Zelten mit Mose

Zelt am Strand
Getty Images/iStockphoto/Peter Berglund
Bibel und Tourismus
Zelten mit Mose
Die niederländische Gemeinde Ouddorp fand vor gut hundert Jahren eine biblische Begründung für Tourismus.

Ouddorp, Niederlande. Aufmerksamen Leser:innen dieses Blogs ist dieser Ort möglicherweise ein Begriff, denn ich berichtete schon öfter über die kleine, aber sehr aktive Mennoniten-Gemeinde an diesem Ort, die unserer Familie ein Stück Heimatgemeinde geworden ist. Auch in diesem Jahr habe ich dort zwei deutschsprachige Urlaubergottesdienste gefeiert und zwei Strandandachten angeboten. Ouddorp („altes Dorf“) ist ideal für den Niederlande-Urlaub: viele Kilometer schöner und gepflegter Sandstrand. Plätze zum Surfen, Plätze zum Baden. Naturschutzgebiete und Zeltplätze sowie Bungalowparks reihen sich aneinander. Und wer ein bisschen was erkunden will, findet in der näheren und ferneren Umgebung viele interessante Ziele. Aber alles das hätte es ohne Mose vielleicht nicht gegeben. 

Aber von vorne: Was zu unserem Urlaub immer dazugehört ist ein ausgiebiger Kaffeebesuch des ehemaligen mennonitischen Ortspfarrers Johannes Smink. Diesmal erzählte er uns aus der längst vergangenen Geschichte des Ortes. Damals, als die Gegend noch eine abgeschiedene Insel war, die zwar seit Beginn des 20. Jahrhunderts über eine eigene Straßenbahn verfügte, aber mit dem Festland nur über eine Fähre verbunden war. So entwickelte sich hier nicht nur ein eigener Dialekt, sondern auch ein gewisser Stolz auf die eigenen Traditionen. Vor allem aber war – und ist – nicht nur Ouddorp, sondern die ganze Region im Vergleich zum Rest der Niederlande stark gläubig, oft auch in sehr konservativen Ausprägungen. Hier sieht man sonntags immer noch Familien, die mit dem Rad oder zu Fuß zur Kirche kommen – die Männer im Anzug, die Damen im Kleid mit Hut (der auf dem Rad oft in die Tasche gepackt wird).

Mittlerweile ist Ouddorp auch mit dem Auto und dem Linienbus hervorragend zu erreichen. Haringvlietdamm und Brouwersdam, Teile der Deltawerken, die nach der großen Flut von 1953 angelegt wurden, um die Niederlande vor den Fluten zu schützen, lassen die ehemalige Insellage vergessen.

Vor gut einhundert Jahren, als Tourismus zum ersten Mal ein echtes Thema auf der Insel wurde, war das jedoch noch völlig anders. Und die damaligen Kirchen- und Gemeinderäte sahen sich vor die Frage gestellt: Wollen wir das überhaupt zulassen? Ist Tourismus biblisch? Oder holen wir uns sozusagen die Sündhaftigkeit der Welt auf unsere schöne, abgeschiedene Insel? Was sagt uns die Bibel zu dem Thema? Gibt es da irgendwelche Hinweise?

Schließlich kam ihnen die biblische Erleuchtung: Schließlich war auch Mose schon in Zelten unterwegs gewesen. Dann sollte es auch in Ordnung sein, wenn Menschen in Zelten zu uns kommen.

Mag sein, dass diese biblische Erklärung ein wenig aus dem Kontext gerissen war. Für die wirtschaftliche und touristische Entwicklung des kleinen Ortes war sie jedenfalls sicherlich nicht falsch. Danke Mose. Schönen Urlaub!

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