Letzte Reise mit dem Rad

alternative Bestattungsformen
Letzte Reise mit dem Rad
In Frankreich können Särge sehr stilvoll mit einem Lastenrad transportiert werden.

Unausweichlich ist er: der Tod. Und doch kommt er fast immer zur Unzeit. Als Pfarrer werde ich dazu gerufen, den Abschied von einem lieben Menschen zu begleiten. Mit Gesprächen, mit einem Gottesdienst zur Beerdigung. Manchmal wird das sehr persönlich, manchmal erfahre ich von der verstorbenen Person nicht mehr, als dass sie zur Schule gegangen ist, gearbeitet hat und eine liebevolle Mutter oder ein liebevoller Vater gewesen ist. Trotz der traurigen Situation: Ich mache das gern. Denn viele machen sich Gedanken darüber, wie diese letzten Momente würdig und angemessen zu gestalten sind. Oft wird es dann wirklich ein sehr persönlicher Abschied, ein Moment, nochmal an den verstorbenen Menschen zu denken, vielleicht sogar mit einem Lächeln oder gar einem Lachen über eine schrullige Angewohnheit, an die die Angehörigen sich gerne erinnern.

So wie der ältere Herr in den Niederlanden, von dem ich schon vor einiger Zeit berichtete. Der war mit seiner Frau viel auf dem Rad unterwegs – und nun transportierte er den Sarg auf einem Fahrradanhänger zur Trauerfeier und zum Friedhof.

In Paris, das in den letzten Jahren in erstaunlichem Maß vom Auto aufs Fahrrad umgestiegen ist, stoßen solche Gedanken auf offene Ohren. Und so gibt es dort nun ein Beerdigungsinstitut, bei dem Sie den Sarg nicht mehr im Auto transportieren lassen müssen. Ein spezielles Lastenfahrrad mit einer großen Sargaufbewahrung begleitet die Verstorbenen auf ihrer letzten Reise.

Schön sieht es aus. Ein geschwungener Holzrahmen umschließt die Sargaufbewahrung. „Das Schöne kann auch Trost spenden“, meint Bestatterin Isabelle Plumereau, Gründerin des Bestattungsunternehmens „Le Ciel et la Terre“, zu deutsch: Himmel und Erde.

Etwa 40 Kilometer kann das Fahrrad mit elektrischer Unterstützung zurücklegen. Noch ist es nicht offiziell in Betrieb, ab Herbst kann sich Frau Plumereau vorstellen, damit einerseits Überführungen im näheren Umkreis anzubieten, andererseits aber auch sehr würdevoll Prozessionen auf dem Weg zum Grab voranzufahren. Ähnlich wie beim elektrischen Bestattungsauto, das schon vor vielen Jahren den Weg auf die Friedhöfe fand, müssen die Angehörigen nicht durch stinkende Abgase hinter dem Sarg her laufen. Und Schrittgeschwindigkeit ist für ein Lastenfahrrad nun ebenfalls kein wirkliches Problem. Ein würdevoller Abschied, nicht nur für die, die sich Gedanken um ökologische Fragen machen. Schön, dass wir neue Formen dafür finden!

weitere Blogs

Zwei Männer in Lederhosen von der Gruppe "D´Schwuhplattler" geben sich einen Kuss bei dem CSD München.
Während in der Türkei einer queeren Kreuzfahrt das Anlegen durch die Behörden verweigert wird, erlebt Deutschland einen Pride-Monat, der so politisch ist wie schon lange nicht mehr. Gut so, findet unser Autor Wolfgang Schürger.
Du sollst Dir kein Bildnis von Gott machen - aber Gedanken machen darfst Du Dir schon... Vor allem, wenn Dein Leben aus dem Ruder läuft und Du Dich fragst: Wer steuert eigentlich gerade in diese völlig bescheuerte Richtung? Und wem kann ich mein Leid klagen?
Drei Kreuze mit Regenbogenfarben
Sonja Thomaier nimmt euch mit in den Teil 2 der Blogreihe zu queeren/den Theologien. Dieses Mal stellt euch Sonja die Einleitungen/Introductions vor.