Schneider: Rechtsextremismus nicht dulden

Schneider: Rechtsextremismus nicht dulden
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, hat sich klar gegen Rechtsextremismus geäußert. Auf einer Konferenz zu Kirche und Rechtsextremismus in Wittenberg tragen sich Teilnehmer aus Kirche und Gesellschaft zur Diskussion.

Die Betätigung in rechtsextremen Parteien sei unvereinbar mit kirchlichem Engagement. Verfassungswidrige Aktivitäten könnten weder bei haupt- noch bei ehrenamtlichen Beschäftigten geduldet werden, sagte Ratsvorsitzender Schneider am Freitag bei einer bundesweiten Konferenz in Wittenberg über Kirche und die Bekämpfung von Rechtsextremismus.

Schwieriger sei die rechtliche Handhabe gegenüber rechtsextremistischen Mitgliedern ohne kirchliches Amt wie etwa im Gemeindevorstand, sagte der Ratsvorsitzende weiter. Auch wenn eine Abwendung der Betroffenen von der Kirche befürchtet werden müsse, sei gerade auch gegenüber Mitgliedern, die sich öffentlich rechtsextremistisch äußern oder gar einschlägige Aktionen fordern, eine deutliche Mahnung angezeigt.

Sollte diese erfolglos bleiben, bestehe in einigen Landeskirchen auch die Möglichkeit des Entzugs des passiven, zum Teil auch des aktiven Wahlrechts. Hinsichtlich eines NPD-Verbots äußerte sich Schneider skeptisch.

Stark religiöse Menschen "anfälliger für Rassismus, Sexismus und Homophobie"

Rund 90 Teilnehmer aus Kirche und gesellschaftlichen Initiativen wollen bei der Tagung bis Samstag über "Wege zu christlichem Handeln für Demokratie und gegen menschenfeindliche Einstellungen in Ost- und Westdeutschland" beraten. Veranstalter ist die im vergangenen Jahr gegründete Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus. Eingeladen ist unter anderem auch der Jenaer Jugendpfarrer Lothar König, gegen den die sächsischen Behörden wegen aufwieglerischen Landfriedensbruchs ermitteln. König hatte sich an den Protesten gegen den jährlichen Neonazi-Aufmarsch im Februar in Dresden beteiligt.

Der Bielefelder Psychologieprofessorin Beate Küpper zufolge sind stark religiöse Menschen besonders anfällig für abwertende Haltungen gegenüber Minderheiten. Dies zeige sich nach wissenschaftlichen Erhebungen etwa in den Bereichen Sexismus, Homophobie und Rassismus, sagte Küpper bei der Tagung. Der Grund für eine stärker vorurteilsbeladene Sichtweise von Protestanten und Katholiken liegt ihrer Meinung nach in dem traditionellen Absolutheitsanspruch des Christentums: "Die Kirche muss sich endlich fragen, was da schief läuft."

Die Aufforderung zur Friedfertigkeit und Nächstenliebe des Christentums stehe in eklatantem Widerspruch zu menschenfeindlichen Einstellungen und Handlungen, die mit Religion begründet oder von Gläubigen vertreten und ausgeübt würden. Nach Küppers Erhebungen neigen besonders oft Protestanten in den östlichen Bundesländern zu rassistischen Äußerungen.

epd