Bruder Lukas: "Wer onaniert, glaubt niemals"

Bruder Lukas
Mönch ärgere dich nicht
Bruder Lukas ist schon seit Jahren auf unterschiedlichen Social-Media-Plattformen unterwegs. Da ihm die verkürzten Botschaften aber nicht ausreichen, geht er mit seiner Podcast-Reihe "Mönch ärgere Dich nicht" in die Tiefe.
"Mönch ärgere dich nicht"
Bruder Lukas: "Wer onaniert, glaubt niemals"
Reibung darf sein. Ja, sie muss es sogar. Reibung klärt Positionen. Bruder Lukas spricht in seinem Podcast "Mönch ärgere Dich nicht" über das Christsein und geht dabei auch mal in die Luft. evangelisch.de-Reporter Ulf Buschmann berichtet.

Reibung darf sein. Ja, sie muss es sogar. Reibung klärt Positionen. Diese Überzeugung vertritt Bruder Lukas mit Nachdruck und Leidenschaft. Dabei darf er ruhig mal in die Luft gehen. Darf er das? Bruder Lukas hinterfragt und reflektiert sich und seinen Glauben immer wieder – sicherlich auch im Gebet im Benediktiner-Kloster Nütschau in Travenbrück bei Bad Oldesloe. Dort lebt und arbeitet er.

Aber: Für ihn gibt es auch die Welt außerhalb. Bruder Lukas sieht auf eine moderne, zeitgemäße Art, die Botschaft zu verbreiten. Er ist schon seit Jahren auf unterschiedlichen Social-Media-Plattformen wie Instagram und TikTok unterwegs. Aber über verkürzte Botschaften kommt auch ein Christenmensch dort nicht hinaus. Der Glaube bietet mehr, weiß der Mönch. In die Tiefe geht der Mönch deshalb mit seiner Podcast-Reihe "Mönch ärgere Dich nicht" auf Spotify und überall, wo es Podcast gibt.

Der Geistliche sprengt Klischees und bricht Denkmuster auf. Bruder Lukas möchte authentisch sein – sich ärgern wie einst das HB-Männchen. "Das gehört zu mir dazu", sagt er. Die Reflexion kommt – vielleicht – später. Bruder Lukas greift Themen auf, die ihm persönlich wichtig sind. Eben authentisch. Der Titel seiner Podcast-Reihe sei eine "Eigenkreation" gewesen, verrät er. "Man weiß genau, worum es geht."

Mönch ärgere Dich nicht: Staffel zwei mit Gästen

In der zweiten Staffel ist Bruder Lukas nicht mehr nur allein am Mikrofon zu hören, sondern holt sich immer wieder auch Gäste ins Gespräch. So etwa Ende Mai auf der Podcast-Bühne beim Katholikentag in Würzburg, wo er seinen Podcast live präsentiert. Während die erste Staffel überwiegend monologisch geprägt war, öffnet sich das Format nun stärker für Begegnung und Dialog.

Laut Medienmitteilung nimmt Bruder Lukas "die Reibungsthemen unserer Zeit noch direkter in den Blick: Kontaktabbrüche und Funkstille, Willkür und Machtgefühle und wie es sich anfühlt, in der Öffentlichkeit zu seinem Glauben zu stehen, ohne dabei laut oder moralisch zu werden". PR-Sprech produziert meistens Luftblasen. Das ist beim Projekt des Benediktiner-Mönchs anders.

"Kern des Glaubens ist nicht verhandelbar"

Er reibt sich zum Beispiel gerne an den sogenannten Christfluenzern. Bruder Lukas zitiert und seziert fast schon genüsslich ihre Kommentare zu seinem Tun. Christfluencer, so ist in einem seiner Podcasts zu hören: "Wenn Du das oder das machst, dann bist Du nicht dabei. Wenn Du es nicht machst, bist Du auch nicht dabei. Das ist nicht Jesus." Bruder Lukas ist mit einem zugegebenermaßen überspitzten Beispiel dabei: "Wer onaniert, glaubt niemals."

Für den gebürtigen Rheinländer und jetzt Norddeutschen ist eines klar: "Der Kern unseres Glaubens ist nicht verhandelbar!" Vor diesem Hintergrund stellt Bruder Lukas seine drei Herzensthemen immer wieder in den Vordergrund: "Die beste Botschaft der Welt, das Evangelium zeitgemäß darstellen", die Regeln des Heiligen Benedikt zu vermitteln, nach der die Mönche heute noch versuchen zu leben und die Begegnung mit den Menschen im Kloster Nütschau. Letztere sei trotz aller Arbeit auf Social Media nach wie vor wichtig.

Raus aus der Kirchenbubble

"Der Zuspruch überwiegt", beschreibt Bruder Lukas die Reaktionen vor allem auf seine Podcast-Reihe. Dort und auf seinen anderen Kanälen gebe es eine große Community. Diese trägt und inspiriert ihn. Aber es bleibt nicht aus, dass sich der Mönch auch mit vielen Hatern beziehungsweise Hasskommentaren auseinandersetzen muss – bis hin zu Beleidigungen und Morddrohungen, die Bruder Lukas Boving stets sofort anzeigt. Davon ist er selbst in der katholischen Bubble nicht gefeit. 

Hass und Häme "muss ich aushalten", weiß der Benediktiner. Glücklicherweise gebe es eine Gruppe von acht bis neun Schwestern und Brüdern aus unterschiedlichen Gemeinschaften. Diese schützt ihn und holt ihn immer wieder auf den Boden zurück, sollte Bruder Lukas im übertragenen Sinne abheben. Zudem überlegen die Schwestern und Brüder, welche Themen die Menschen und sie selbst gerade bewegen.

Solch eine Arbeit wie sie Bruder Lukas leistet, geht nicht ohne gute Rahmenbedingungen. Dafür sorgt einerseits das Erzbistum Hamburg mit finanzieller Unterstützung aus dem Pastoralen Innovationsfonds. Andererseits hat ihn seine Klostergemeinschaft für die Social-Media-Arbeit freigestellt. Denn nicht nur "Mönch ärgere Dich nicht" muss produziert werden. Auch die Community muss gepflegt werden.

Auf Instagram hat Bruder Lukas Boving aktuell knapp 14.000 Follower, weitere 2.500 sind es auf TikTok. Hinzu kommen etwa 4.000 bis 7.000 Podcasthörer wöchentlich. Sie finden den Mönch außer auf Spotify bei Amazon, Apple sowie auf der in Berlin ansässigen Plattform podcast.de. Für die Zukunft plant Bruder Lukas seine Community auf allen Kanälen wachsen zu lassen – "um viele Menschen mit der Botschaft Christi zu erreichen." Er macht sich nichts vor: "Wir erreichen niemanden außerhalb der Kirchenbubble." 

Social Media: Was Bruder Lukas Boving rät

Bruder Lukas Boving gibt Tipps für Kirchenmenschen, die auf Social Media aktiv sein möchten: 
• "Fang an, mache einfach. Nimm Dein Handy, filme Dich und lade es hoch." 
• "Sei authentisch, verstelle Dich nicht." 
• "Mache Dich frei von Angst vor Deinem direkten Umfeld und der oftmals kritischen Sichtweise. Lege Deine Scheu ab." 
• "Nimm die Menschen mit."