelisch-reformierten Kirche mit Sitz in Leer gehören rund 183.000 Mitglieder in 145 Gemeinden zwischen Ostfriesland und dem Allgäu. Von den Einnahmen stammen rund zwei Drittel oder 28,3 Millionen Euro aus der Kirchensteuer. Größter Ausgabeposten des Haushalts sind nach Heimbuchers Worten die Gehälter für die kirchlichen Mitarbeiter, für die rund 21,2 Millionen Euro veranschlagt sind. Die reformierte Kirche will im kommenden Jahr 1,2 Millionen Euro für nachhaltige Entwicklungsprozesse in den Gemeinden investieren.

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