Beckstein und Gundlach streiten um politische Rolle der Kirche

Staat und Kirche

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Beckstein und Gundlach streiten um politische Rolle der Kirche
Günther Beckstein und Thies Gundlach haben auf dem Kirchbautag in Tutzing um die Einmischung der Kirche in politische Fragen gestritten. Beckstein befürwortet eine aktivere Rolle der Kirche, Gundlach sieht die Konzentration auf die "innere Kultur" der Kirche als wichtiger an.

Der frühere bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) hält die Kirchensteuer für unerlässlich - die Staatsleistungen an die Kirchen dagegen für diskussionswürdig. Ohne die Kirchensteuer würden die Volkskirchen zusammenbrechen, sagte Beckstein beim 28. Evangelischen Kirchbautag in Tutzing bei München, der am Sonntag zu Ende ging. Zu dem Kongress hatten sich rund 600 Theologen, Architekten, Kunsthistoriker und Denkmalexperten getroffen.

Alternative kirchliche Finanzierungsmodelle, etwa Spenden wie in den USA oder eine Kultursteuer wie in Italien, halte er für problematisch, sagte Beckstein. Dagegen befürwortete er Änderungen bei den Staatsleistungen an die Kirchen. Kaum jemand in der Bevölkerung unterstütze es, dass Bischofsgehälter vom Staat bezahlt werden, nannte er als  Beispiel. Sinnvoller wäre es dagegen, wenn sich der Staat stattdessen an der Baulast für historische Kirchengebäude beteiligt, was auch Nichtchristen akzeptieren könnten.

Beckstein, Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), sprach sich zudem dafür aus, dass sich die Kirchen deutlich politisch zu Wort melden, beispielsweise bei ethischen Themen wie Sterbehilfe oder der Umgang mit Asylbewerbern. Allerdings sollten sie es in dem Wissen tun, "nicht automatisch politische Weisheiten gepachtet" zu haben.

Gundlach: "Innere Kultur" stärken, Mitgliederschwund stoppen

Der Cheftheologe der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Thies Gundlach, kritisierte dagegen zu viel politische Einmischung vonseiten der Kirchen. "Wir sind keine Bundesagentur für Werte", mahnte der Vizepräsident des EKD-Kirchenamtes. Seit dem Zweiten Weltkrieg hätten die Kirchen den Drang, ihre Relevanz in politischen Äußerungen zu zeigen. Dies sei verständlich, weil sie zuvor nicht eindeutig gegen das NS-Regime Stellung bezogen hätten und sich dafür bis heute schuldig fühlten.

Gundlach forderte, dass vielmehr die "innere Kultur" in seiner Kirche gestärkt und etwas gegen den Mitgliederschwund getan werden müsse. Die evangelische Kirche sollte die verschiedenen Milieus, in der ihre Mitglieder beheimatet sind, ansprechen, sowie in den Medien und im Internet präsent sein. "Wir müssen die Menschen einladen, zu uns zu kommen, und wir müssen zu ihnen gehen."

Die Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler forderte mehr Raum für eigenständiges Denken innerhalb der Kirche. Kirchen seien zwar Orte der Ehrfurcht, aber die Menschen in ihnen müssen "geistesgegenwärtig, realitätsbewusst" sein, sagte sie beim Abschlussgottesdienst am Sonntag in München. Kirche sei Heimat in einem komplexen Lebensraum. Das Ideal, dass es anzustreben gelte, sei eine Stadt, in der ein soziales Miteinander Realität sei.

Kirchenbauten zeigten, dass Christen sich nicht separieren, sondern "mitten drin in des Dorfes und der Stadt Getümmel und Gewimmel" seien, sagte die Regionalbischöfin: "Wir brauchen unsere Kirchen als künstlerische Wunderwerke, in denen sich Gott und die Welt treffen."

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