"Der gute Kamerad" - Woher kommt der Volkstrauertag?

Plastik eines liegenden Soldaten von dem Bildhauer Paul Seiler im Kriegsopfermal auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt am Main.

Foto: epd-bild/Stephan Krems

Plastik eines liegenden Soldaten von dem Bildhauer Paul Seiler im Kriegsopfermal auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt am Main.

"Der gute Kamerad" - Woher kommt der Volkstrauertag?
Jedes Jahr wird im Bundestag einmal der Kriegstoten gedacht: Der Bundespräsident spricht, die Kanzlerin ist anwesend, die Nationalhymne und das Lied "Der Gute Kamerad" werden gespielt. Woher kommt dieses Ritual?

Am Volkstrauertag gedenkt Deutschland der Toten von Krieg und Gewaltherrschaft. Der nationale Gedenktag für die Opfer der beiden Weltkriege und des Nationalsozialismus findet jeweils zwei Sonntage vor dem ersten Advent statt. Zahlreiche Veranstaltungen und Kundgebungen an diesem Tag sollen auch zur Versöhnung und Völkerverständigung beitragen und zu Toleranz und Frieden aufrufen.

Der Volkstrauertag wurde in der Bundesrepublik 1952 auf Anregung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge wieder eingeführt. Der Verband lädt an diesem Tag zu Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen an Mahnmalen, Gedächtnisstätten und auf Friedhöfen ein.

Fernsehübertragung der zentralen Gedenkstunde

Die Ursprünge des Volkstrauertags reichen bis in das Jahr 1922, als im Reichstag der Weimarer Republik die erste offizielle Feierstunde stattfand. Damals veranstaltete der Volksbund eine Gedenkfeier, um das Gedenken an die Millionen Kriegstoten des Ersten Weltkrieges zu wahren. Die Nationalsozialisten wandelten den Volkstrauertag nach der Machtübernahme 1933 in einen "Heldengedenktag" um, der bis 1945 jährlich im März stattfand. 

Die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag findet in diesem Jahr erneut im Plenarsaal des Bundestages in Berlin statt. Die ARD überträgt sie am Sonntag, den 15. November 2015 ab 13.30 Uhr live. Die Gedenkrede und das Totengedenken spricht Bundespräsident Joachim Gauck, der auch Schrimherr des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist. Die Lesung gestalten Jugendliche der Gesamtschule Berger Feld, Gelsenkirchen. Die musikalische Gestaltung der Gedenkstunde obliegt dem Leipziger Universitätschor unter Leitung von Universitätsmusikdirektor David Timm und dem Bläseroktett des Musikkorps der Bundeswehr, Siegburg unter Leitung von Hauptfeldwebel Jana Heß.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge finanziert sich und seine Arbeit zu 70 Prozent über Mitgliedsbeiträge, Spenden, Straßensammlungen und Nachlässe. Die restlichen Gelder kommen nach Angaben des Volksbundes vom Bund und den Ländern. Der Volksbund ruft vor allem per Brief zur Spende auf.

Die Zahl der Vereinsmitglieder schrumpft, da die Generation der Betroffenen langsam stirbt. Heute hat der Volksbund knapp 350 000 aktive Förderer, aber es gibt über eine Million Gelegenheitsspender und Interessenten. Seit einiger Zeit konzentriert sich der Verein vermehrt auf die Schicksalsklärung für die Hinterbliebenen. Denn es gehört nach dessen Selbstverständnis zu den Aufgaben des Vereins, für die Gräber der Kriegsopfer des Ersten und Zweiten Weltkriegs im Ausland Sorge zu tragen. Das bedeutet auch, Kriegstote zu suchen, zu exhumieren, zu identifizieren und sie in einer würdigen Grabstätte wieder zu begraben.

Im Rahmen von bilateralen Vereinbarungen erfüllt der Volksbund seine Aufgabe in Europa und Nordafrika. In seiner Obhut befinden sich heute 832 Kriegsgräberstätten in 45 Staaten mit etwa 2,7 Millionen Kriegstoten. Mehrere tausend ehrenamtliche und 571 hauptamtliche Mitarbeiter/innen erfüllen heute die vielfältigen Aufgaben der Organisation.