Der Plan: Einfach nicht sterben

Longevity
Der Plan: Einfach nicht sterben
Der neueste Medizin-Trend: Den Alterungsprozess immer weiter verzögern. Ob das eine Alternative zu Ostern ist?

Bryan Johnson hat ein interessantes Lebensmotto. Es lautet ganz einfach „Don’t die“. „Nicht sterben“. Wobei das dem Begriff „Lebensmotto“ schon an sich eine irgendwie ganz neue Bedeutungsebene verpasst.

Der 46-jährige Johnson kann sich das leisten. Er gibt zwei Millionen US-Dollar im Jahr dafür aus, schluckt so an die 100 Pillen am Tag, ernährt sich gesund, treibt Sport und was halt noch so alles dazu gehört. Seine Firma hat er gerade für 800 Millionen verkauft, das würde dann also für die nächsten 400 Jahre Pillenschlucken und Sport reichen. Naja, abzüglich der Inflation, sagen wir mal für 200 bis 300 Jahre. Nach aktuellem Stand wird er wohl doch schon vorher zu Ende gealtert sein oder wie immer man das dann ausdrücken will – nach eigenen Angaben altert er derzeit 252 Tage im Jahr. Das würde dann immerhin reichen, um beispielsweise statt 80 Jahre 115 Jahre alt zu werden. Das sind dann gut 42.000 Tage oder 4,2 Millionen Tabletten. Nun ja, wer’s mag. Von „Don’t die“ aber noch weit entfernt.

Derzeit entwickelt sich offenbar ein regelrechter Industriezweig rund um Longevity, also langes Leben. Die entwickelnden Firmen haben nur ein „kleines“ Problem: Altern ist nicht als Krankheit definiert. Bisher jedenfalls nicht. Das macht die Forschung aus rechtlichen Gründen ein wenig komplizierter. Aber wer Millionen auf dem Konto hat und bereit ist, sie für das eigene Wohlergehen und langes bis ewiges Leben auszugeben, den schert das vermutlich wenig.

Manche Menschen, die heute schon leben, werden vielleicht 150 Jahre alt werden, schätzt Genetik-Professor David Sinclair von der Harvard Medical School, der auch ein Buch mit dem knalligen Titel „Das Ende des Alterns“ geschrieben hat.

Vom ewigen Leben sind wir aber noch weit entfernt. Die „Normalbevölkerung“ kann nicht mal eben zwei Millionen im Jahr ausgeben. Was aber von der Forschung abfallen könnte, ist vielleicht die Erkenntnis, dass viele Altersgebrechen nicht unbedingt zwangsläufig sind. Vielleicht gibt es irgendwann Medikamente und Methoden, um vielen Menschen das Leben im Alter jedenfalls erträglicher zu machen. Auf dem Weg sind wir ja durchaus schon ein gutes Stück vorangekommen.

Und dann wären da noch die Menschen, die schon froh wären, wenn sie ein halbwegs normales Alter erreichen würden. Menschen weltweit, die verhungern oder keine ausreichende Gesundheitsfürsorge haben. Menschen, die in Kriegen sterben. Oder an den Folgen des Klimawandels. Ach, wie schön wäre es, wenn wir wirklich daran arbeiten könnten, allen Menschen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen.

Ewig auf dieser Erde zu leben dagegen stelle ich mir auf die Dauer relativ anstrengend vor. Da hoffe ich doch lieber darauf, dass es nach meinem Tod weitergeht. Wie das aussehen wird? Das überlasse ich lieber Gott. Dafür muss ich auch keine hundert Pillen am Tag schlucken. Dafür reicht es, mitzumachen beim Osterjubel, getreu unserem christlichen Lebensmotto: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Trotz aller Zweifel, die uns bleiben und die natürlich immer an uns nagen: Das halte ich für die vielversprechendere Weise, mit dem Tod umzugehen. Und das mit dem „Don’t die“ steht übrigens schon so ähnlich in Psalm 118,17: „Ich werde nicht sterben, sondern leben.“

Frohe Ostern und ein schönes ewiges Leben!

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