Afghanistan-Heimkehrer mit psychischen Störungen

Afghanistan-Heimkehrer mit psychischen Störungen
Vom Auslandseinsatz in Afghanistan kehren laut einer Studie der Technischen Universität Dresden Hunderte deutsche Soldaten im Jahr mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) zurück.

2009 seien 300 und damit rund zwei Prozent der bei der ISAF-Mission eingesetzten Bundeswehrangehörigen mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung aus dem Auslandseinsatz in Afghanistan zurückgekehrt, fanden Forscher der Technischen Universität Dresden heraus. Am Mittwoch stellten sie erste Ergebnisse einer großangelegten Studie zu dem Thema in Berlin vor.

Sechs- bis zehnfach erhöhtes Krankheitsrisiko

Die PTBS-Rate bei Bundeswehrangehörigen ohne Auslandsmission liegt den Angaben zufolge bei 0,3 Prozent. Soldaten im Afghanistaneinsatz müssen der Studie zufolge also mit einem sechs- bis zehnfach erhöhten Krankheitsrisiko rechnen. Die Größenordnung sei zwar erheblich, aber nicht so dramatisch wie in der Öffentlichkeit häufig vermutet werde, so die Forscher.

Über PTBS klagen vor allem Menschen, die Gefechte, Anschläge, Unfälle und Katastrophen erlebt haben. Häufig leiden sie unter Albträumen und emotionaler Abstumpfung. Sie ziehen sich zurück und sind depressiv. Nicht selten besteht Suizidgefahr. Nach Angaben der Dresdner Forscher vom TU-Institut für Klinische Psychologie und dem "Center of Clinical Epidemiology and Longitudinal Studies" habe nur jeder zweite Belastete im Jahr nach dem Einsatz professionelle Hilfe aufgesucht. Es sei mit einer Dunkelziffer von weiteren 150 bis 300 Fällen zu rechnen, hieß es.

Insgesamt befragten die Wissenschaftler 1.488 Soldaten in zweistündigen Gesprächen. Sie wurden per Zufall aus 10.045 deutschen ISAF-Soldaten ausgewählt, die 2009 in Afghanistan stationiert waren. Daneben nahmen zum Vergleich 882 Soldaten ohne Auslandseinsatz an Interviews teil.

Angst, Depressionen und Erschöpfungssyndrome

Die PTBS-Raten bei den deutschen Soldaten liegen laut Studie "gravierend niedriger" als bei amerikanischen und englischen Soldaten. Dies gehe vermutlich auf weniger Kämpfe, eine kürzere Einsatzdauer und eine bessere Vorbereitung auf die Mission zurück, hieß es.

Die Dresdner Forscher warnen aber auch vor einer Fokussierung auf die PTBS. Andere Störungen wie Angst, Depressionen und Erschöpfungssyndrome hätten bei Soldaten und auch allgemein ein viel höheres Ausmaß und sollten mehr Aufmerksamkeit erhalten.

Nach eigenen Angaben ist die TU-Studie die weltweit größte und methodisch differenzierteste zu diesem Thema. Die Soldaten wurden an 19 Orten im gesamten Bundesgebiet befragt. Die Ergebnisse beruhen auf der Auswertung der ersten von insgesamt fünf Fragegruppen. Bislang können nur Fragen nach der PTBS-Häufigkeit und der Dunkelziffer beantwortet werden. Neben der weiteren Datenauswertung läuft außerdem eine Langzeitstudie mit 600 Soldaten vor und nach dem Einsatz.

epd