Das Jesus-Telefon

US-Mobilfunkanbieter
Das Jesus-Telefon
In den USA gibt es nun einen „christlichen“ Mobilfunkanbieter. Was soll das sein?

Das Telefon steht schon im Alten Testament. Ehrlich! Jeremia 29,12: „Und ihr werdet mich anrufen und hingehen und mich bitten, und ich will euch erhören.“ Oder auch Psalm 145,8: „Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen.“

Gott anrufen! Noch dazu in einer Telefonschalte mit Ernst! Ja nee, schon klar, da geht’s nicht ums Telefon, sondern ums Gebet. Darum, dass wir Gott ehren sollen, dass wir mit allem, was uns beschäftigt, zu Gott kommen können. Und Gott ist immer am anderen Ende der Leitung. Aber irgendwie geht’s ja bei beiden Interpretationen des Wortes „anrufen“ auch um Kommunikation, ob nun mit anderen Menschen oder eben mit Gott.

Heute aber dreht sich’s schon lange nicht mehr ausschließlich ums Telefonieren. Ohne das überall verfügbare Internet wären wir heute nichts. Die üblichen Websites, sozialen Medien, Nachrichten des Tages, meinetwegen auch mal eine Predigt, ein Podcast: Alles ist sofort und weltweit verfügbar mit einem Smartphone und der dazugehören Daten-Flatrate. Leider ist da auch so manches dabei, was wir vielleicht nicht unbedingt sehen wollen – oder was zumindest unsere Kinder so nicht sehen sollen.

In den USA – wo sonst – gibt es nun einen Mobilfunkanbieter mit einer ganz besonderen Mission. Der selbst ernannte christliche Mobilfunkanbieter Radiant Mobile bietet eine ganz besondere Verbindung an: Aus dem Sündenpfuhl des weltweiten Netzes wird alles rausgefiltert, was dem Glauben widerspricht!

Jedenfalls aus deren Sicht.

Sie können sich sicher schon denken, was gefiltert wird: Neben den irgendwie anscheinend unvermeidbaren Pornos auch alles, was irgendwie mit „Gender“ zu tun hat und natürlich jegliche Erwähnung von so fürchterlichen Dingen wie LGBTQ+ und anderen sexuell irgendwie „anstößigen“ Themen.

Seufz.

Warum sind manche Christinnen und Christen, vor allem konservative, so auf dieses Sex-Thema fixiert? Wenn wir genauer in die Bibel sehen, dann wimmelt es da nur so von den verschiedensten Ausprägungen der Sexualität. Denn Gott hat uns doch als leibliche Wesen geschaffen. Und da gehört unsere Sexualität als etwas Schönes und von Gott geschenktes nun mal dazu. Lesen Sie doch mal das Hohelied Salomos. Dass auch Homosexualität und diverse andere Nuancen der menschlichen Sexualität eben nicht „Sünde“ sind, das haben wir hier auf evangelisch.de schon wirklich oft genug erörtert, mich ermüdet das langsam. Das will ich hier gar nicht mehr genauer ausführen.

In den FAQ von Radiant lautet das so: „Radiant is committed to content that supports the biblical view of identity, sexuality, and family.“. OK, schauen wir uns mal die biblische Familie von König David an. Vater, Mutter, zwei Kinder? Ähm na ja, es waren, wenn ich mich recht erinnere, immerhin acht Frauen, deren Namen überliefert sind, sowie vermutlich viele weitere. Oder die Familie von Lamech, der zwei Frauen hatte. Oder Abraham, der Hagar gewissermaßen als, oh je, Leihmutter nahm. Ach ja, hatte Jesus eigentlich eine Familie?

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die erwähnten Bibelstellen im Radiant-Netzwerk dann überhaupt aufrufbar sind. Eigentlich dürften sie das dann ja nicht.

Natürlich kann man meinetwegen darüber diskutieren, ob diese Partnerschafts-Konstellationen so „gottgewollt“ sind. Aber sie sind da. Sie sind Realität, auch in der Bibel, und es hilft nichts, einfach die Augen zu verschließen. Gottes Schöpfung ist viel bunter als manche das wahrhaben wollen.

Lassen wir mal diese ganze Sex-Thematik beiseite, denn sie überlagert etwas, was meines Erachtens viel wichtiger ist. Ein Netzanbieter, der alles ausblendet, was dem christlichen Glauben widerspricht: Ich finde, der müsste ganz andere Dinge filtern. Alles das, was derzeit unsere „sozialen Medien“ so vergiftet: Den Hass. Die Ausgrenzung. Die Lügen. Die Abwertung und Verunglimpfung Andersdenkender. Die Verdrehung physikalischer Tatsachen. Die Angstmacherei. Die menschenverachtenden Kommentare. Die Lach-Smileys unter ernsthaften Themen.

Das, glaube ich, könnte unser Internet tatsächlich wieder zu einem besseren Ort machen. Zu einem Ort, an dem wir uns wieder mit Freundlichkeit und Respekt begegnen könnten, selbst wenn wir in vielen Dingen unterschiedlicher Meinung sind, selbst wenn wir unterschiedlich leben und lieben, selbst wenn unsere Lebensentwürfe völlig gegensätzlich sind.

Leider, fürchte ich, wird es so etwas nicht geben, obwohl die Welt damit bestimmt ein besserer Ort wäre. Oder vielleicht gerade deshalb, denn die sozialen Medien leben von diesen Konflikten.

Also müssen wir das eben selber erledigen: Alle diese Dinge, die uns voneinander trennen wollen, in unseren eigenen Gedanken wegfiltern. Eine technische Lösung gibt’s dafür nicht. Da hilft nur eines. Das, was Jesus uns gepredigt hat: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Ausnahmen oder Filtermöglichkeiten hat er da übrigens nicht vorgesehen. Lasst uns das mit Ernst angehen.

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