Die Orgel gibt das Tempo vor

Die Orgel gibt das Tempo vor

Da saß ich also an der Orgel in dem Karfreitagsgottesdienst, setzte nach einem dreistimmigen Vorspiel - Pedale hatte die kleine elektronische Aushilfsorgen halt nicht - mit dem Choral ein. Es war keine sehr sangesstarke Gemeinde - nun kann man ja auch von kranken Gefangenen nicht erwarten in den Chorälen der Kirche firm zu sein - und so strengte sich der Pfarrer lautstark an, wenigstens etwas Stimme zu geben. Das ging zu Beginn ja auch gut. Bis wir dann ein kleines Tempoproblem hatten...

Nach knapp der Hälfte des Chorals merkte ich: Der Pfarrer ist irgendwie schneller als ich. Was war da zu tun? Gute Frage. Da ich noch jung im Geschäft war, ging ich in die klassische Tempofalle: Anstatt souverän das Tempo zu bestimmen, wie das eigentlich ein Organist tun sollte, schließlich ist er ja der wichtigste Mann im Moment, versuchte ich Schritt zu halten. Und zum Pfarrer, der immer noch aus voller Brust und mit ganzer Seele sang, aufzuschließen. Also vom Tempo her.

Man kann ahnen, was folgte. Richtig: Nachdem der Pfarrer merkte, dass ich schneller wurde, wurde natürlich er schneller. Das hätte jetzt sich so steigern können, dass die Gemeinde am Schluss durch den Choral gehetzt wird, hat es jedoch glücklicherweise nicht. Irgendwie waren der Pfarrer und ich dann doch noch gleichzeitig fertig. Wobei das Spiel dann in der zweiten Strophe dann von vorne begann. (Wobei es uns dann irgendwie gelang, auch noch rechtzeitig fertig zu werden. Ich frage mich bis heute, wie wir das geschafft haben.)

Bekanntlich lernt man ja auch Niederlagen mehr als aus seinen Siegen - und daher bin ich heute in der Lage, das Tempo von der Orgel aus selbst vorzugeben. Sofern ich allein spiele. Schwierig wird das natürlich, wenn dann der Posaunenchor wieder eine total andere Vorstellung vom Tempo hat... Aber das ist eine andere Geschichte, ebenso wie die Frage: "Wie schnell darf ich denn jetzt diesen Choral eigentlich spielen"? ;-)

weitere Blogs

Eine Wiese mit Krokussen
Gestern war Vollmond - an vielen Orten Deutschlands bot sich ein beeindruckendes Bild, da der Mond in besonderer Größe zu sehen war. „Wurmmond“ wird dieser Mond vor dem Frühlingsanfang astronomisch genannt. Das klingt nicht schön, kommt aber aus indigenen Traditionen: Indigene Menschen stehen in enger Verbundenheit mit der Natur - und so beobachten sie, dass mit diesem Mond die Würmer wieder vermehrt aus der Erde kommen: Neues Leben bricht auf, die harte Zeit des Winters ist vorbei!
Heute Abend beginnt unser jüdisches Purimfest. Dabei feiern wir die Rettung der Juden im antiken Persien vor dem Vernichtungsplan des bösen Ministers Haman. Die mutige jüdische Königin Esther ist dabei eine der wichtigsten Figuren. Und ihr Mut kann uns auch heute noch inspirieren.
Ein Brief an die mächtigen Männer der westlichen Welt.